Knapp 370.000 Menschen in Österreich sind alkoholkrank, weitere neun Prozent der Bevölkerung konsumieren in einem gesundheitsgefährdendem Ausmaß. Während Alkohol allgegenwärtig und fast immer verfügbar ist, ist Alkoholismus dagegen tabuisiert.

Bei Alkoholsucht handelt es sich um eine chronische Erkrankung mit schweren psychischen und physischen Folgen. Oftmals firmiert diese aber noch immer als bloße „schlechte Angewohnheit“, die Betroffenen als moralisches Defizit oder Willensschwäche ausgelegt wird. Der Druck auf Betroffene, ihre Erkrankung zu verschweigen, ist dementsprechend hoch.

Ängste verhindern erfolgreiche Behandlung

Moderne Therapieangebote haben zu hervorragenden Prognosen bei Alkoholkranken in Behandlung geführt: Mithilfe ambulanter Nachbehandlung sind die meisten über viele Jahre symptomfrei. Bei vielen ist die Angst vor der Therapie aber so groß, dass es nie zu einer solchen kommt. Bei manchen stehen dabei die im Rahmen der Entgiftung auftretenden Entzugserscheinungen im Vordergrund.

Bei anderen ist es das Setting einer Therapie selbst: Oftmals wollen sich Erkrankte nicht anderen Menschen ausliefern und verbinden großes Unbehagen mit der Vorstellung, sich im Zuge der Therapie Fremden gegenüber zu öffnen. Häufig überwiegt auch die Angst vor dem eigenen sozialen Umfeld: Wie erkläre ich meiner Familie, FreundInnen und KollegInnen meine Abwesenheit?

Gerade ein Outing Vorgesetzten gegenüber ist für viele Erkrankte ein Schreckensszenario. Andere wiederum hält die bloße Dauer einer Therapie – diese reicht von drei bis zehn Wochen – von einer solchen ab. Manchmal ist es auch der Gedanke, nie wieder zu trinken, der als unerträglich erlebt wird.

Professionelle Hilfe ist ein Muss!

Im Regelfall lassen sich die Bedenken aber rasch zerstreuen, haben Alkoholkranke erst einmal den Weg zu einer entsprechenden Beratungsstelle gefunden. Dabei ist es von besonderer Bedeutung für die Therapie Einsicht in die Lebenssituation und Motivation des/r Erkrankten zu gewinnen. Grundlage der Abstimmung des weiteren Therapieverlaufs ist eine umfassende Diagnostik der Suchterkrankung und etwaiger Nebenerkrankungen.

Für die folgende Entgiftung ist es von entscheidender Bedeutung, ob mit Entzugserscheinungen zu rechnen ist und ob die Behandlung stationär oder ambulant erfolgen kann. Gerade bei fortgeschrittenen Erkrankungsverläufen mit ausgeprägten körperlichen Symptomen, ist dringend von einem „kalten Entzug“ ohne medizinische Betreuung abzuraten.

Nicht selten führen schwere Entzugssymptome, bleiben diese unbehandelt, zum Tod. Durch die medizinische Überwachung und die Gabe von Medikamenten werden Symptome wie Zittern, Schüttelfrost, Erbrechen, Krämpfe oder Delirium entscheidend abgeschwächt.

Weitere Maßnahmen sorgen für Perspektive

Behandlungstechniken wie die neuro-elektrischen Stimulation versprechen zusätzliche Linderung: Diese regt das durch den Alkoholkonsum lahmgelegte limbische System und damit die Ausschüttung körpereigener Botenstoffe, wie Endorphin, Serotonin und Dopamin an.

Das bessert zudem die Stimmungslagen der PatientInnen und führt zu einer höheren Nachhaltigkeit der Therapie. Die neuro-elektrische Stimulation erlaubt zudem deutlich kürzere Entgiftungsprozesse – anstatt bis zu zehn Tagen kann die Entgiftung in ein bis zwei Tagen erfolgreich abgeschlossen werden.

In der folgenden Entwöhnungsphase geht es schließlich darum, die PatientInnen auf ein Leben ohne Alkohol vorzubereiten. Die Rückkehr in den Alltag verlangt dabei immer nach einer Neugestaltung des Lebens. Denn einfach so wie vorher, nur ohne Alkohol, weiterzuleben, ist im Normalfall nicht möglich.

Oftmals ist aber genau der Wunsch nach einem lebenswerten Leben, jene Motivation, die Suchtkranke den ersten Schritt machen lässt. Wer diesen gemeistert hat, hat gute Chancen zu einem solchem zu finden.