Des Menschen Alltag ist von der visuellen Wahrnehmung dominiert - über Lesen, Schreiben und Sehen funktionieren Informationsvermittlung und Erkenntnisgewinn. Den Hörsinn via akustischer Signale, gar Sprache zum Verständniszuwachs  einzusetzen, bedarf deutlich mehr willentlicher Aufmerksamkeit. Glaubwürdig erscheinen nur sichtbare, möglichst festgeschriebene Ereignisse, Hörbarem wird aufgrund seiner Flüchtigkeit kaum Gültigkeit zuerkannt . Wie ist dem mit einem gefährdeten Sehsinn beizukommen?

Schon gesunde Augen brauchen Schutz, etwa bei staubigen Arbeiten oder dem Umgang mit ätzenden Substanzen durch eine Schutzbrille und mittels Sonnenbrillen vor der UV-Strahlung im Sonnenlicht. Eine optimale Beleuchtung am Arbeitsplatz und ein regelmäßiges Training der Augenmuskeln für ermüdungsarmes Sehen gehören grundlegend beachtet.

Außerdem sollten die Augen mittels Sehschärfemessung einmal jährlich vorbeugend untersucht werden. So kann man Beeinträchtigungen des Sehvermögens bzw. Veränderungen der Sehstärke bei Kurz- und Weitsichtigkeit möglichst frühzeitig entdecken. Ab dem 40. Lebensjahr ist eine jährliche Papillenspiegelung ratsam, Diabetiker sollten sich  sowieso jährlich einer Fundusuntersuchung unterziehen. Denn oft sind es nur die Früherkennungsuntersuchungen, die eine Erkrankung der Augen in noch frühem Stadium ermöglichen. Häufig sind die Augen zudem an allgemeineren Erkrankungen beteiligt und können daher bei der Anamnese zu Rate gezogen werden.
 

Häufige Augenkrankheiten und deren Behandlung

Beginnende Erkrankungen des Auges sind selten mit Schmerzen verbunden und werden deshalb oft im wahrsten Sinne des Wortes übersehen. Am bekanntesten dürften der Grüne Star (Glaukom) und der Graue Star (Katarakt) sein, die jedoch nicht zu verwechseln sind: während der Grüne Star durch rechtzeitiges Erkennen medikamentös behandelt werden kann, ist die einsetzende Linsentrübung beim Grauen Star nur ophthalmologisch durch Linsenersatz zu stoppen. Relativ schnell kann eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) entstehen, die aber in den meisten Fällen gut mit Medikamenten behandelbar ist. Die Makuladegeneration ist eine altersbedingte Schädigung des hinteren Teils im Auge (Makula), welche das feine Sehen zunehmend einschränkt, leider bislang unheilbar ist und nur durch die Verwendung von optischen Sehhilfen ausgeglichen werden kann.

Amblyopien werden verschiedene Formen der Schwachsichtigkeit genannt, die häufig von einem weniger sehtüchtigen Auge ausgelöst worden und wie das Schielen (Strabismus) meist mit optischen Sehhilfen halbwegs korrigierbar sind. Ebenfalls mit optischen Sehhilfen, zunehmend auch operativ mit Laser, werden Kurzsichtigkeit (Myopie) und Weitsichtigkeit (Hyperopie) behandelt; die unumgängliche Alterssichtigkeit dagegen kann nur mit einer Nahbrille bewältigt werden. Augenkrankheiten treten außerdem recht häufig in Verbindung mit Diabetes mellitus, Langzeitcortisonbehandlungen und einer Liste anderer Medikamente auf. Fatalerweise werden Behandlungen von Krankenkassen häufig nicht oder nur gering erstattet und der Gesundheitszustand unserer Augen gerät so zu einem wirtschaftlichen Problem, der Umgang mit dessen Folgen erst recht.
 

Barrierefreiheit

Ist der Verlauf einer Augenerkrankung nicht mehr aufzuhalten oder setzt gar Erblindung ein, kann man trotz des herben Schicksalsschlags mit Hilfsmitteln sowohl ein selbständiges Leben führen und als auch berufstätig sein. Dabei ersetzen Vorlesesysteme zum Beispiel das Lesen; Sprachausgabeprogramme (Screenreader) und eine Braillezeile ebnen Blinden den Zugang zum Bildschirminhalt und ermöglichen so das Arbeiten am Computer.

Auch mit Kontrast- und Schriftgrößenregulierung können Websites für Sehschwache barrierefrei gestaltet werden. Vor allem die moderneren Hilfsmittel sind freilich noch lange kein Standard und müssen genau wie eine sensible Sprechweise im Umgang mit Behinderung erst noch in das Bewusstsein und den Alltag vieler Menschen rücken. Dem voraus geht aber wie so oft die Finanzierung solcher Hilfsmittel, wo staatliche Zuwendungen oft fehlen und Hilfsorganisationen versuchen, diese Lücken zu schließen.