OMR Dr. Helga Azem
Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft

Lese- und Schreibbeschwerden, Kopfschmerzen und Ermüdung können insbesondere bei Kindern auf Augenerkrankungen hindeuten. Nur durch eine augenärztliche Untersuchung kann die für ein Kind richtige Brille bestimmt und festgestellt werden. Es wird auch geprüft, ob die Ursache im Auge liegt oder zum Beispiel Erkrankungen des Gehirns vorliegen. „Es ist wichtig, dass die Untersuchung nur beim Augenarzt stattfindet, da dieser über eine fundierte, ganzheitliche medizinische Ausbildung verfügt. Eine solche Untersuchung ist nur mit ‚eingetropften Augen aussagekräftig“, stellt Dr. Helga Azem, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft und Vorsitzende der Bundesfachgruppe Augenheilkunde/ Optometrie der Österreichischen Ärztekammer fest.

 

Vorsorge ist wichtig

Dabei spricht sich OMR Dr. Azem in erster Linie für Vorsorge und Früherkennung von Augenerkrankungen aus: „Das Auge gehört zum Augenarzt. Vorsorgeuntersuchungen sind in allen Altersgruppen notwendig, gerade im Kindesalter sollen die ärztlichen Angebote von den Eltern besonders regelmäßig und sorgfältig in Anspruch genommen werden. Die Diagnose und Therapie gehören, schon aufgrund der profunden und umfassenden Ausbildung immer in die Hand von Augenärzten“, so die Medizinerin und fährt fort: „Es gibt wertvolle Gesundheitsberufe mit handwerklicher Ausbildung, deren Leistungen keinesfalls in Frage gestellt werden sollten und die wichtige Partner für uns Augenärzte sind. Allerdings dauert die Ausbildung der Augenärzte zwölf Jahre und umfasst dabei nicht nur die Lehre um das Auge sondern bezieht den gesamten Körper mit allen Zusammenhängen ein.

Auch Hinweise auf viele körperliche Erkrankungen in anderen Körperregionen lassen sich auch im Auge erkennen.“ Vehement spricht sich Frau Dr. Azem für Vorsorgeuntersuchungen aus. Dabei müssen diese früh beginnen: Jedes Kind sollte spätestens zwischen dem 22 und 26 Lebensmonat vom Augenarzt untersucht werden, was auch im Mutter-Kind-Pass vorgeschrieben ist. Mithilfe einer Schattenprobe wird bei weitgetropften Pupillen – um damit die Fähigkeit zu fokussieren auszuschalten – bei den Kleinen eine Dioptrienbestimmung, ein orthoptischer Status, also eine Prüfung ob latentes oder manifestes Schielen vorliegt, sowie eine Netzhautuntersuchung durchgeführt.

 

Augenkrankheiten von Eltern unbemerkt

„Denn“, so OMR Dr. Helga Azem, „unkorrigierte höhergradige Fehlsichtigkeit, etwa Kurz-, Weit- oder Stabsichtigkeit, wird von Eltern meistens nicht bemerkt, kann aber dazu führen, dass das Kind zu schielen beginnt oder schwachsichtig wird, das heißt, das Auge lernt das Sehen nicht. Auch darüber hinaus empfiehlt die erfahrene Augenärztin regelmäßige Untersuchungen: „Das Kind sollte zudem einmal jährlich im Schulalter augenärztlich untersucht werden, um Fehlsichtigkeit, Augenerkrankungen und Schielen rechtzeitig zu entdecken.“ Lese- und Schreibbeschwerden, Kopfschmerzen und Ermüdung sind bei Kindern Anzeichen einer Augenerkrankung.