Beim Embryo bilden sich Haut und Hirn aus der gleichen Membran. Ein großer Teil der embryonalen Wahrnehmungen im Mutterleib vollzieht sich über die Haut, der Tastsinn entwickelt sich von allen Sinnen als erster und zwar bereits, wenn der Embryo erst 3 cm groß ist. Auch nach der Geburt sind es zuerst die taktile Wahrnehmung (die Rezeptoren für Schmerz, Druck, Kälte und Wärme) und später die auditive Wahrnehmung, die den höchsten Stellenwert einnehmen.

Durch die Haut lernt der Säugling, wo er beginnt, wo er endet, wo seine Selbstgrenzen sind. Hier erlebt er erste Lust und Unlustgefühle. Diese primären Erfahrungen begründen die enge Verbindung von Hautempfindungen und emotionalen Zuständen, die sein Leben lang bestehen bleiben. Worte wie „Fühlen“, „Berührt sein“, „Ergriffen sein“ und „Empfinden“ spiegeln diese Verbindung zwischen Haut und Emotionen wieder und führen auf den taktilen Ursprung zurück.

Die Haut als Ausdruck unserer Persönlichkeit

Die Haut ist ein sich ständig erneuerndes Organ und sinnlich im wahrsten Sinne des Wortes. Gleichzeitig aber auch zäh und robust, wenn es darum geht, uns zu schützen. Unsere Haut umfasst die Größe von ca. 2 m2 ist genau genommen das beste Hightech Verpackungsmaterial das es gibt.

Viele Allegorien und Sprichwörter beziehen sich auf die Haut: „Die Haut zu Markte tragen“, „etwas geht einem unter die Haut“, „dünnhäutig sein“, „hautnah erleben“, „mit Haut und Haaren verschlingen“. All diese Metaphern beschäftigen sich mit der schützenden Rolle bzw. Verletzlichkeit der Haut und sagen dabei einiges über sie aus.

Die Haut ist mehr denn je zur individuellen Visitenkarte geworden, zum Experimentierfeld in Sachen Schönheit und Selbstinszenierung. Sehnsüchtig streben wir nach der perfekten Hautoberfläche und spiegeln unser Inneres durch ihre Veränderung mit Make-up, Piercings und Tattoos.

Wenn es um Schönheit geht, ist die Haut das erste Sichtbare. Wer etwas auf sich hält, kennt sich im Reich der Cremen und Tinkturen aus, mit denen man mehr oder weniger erfolgreich die Zeit bremsen kann.

Makellose Haut ist keine Erfindung der heutigen Zeit. Die Haut zählte, wenn auch bei weitem nicht so offensiv wie heute, bereits in der Antike zum Repertoire der Kunst. Als Pflicht galt und gilt, die Haut idealisierend darzustellen. Stellen Sie sich vor: Mona Lisa mit Pickeln? Das Porträts eines Königs mit Pigmentflecken? Undenkbar! Was früher die alten Meister mit Ölfarben erzielten, ersetzen jetzt die Fotografie, der Computer und Visagisten.

Realität versus Fiktion

In den Medien werden wir tagtäglich von perfekten Schönheiten mit tadelloser Haut begrüßt. Dazu der Gegensatz: Jeden Tag sehen wir auch unser eigenes Spiegelbild und – wer kennt das nicht? – der eigene Anblick kann an manchen Tagen niederschmetternd sein. Unsere Haut schreibt unverfälscht (!) die Geschichte unseres Lebens.

An dieser Stelle habe ich mich als Kind verletzt, hier wurde ich operiert, diese Falten sind der Preis für meine Sonnenbrände und auch jede gerauchte Zigarette wird sorgsam von unserer Haut notiert. So, wie die Linien der Handflächen von unserem Schicksal Auskunft geben sollen, so lassen sich auch unsere Gesichter lesen und deuten.

Die Haut erzählt Ihre Geschichte

Was ein Mensch erlebt und wie er lebt, zeigt das Hautbild. Der zurückliegende Lebensweg wird verewigt. Die Haut dokumentiert die einzelnen Phasen des Lebens und ist eine Art visuelles Gedächtnis. Die Haut ist so individuell wie der einzelne Mensch. Sie schützt uns vor der Umwelt und saugt gleichzeitig so viel von unserer Umgebung auf. Sie ist gestaltbar und flexibel, sie beschützt und umhüllt uns. Auch im Alter ist sie aussagekräftig und kann schön sein. Nehmen Sie ihr Hautbild an, das Ihre persönliche Geschichte erzählt. Denn Schönheit beginnt im Kopf.

Wie die Haut in jedem Lebensabschnitt gesund und schön sein kann, darauf versuchen die Beiträge der Themenzeitung Antwort zu geben.