Können Sie uns von Ihrem Leben vor dem Unfall erzählen?

Ich wuchs mit meinen Geschwistern in Waidhofen an der Ybbs auf und mochte jede Form der Bewegung. Ich bin gern gewandert, geklettert und Mountainbike gefahren. Mit 22 Jahren habe ich mich auf mein geplantes Auslandssemester in Kanada gefreut. Dazu ist es aber leider nicht gekommen.

Was genau ist Ihnen passiert?

Am 10. Juni 2004 bin ich mit dem Mountainbike eine Waldabfahrt hinunter gefahren. Dann verlor ich die Kontrolle und wurde über den Lenker geschleudert. Ich bin mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen, mein Kinn wurde zur Brust gedrückt und die Wirbelsäule überstreckt. Ich lag am Boden, konnte nur schwer atmen und hatte starke Schmerzen im Genick. Das Schlimmste war aber, dass ich meine Beine weder fühlen noch bewegen konnte.

Was ist das nächste, an das Sie sich erinnern können?

Ich kam zwei Wochen später auf der Intensivstation zu mir. Ich wurde beatmet, überall waren Schläuche und ich konnte mich nicht bewegen. Außerdem hatte ich schlimme Albträume. Als ich halbwegs bei mir war, haben mir die Ärzte gesagt, dass Teile meines fünften und sechsten Halswirbels zerschmettert wurden. Auf dieser Höhe wurde mein Rückenmark gequetscht.

Was genau bedeutet das?

Durch die Verletzung konnte ich meinen Körper von den Schultern abwärts nur noch eingeschränkt spüren und bewegen, konnte meinen Polster nicht mehr selbstständig zurechtrücken, geschweige, denn mir etwas zu trinken nehmen, obwohl ich extremen Durst hatte. Ich fühlte nur noch Ohnmacht und wusste nicht, wie es weitergehen würde. Meine Familie war mir eine große Stütze und kümmerte sich früh um einen Reha-Platz. Nach anderthalb Monaten kam ich vom Krankenhaus zur Reha in den Weißen Hof.

Verbesserte sich Ihr Zustand dort?

Ich war und bin querschnittsgelähmt. Mein Zustand besserte sich aber insofern, als dass mein Kreislauf dort in Schwung gebracht und ich langsam ans Sitzen und den Rollstuhl gewöhnt wurde. Ich nahm an Therapien teil, lernte langsam wieder selbstständig zu essen, meine Zähne zu putzen und irgendwann sogar, selbstständiger zu duschen.

Wie haben Sie zurück in Ihren Alltag gefunden?

Den Alltag, den ich bis dahin kannte, gab es nicht mehr. Als Tetraplegiker hatte und habe ich Probleme mit dem Kreislauf, der Haut und meiner Durchblutung. Ich spüre nicht mehr, wenn mir jemand über die Finger streichelt, kann nichts festhalten, geschweige denn meine Beine bewegen.

Die positiven Menschen um mich herum waren mir eine enorme Hilfe. Dazu unterstützte mich ein 24-Stunden-Pflegedienst. Ich bin in eine eigene barrierefreie Wohnung gezogen, habe mir Trainingsgeräte besorgt und zwei Jahre nach dem Unfall mein Studium beendet.  

Das sind große Erfolge!

Wobei Erfolg für jeden etwas anderes bedeutet. Für mich war es auch schon gigantisch, nach der Intensivstation ohne Hilfe atmen zu können. Und heute setze ich mir Ziele mit dem Elektro-Handbike. Es auf eine Anhöhe zu schaffen, ist für mich auch ein riesiges Erfolgserlebnis. 

Hadern Sie trotzdem manchmal mit Ihrer Situation?

Ich habe ein erfülltes und glückliches Leben. Mit meiner Situation habe ich umzugehen gelernt, aber ich habe eine Welt vor Augen, in der ich keine Hilfe mehr brauche. Ich habe die Hoffnung auf eine Heilung von Querschnittslähmung und halte mich fit dafür. Ich will bereit sein, wenn es etwas gibt, dass mich aus dem Rollstuhl bringt.

Woher nehmen Sie diesen Antrieb?

Ich habe eine sehr liebevolle Familie und tolle Freunde. Außerdem werden meine Verlobte und ich bald Eltern – das motiviert mich zusätzlich.  

Beim Blick in die Zukunft, was sehen Sie da?

Ich möchte ein guter Ehemann und Papa sein und ich wünsche mir, dass ich vieles mit meinem Kind unternehmen kann. Manchmal wage ich es sogar davon zu träumen, wie es sein könnte, wenn ich ihm Radfahren beibringe oder ihn auffange, wenn es seine ersten Radfahrversuche startet. Die Vorstellung daran macht mich wehmütig, aber spornt mich auch an, weiter an eine Heilung zu glauben.