Die renommierte Fachärztin für Plastische Chirurgie, Univ.-Doz. Dr. Greta Nehrer, ist seit über zahn Jahren in ihrer Ordination in Wien tätig. Im Interview spricht sie über kosmetische Eingriffe, Patientenwünsche und neue Trends.

Kosmetische Korrekturen liegen nach wie vor im Trend. Was hat sich in letzten zehn Jahren verändert?

Durch die vermehrte Medienberichterstattung ist die Hemmschwelle gesunken, sich für einen ästhetischen Eingriff zu entscheiden. Plastische Chirurgie ist kein Tabuthema mehr. Die Patienten sind meist schon vorab informiert und wählen sehr genau aus, zu welchem Arzt ihres Vertrauens sie gehen.

Dennoch überlegen fast alle meiner Patienten sehr lange, oft jahrelang, bevor sie sich zu einem Eingriff entschließen. Der Trend geht wieder hin zu den natürlichen Ergebnissen. Die Individualität soll erhalten bleiben, der persönliche Ausdruck soll optimiert, aber nicht verändert werden. Keinesfalls soll man operiert aussehen.

Welche Operationen und Behandlungen werden gewünscht?

Behandlungen mit Botox und Faltenfillern sind sehr gefragt. Wenn man bereits vorbeugend beginnt, kann man den Alterungsprozess tatsächlich um viele Jahre verzögern. Natürlich muss dabei sehr sorgsam vorgegangen werden. Maskenhafte Gesichter sind passé. Ich behandle dabei immer so, dass das Gesicht frischer und jünger aussieht, aber keinesfalls „aufgespritzt“. Die meisten Frauen halten diese Behandlungen sogar zu Hause geheim. Dennoch haben Fillerbehandlungen natürlich ihre Grenzen.

Bei chirurgischen Korrekturen wollen meine Patientinnen wieder schnell gesellschaftsfähig sein. Ich führe sehr viele Operationen ambulant und in örtlicher Betäubung durch, wie Oberlidkorrekturen oder Miniliftings. Damit kann man einen erstaunlichen Effekt mit relativ wenig Aufwand erzielen.

Auch Brustkorrekturen wird fast immer auf Grund eines großen Leidensdruckes gewünscht. Die Patientinnen wollen dabei natürlich und nicht operiert aussehen. Die Brustgröße soll zur Statur passen. X-Large-Vergrößerungen lehne ich ab. Relativ neu ist die Auffüllung der Brust mit Eigenfettgewebe. Damit kann die Brust dauerhaft und ganz natürlich optimiert werden.

Was meinen Sie zum Tabuthema Genitalkorrekturen?

Hier muss man unterscheiden: viele Frauen leiden sehr unter vergrößerten inneren Schamlippen, sowohl funktionell als auch psychisch. Wenn dabei die Lebensqualität leidet, man sich nicht mehr vor dem Partner nackt zeigen oder im Fitnesscenter duschen möchte, ist eine medizinische Indikation zur Korrektur gegeben. Der Eingriff ist dabei nicht riskant, wenn er ordnungsgemäß durchgeführt wird.  Andere Genitalkorrekturen zur „Verjüngung“ führe ich nicht durch.

Welche Eingriffe lehnen Sie ab?

Allgemein lehne ich Behandlungen ab, wenn ich den Eindruck habe, dass der Wunsch nach einer Korrektur nicht lange überlegt wurde oder ein großer Einfluss vom Partner da ist. Auch wenn eine zu große Erwartungshaltung da ist, die ich nicht erfüllen kann. Rein ästhetische Korrekturen bei unter 18-Jährigen kommen nicht in Frage. Ich führe keine Behandlungen durch, die zu unnatürlichen oder operiert aussehenden Ergebnissen führt, wie z.B. groteske Lippenvergrößerungen oder XL-Brustvergrößerungen.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Die größte Belohnung ist für mich das positive Feedback meiner PatientInnen. Ich helfe Menschen, die stark unter einem körperlichen Makel leiden, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen. Das gibt ihnen mehr Selbstvertrauen und damit Lebensqualität. Oft verbessern sich dadurch auch die Beziehungen innerhalb der Familie und im Berufsleben.