„Herr Doktor, man liest so viel über die Darmkrebsvorsorge. Ich bin zwar 50 Jahre alt, habe aber überhaupt keine Beschwerden. Warum soll ich mich denn untersuchen lassen?“

„Wir finden bei jedem dritten Erwachsenen Polypen, die im Rahmen der Untersuchung meist gleichzeitig abgetragen werden können. Damit kann verhindert werden, dass aus einem zunächst völlig harmlosen Polypen später Darmkrebs wird. Üblicherweise dauert es 10 Jahre, bis sich ein Teil dieser Polypen in eine bösartige Form umwandelt.

Damit ist aber die Darmkrebsvorsorge die einzige Krebsvorsorgeuntersuchung, bei der sogar die Entstehung von Frühformen verhindert werden kann. Wird nämlich ein Polyp entfernt, solange er harmlos ist, kann er sich natürlich nicht mehr in ein Karzinom umwandeln.

Gab es in Ihrer Familie keine Darmkrebsfälle und waren Sie gut vorbereitet, genügt die nächste Kontrolle in 10 Jahren. Waren Darmkrebsfälle in der Familie, sollte die erste Untersuchung 10 Jahre vor dem Erkrankungsbeginn des jüngsten betroffenen Angehörigen erfolgen und immer alle 5 Jahre durchgeführt werden. Finden sich Polypen, entscheidet sich der nächste Kontrolltermin nach dem pathologischem Befund (3 Monate bis 10 Jahre).

„Ich habe Angst vor Schmerzen!“

Die moderne Endoskopie muss keine Schmerzen mehr verursachen. Früher war es so, dass nur der Arzt direkt in das Endoskop gesehen hat und die instrumentierende Pflegeperson das Gerät auf Zuruf (quasi blind) vorgeschoben hat. Wenn das Gerät an der Darmwand angestanden ist, hat der Patient Schmerzen geäußert und die Pflegeperson durfte das Gerät nicht weiterschieben.

Ich kann mich an eine Patientin erinnern, die ohne Sedierung gesagt hat, dass sie Drillinge geboren hat und die Geburt ein Klacks dagegen war.

Heute sind in den modernen HDTV-Endoskopen Elektronikchips eingebaut und alle im Raum sehen auf einem Bildschirm in Echtzeit zu, sodass die Pflegeperson jederzeit freie Sicht hat. Der Patient kann daher problemlos schlafen und erlebt gar keine Schmerzen bei der Untersuchung.

Natürlich gibt es vorher ein ausführliches Aufklärungsgespräch. Sollten sich Risikofaktoren finden, die gegen eine ambulante Sedierung sprechen, kann entweder ein Anästhesist beigezogen werden oder die Untersuchung wird stationär durchgeführt.

„Gibt es Komplikationen?“

In seltenen Fällen kann es zu Blutungen oder einer Darmwandverletzung kommen. Prof Wexner aus der Cleveland Clinic in Florida hat die Zahlen international erhoben. Demnach kommen Blutungen, (die meist leicht gestillt werden können) mit einer Häufigkeit von 0,8 Prozent, Perforationen mit 0,09 Prozent vor.

„Gibt es Risikofaktoren für die Komplikationen, wie kann man sie verhindern?“

Bei PatientInnen mit blutgerinnungshemmenden Substanzen müssen diese nach Rücksprache mit dem verordnendem Arzt entweder abgesetzt oder umgestellt oder es muss eine rein diagnostische Untersuchung ohne Probenentnahme durchgeführt werden.Bei PatientInnen nach Entfernung der Gebärmutter können starke Verwachsungen vorliegen.

Hier hat sich neben sehr vorsichtiger Untersuchung der Einsatz eines dünnen pädiatrischen (Kindercolonoskop) Geräts bewährt. Im Zweifel darf die Untersuchung nicht forciert und rechtzeitig eine Röntgenuntersuchung veranlasst werden

„Gibt es Alternativmethoden?“

Ja, es gibt das herkömmliche Darmröntgen (Irrigoskopie) und die virtuelle Colonoskopie, die den Nachteil einer geringen Strahlenbelastung haben und bei positivem Befund therapeutisch nichts machen können. Gelingt die Untersuchung aus verschiedenen Gründen (z.B. Verwachsungen) nicht komplett, sind die Röntgenmethoden aber eine sehr wertvolle Hilfe.

 „Wie finde ich eine geeignete Untersuchungsstelle?“

Die Krebshilfe und die Darmkrebsselbsthilfegruppe verfügen über eine Liste der freiwillig qualitätszertifizierten Stellen. Das bedeutet aber nicht, dass die anderen Untersuchungseinheiten nicht gut arbeiten würden. Die qualitätszertifizierten Stellen werden aber zweijährlich re-evaluiert und müssen ihre Daten jährlich kontrollieren lassen. Wichtiger als das Zertifikat ist jedoch immer die passende „Chemie“ zwischen Arzt und Patient!