Das Auge ist auch ein sensibles Frühwarnsystem des Körpers für viele systemische Erkrankungen wie etwa Diabetes oder Schlaganfall. Diabetes ist jene Krankheit, die von ÄrztInnen am häufigsten in den Augen erkannt werden, Schätzungen zufolge gibt es in Österreich rund 600.000 Menschen mit Diabetes, Tendenz stark steigend. Von diesen wissen allerdings rund 20 Prozent (noch) nichts von ihrer Erkrankung.

Aber auch erste Anzeichen eines Schlaganfalls können sich im Auge durch plötzlich einsetzende, vorübergehende Sehstörungen ankündigen. Solche Symptome – auch wenn sie nur kurz anhalten und nicht wiederkehren – müssen unbedingt ernst genommen und näher untersucht werden.

Früherkennung zahlreicher anderer Erkrankungen

Hätten Sie etwa gedacht, dass tränende, brennende, entzündete Augen mit rheumatischen Erkrankungen in Verbindung stehen können? Auch Multiple Sklerose (MS) wird vielfach aufgrund einer Entzündung eines Sehnervs entdeckt. Derzeit forschen Wissenschaftler weltweit an der Früherkennung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson über erste Anzeichen im Auge.

Zu seltene Checks in jungen Jahren

Insbesondere junge Menschen unterziehen sich jedoch selten einer augenärztlichen Untersuchung, Schätzungen zufolge in Österreich nur etwa alle sieben Jahre. Gerade die Altersgruppe der unter 30-Jährigen hat aber – neuesten Studien zufolge – eine hohe Prävalenz, an Kurzsichtigkeit zu erkranken. Für 2050 geht man davon aus, dass jede/r Zweite davon betroffen sein wird.

Das birgt auch die Gefahr von schwerwiegenden Folgeerkrankungen, wie etwa Netzhauteinrisse mit folgender Netzhautabhebung, Glaukom oder Makuladegeneration – potenziell zur Erblindung führende Erkrankungen. Es wäre daher wichtig, in jedem Lebensalter und regelmäßig augenärztliche Untersuchungen durchführen zu lassen.

Augengesundheit in jeder Lebensphase

  • Kleinkindalter: Im Rahmen der beiden Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen (die erste im 10.–14. Lebensmonat, die zweite zwischen dem 22. und 26. Lebensmonat) werden Augenerkrankungen, Fehlsichtigkeit und Schielen entdeckt.
  • Schulalter: Wenn der Lernerfolg ausbleibt, kann das auch an einer unerkannten Fehlsichtigkeit liegen. Eine genaue augenärztliche Untersuchung kann mögliche Ursachen aufdecken und eine fachgerechte Behandlung ermöglichen. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft (mind. eine Stunde pro Tag) reduziert außerdem das Risiko, an Kurzsichtigkeit (Myopie) zu erkranken.
  • Junges Erwachsenenalter: Immer mehr Menschen leider durch vermehrte Bildschirmarbeit, Klimaanlagen, UV- oder Ozon-Einwirkung sowie Medikamenteneinnahme wie der Pille an einer Schädigung des Tränenfilms, den sogenannten „Trockenen Augen“. Dies ist eine ernstzunehmende Erkrankung, da es unbehandelt in der Folge zu Veränderungen der Hornhaut mit Sehbeeinträchtigung bis hin zu schweren Infektionen kommen kann.
  • Erwachsenenalter: Nicht selten wird bei der Augenuntersuchung von Führerscheinwerbern oder bei Stellungsuntersuchungen erstmals ein unbekannter Sehdefekt oder eine Augenerkrankung entdeckt. Die Untersuchung beim Augenfacharzt ist daher nicht nur ein entscheidender Beitrag zur Verkehrssicherheit, sondern auch zur Volksgesundheit.
  • Mittleres/höheres Lebensalter:
    • Der Graue Star (Katarakt) ist eine Trübung der Augenlinse. Erste Anzeichen sind Schwierigkeiten beim Fahren in der Nacht oder bei wechselnden Lichtverhältnissen, Blendung oder herabgesetzter Farberkennung.
    • Der Grüne Star (Glaukom) ist weltweit eine der häufigsten Ursachen irreversibler Erblindung. Die Krankheit verläuft häufig ohne Beschwerden schleichend und wird oft erst erkannt, wenn der Sehnerv bereits irreparabel geschädigt ist. In Österreich sind über 80.000 Menschen betroffen. Nur durch regelmäßige Glaukomkontrolle durch den Augenarzt kann der „Grüne Star“ rechtzeitig erkannt und behandelt werden.
    • Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine häufig auftretende Erkrankung der Netzhautmitte (Makula), die zur Herabsetzung der Sehschärfe bis hin zum Verlust des Lesevermögens führen kann und v. a. Menschen über 50 betrifft. Durch frühzeitige Erkennung kann durch Lebensstiländerungen (z. B. Verzicht auf Nikotin, gesunde Ernährung) der Verlauf günstig beeinflusst und früh eine Behandlung eingeleitet werden.