Heute braucht sich keiner mehr hinter seinen Brillengläsern zu verstecken. Inzwischen ist die Brille nicht bloß einfach ein Hilfsmittel für Sehschwache, sondern ein modisches Accessoire. Schon seit geraumer Zeit kennzeichnet das Nasenfahrrad auch den Trendsetter.

Es ist es nun aber nicht so, dass vorher alle, die beim Sehen beeinträchtigt waren, mit dem gleichen tristen Einheitsmodell durch die Gegend gelaufen sind. Die Brille wurde seit ihrer Erfindung ständig weiterentwickelt und optisch erneuert, weil sie schon immer ein Blickfang war, mit dem man nicht einfach nur die Welt etwas klarer sah. Im Rahmen der Möglichkeiten ist die Brille somit heute selbstironischer Kommentar, selbstbewusstes Statement oder manchmal auch nur ein Ritt auf dem Trittbrett – in allen Fällen will sie nicht bloß Sehhilfe, sondern auch ein Körperschmuck sein, der Eindruck macht.

Bald geht es wieder rund

Davon zeugt vor allem die seit Jahren so beliebte „Nerdbrille“: Um die Jahrtausendwende versuchte man noch mit randlosen Modellen seinen vermeintlichen Makel zu kaschieren. Inzwischen steht man stolz zu seiner Leseschwäche: Mit dunklen Farben und breiten großen Modellen wie sie in den Sechziger Jahren üblich waren, zeigt sich der Kurz- wie Weitsichtige nun ganz selbstbewusst in der Öffentlichkeit.

Jedoch ändern sich die Zeiten – und damit auch die Menschen und ihre Mode. Mittlerweile zeichnen sich beim Absatz der dominanteren Fassungen im Stile Buddy Hollys, die dennoch immer noch ein Bestseller der Hersteller sind, schon wieder erste Rückgänge ab. Schließlich regt sich bei vielen Menschen der Wunsch nach Veränderung: Die eben noch so coole Retrobrille trägt inzwischen jeder – soweit das Auge reicht.

Daher zieht es den Kunden inzwischen wieder häufiger zu den runden Formen: Dezentere Fassungen sind gefragt und somit weicht der scharfkantige rechteckige Rahmen wohl bald vermehrt jenen kreisförmigen und ovalen Fassungen, die die Optiker eigentlich schon ganz weit hinten im Lager verstaut hatten.

Dieser Wunsch nach dem Dezenten wirkt sich nicht nur auf die Formen der Brillen, sondern auch auf die Farben aus: Mit seiner Brille klare Kante zu zeigen, hieß bislang auch seine Sehhilfe mit einem dominanten Rahmen und in ebensolchen Tönen zu tragen. Daher zierten in den letzten Jahren vor allem prägnante klassisch pechschwarze Brillengestelle die Gesichter. Die Mutigsten präsentierten sich für eine kurze Zeit gar in grellen Neontönen der 80er-Jahre. Damit ist aber wahrscheinlich bald Schluss: Dezentere Brillenmodelle bedeuten weniger aufgeregte Tönungen. Deshalb nimmt man sich hier in Zukunft wieder etwas zurück: Betonende Rahmenfarben weichen matteren Lackierungen und zurückhaltenderen Pastelltönen.

Auf den Nasen wird es grün

Es zeichnet sich zudem ab, dass der anhaltende Ökologietrend auch vor den Gesicht nicht Halt macht: Wie in vielen anderen Bereichen, sagt nun ebenfalls der Brillenträger: „Zurück zur Natur!“ Daher setzen die Hersteller bei ihren Fassungen zunehmend auf natürliche Materialien wie Stein, Holz oder gar Papier. Aber es muss auch nicht ganz so rustikal sein: Die Brillenkäufer fragen immer häufiger nach dem Werkstoff Zellulose-Acetat, der aus Baumwollflocken hergestellt wird und jeder Fassung einen Hauch von Schildplatt verleiht, ohne dass dafür ein Reptil geopfert werden muss.

Wer heute eine Brille trägt, will somit etwas nach außen kommunizieren: Aus dem notwendigen Übel ist ein Kleidungsstück geworden, dass man stolz und spielerisch trägt. Wer seine Sehhilfe auch als modisches Accessoire einsetzt, kommt, wenn er langfristig in allen Lebens- und Stimmungslagen farblich und stilistisch passend ausstaffiert sein möchte, deshalb auch nicht mit einem einzigen Modell aus, sondern legt sich entsprechende Variationen zu.

Das Gestell ist kein Schicksal und wird vom Alltagsgegenstand zum Schmuck. Sollte jemand in Zukunft deutlich mehr Zeit beim Optiker als in der Umkleidekabine verbringen, ist das daher leicht zu verstehen.

Rundes Gesicht

Die Quadratur des Kreises: Ein rundes Gesicht braucht klare Kanten. Daher sollte man hier zu Gestellen greifen, die das Antlitz strecken: Das erreicht man vor allem mit rechteckigen Fassungen und schmalen Rahmen.

Eckiges Gesicht

Das Runde muss zum Eckigen: Ein kantiges Gesicht macht mit einem ähnlichen Gestell schnell einen sehr strengen Eindruck. Eher runde – und vor allem randlose Gläser nehmen die Schärfe heraus und sorgen dafür, dass die Züge weicher erscheinen.

Ovales Gesicht

Die Qual der Wahl. Wer ein ovales Gesicht hat, ist als Brillenträger fein heraus. Bei der Form wird er gar nicht soviel falsch machen, weil er einen Rahmen wählen kann, der im Gesicht je nach Wunsch die harte Seite oder den weichen Kern betont.

Herzförmiges Gesicht

Mit Herz und Verstand: Ein Gesicht das sich nach unten hin verjüngt, kann durch die falsche Brille schnell eine Unwucht bekommen, wenn plötzlich die Stirn und das Kinn statt der Augen den größten Eindruck machen. Hier schaffen vor allem ovale Brillenformen Abhilfe.