Ab welchem Alter können erste Impfungen verabreicht werden?

Wir beginnen bereits ab der sechsten Lebenswoche mit dem Impfen. Die erste Impfung ist ein Lebendimpfstoff gegen eine schwere Brechdurchfall-Erkrankung, die durch den Rotavirus ausgelöst wird.

Der Grund für den frühen Beginn ist, dass die mütterlichen Impf-Antikörper, welche durch die Plazenta auf das Baby übertragen werden, ab dem zweiten Lebensmonat schlagartig abgebaut werden. Die Voraussetzung für die entsprechenden Antikörper ist jedoch, dass die Mutter selbst geimpft ist oder den entsprechenden Infekt durchgemacht hat und somit die passenden Antikörper produzieren konnte. Stillen unterstützt zwar das Immunsystem mit Antikörpern vor respiratorischen Infekten, aber es werden keine Impf-Antikörper übertragen.

Die kleinen Kinder können somit nicht vor viralen Infektionen – die etwa Gehirnhautentzündungen auslösen – geschützt werden. Wichtig ist also vor allem, im Vorfeld den Eltern zu erklären, was in dem Körper des Kindes passiert und gegen welche Gefahren und Krankheiten sie dadurch geschützt werden.

Was sind neue Entwicklungen in diesem Bereich?

Die neueste Entwicklung ist ein Nasenspray, der als Impfung gegen den Influenza-Virus eingesetzt wird. Es ist ein Lebendimpfstoff, der am Ort der ersten Immunabwehr – den Schleimhäuten – lokal appliziert wird. Durch die lokale Immunisierung und die Verabreichung durch die Nase muss dem Kind keine Spritze mehr gegeben werden.

Der Nasenspray ist derzeit für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 18 Jahren zugelassen. Für Säuglinge und Kleinkinder bis zu zwei Jahren steht jedoch nur die herkömmliche Spritze mit einem Totimpfstoff zur Verfügung.

Gibt es noch andere Impfungen, die nasal appliziert werden können?

Es gibt derzeit nur den Nasenspray für die Grippe-Impfung und die Schluckimpfung mit einem Lebendvirus gegen die Rotaviren, bei denen es auch zu lokalen Abwehrreaktionen kommt.

Generell ist die Impfstoffentwicklung sehr komplex, beispielsweise die Entwicklung des Meningokokken-Impfstoffes hat mehr als 20 Jahre gedauert. In Zukunft soll es auch Impfstoffe geben, die über die Haarfollikel einmassiert werden.

Was sind die grundlegenden Vorteile von Impfungen?

Impfen ist total sozial. Ein Kind mit sechs Monaten, dass bereits gegen die Grippe geimpft ist, schützt nicht nur das Baby, sondern auch die gesamte Familie, vor allem die Großeltern, die eine Risikogruppe darstellen.

Ab dem 60. Lebensjahr ist eine Impfung gegen Influenza unbedingt anzuraten, denn die Leistung des Immunsystems nimmt im Alter zunehmend ab. Auf Basis der Influenza bekommen besonders viele ältere Menschen eine Lungenentzündung, was oft ein Todesurteil ist. In Österreich sterben mehr als 5.000 Menschen pro Jahr an den Folgen einer Influenza.

Viele der Infektionen, die bei schwacher Immunabwehr schwerwiegende Folgen haben, werden von Mensch zu Mensch übergeben. Um eine sogenannten Herdenimmunität bei Influenza zu erreichen, sollten mindestens 80 Prozent geimpft sein, um die ungeimpften Menschen auch vor weiteren Infektionen zu schützen. Doch leider liegen wir derzeit bei einer Durchimpfungsrate von knapp mehr als 50 Prozent.