Prim. Univ.-Prof. Dr. Yosuf El-Shabrawi
Vorstand der Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie des Klinikum Klagenfurt am Wörthersee

Bei Kindern, deren Eltern unter einer Fehlsichtigkeit leiden, sollte die Erst-untersuchung in den ersten drei Lebens-monaten erfolgen. Nur so können langfristige Schäden, wie eine Schwachsichtigkeit, die nur im Vorschulalter therapierbar ist, vermieden werden. 

 

Leistungssteigerung durch eine Sehkorrektur

Bei etwa 63,4% der Bevölkerung liegt eine Fehlsichtigkeit vor. Bis zum 40. Lebensjahr dominiert die Kurzsichtigkeit, über 50 die Altersweitsichtigkeit (Presbyopie). Mittels Brillen, Kontaktlinsen und Gleitsichtgläsern können beide gut korrigiert werden. 

Alle diese Sehbehelfe konnten betreffend Abbildungsqualität, Gewicht und Tragekomfort durch technische Errungenschaften immer wieder verbessert werden. 

 

Augenoperationen als Alternative zur Brille oder Kontaktlinse

Trotzdem entscheiden sich zunehmend mehr Menschen für einen chirurgischen, refraktiven Eingriff. Es handelt sich hierbei um Augenoperationen, die die Gesamtbrechkraft des Auges verändern und so konventionelle optische Korrekturen wie Brillen oder Kontaktlinsen weitgehend ersetzen. Die chirurgischen Möglichkeiten bestehen in der Modellierung der Hornhaut mittels Laser, der Implantation von Linsen in das Auge als „implantierte“ Brillengläser und dem Ersatz der eigenen Linse durch Intraokularlinsen. Wie bei jedem operativen Eingriff gibt es auch bei der refraktiven Chirurgie Risiken, deren Art und Häufigkeit von der Operationsmethode, der Erfahrung des Operateurs und der Höhe der zu korrigierenden Fehlsichtigkeit abhängen. Außerdem ist zu bedenken, dass bei der refraktiven Chirugie  im Grunde ein sonst gesundes Organ operiert wird. Daher ist ein solcher Eingriff immer auch gut zu überdenken und mit Fachärzten zu besprechen.

 

„Ein Muss: regelmäßige Kontrollen beim Facharzt von Kindheit an.”

 

Makuladegeneration vorbeugen

Bei vielen Menschen lässt die Sehfähigkeit im Laufe des Lebens nach. Wer bis ins hohe Alter aktiv und mobil bleiben möchte, sollte auch seine Augen einer regelmäßigen Kontrolle unterziehen. Die häufigste Ursache eines dauerhaften Sehverlustes bis hin zur Erblindung ist die adulte Makuladegeneration.
Etwa 20-35% aller über 65jährigen leiden an einer Frühform dieser Erkrankung. Etwas mehr als 5% der über 75jährigen erblinden allerdings an einer feuchten Makuladegeneration, die in einem frühen Stadium oft gut durch Medikamentengaben in das Auge behandelbar ist und eine Erblindung in den meisten Fällen vermieden werden kann. Alle klinischen Abteilungen für Augenheilkunde und immer mehr niedergelassene Fachärzte besitzen spezielle Geräte, wie z.B. eine Optischen Kohärenz Tomographie, mit deren Hilfe eine frühe Diagnose und Beurteilung der Makuladegeneration möglich ist.
Trotz intensiver Aufklärung von Seiten der Augenärzte und auch der Medien sind jedoch speziell dieses Leiden, aber auch allgemein Erkrankungen des Auges,  in der Bevölkerung  nicht ausreichend bekannt. 

 

Die Wichtigkeit von Vorbeugungsmaßnahmen

Weitere Aufklärungsarbeit tut Not. Die Bevölkerung muss über die häufigsten Augenerkrankungen informiert werden. Es muss weiten Kreisen bewusst werden, dass regelmäßige Augenkontrollen beim Facharzt von Kindheit an notwendig sind. Nur so sind Früherkennung und eine rechtzeitige Therapie von Erkrankungen möglich und nur so kann die eingangs erwähnte „Selbstverständlichkeit des guten Sehens“ ein Leben lang gewährleistet werden. Wenn man zusätzlichen Rat benötigen sollte, ist der Kontakt mit den existierenden Hilfsorganisationen sinnvoll.