Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Riedl, würden Sie bitte kurz die Krankheit Psoriasis vorstellen?

Psoriasis, auch Schuppenflechte, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, deren Ursache letztlich nicht geklärt ist. Fest steht, dass es eine genetische Veranlagung dafür gibt. Die Schuppenflechte zeigt sich mit schuppenden, geröteten, erhabenen Herden, die häufig jucken und auch schmerzhaft sein können . Wichtig: Psoriasis ist nicht ansteckend! Dennoch werden Betroffene wegen der Läsionen stigmatisiert. Das verursacht oft erheblichen Leidensdruck.

Man nennt die Schuppenflechte auch Volkskrankheit: Wie viele Betroffene gibt es in Österreich?

Genaue Zahlen fehlen für Österreich. In den westlichen Industrieländern sind ein bis drei Prozent der Erwachsenen betroffen. Nach dem Krankheitsbeginn unterscheidet man zwei Typen der Psoriasis: Der Typ 1 beginnt in der Regel im jungen Erwachsenenalter und tritt meist familiär gehäuft auf. Der Typ 2 beginnt nach dem 40. Lebensjahr und verläuft oft milder.  Aus Studien weiß man, dass ein Drittel der erwachsenen Patienten über einen Krankheitbsebginn bereits vor dem 18. Lebensjahr berichten.

Welche Therapien haben sich bei der Schuppenflechte bewährt?

Behandlungsziel ist nach Möglichkeit Symptomfreihet zu erreichen. Die Wahl der Therapie erfolgt dabei möglichst  individuell auf den Patienten zugeschnitten und richtet sich danach, wie stark die Erkrankung ausgeprägt ist. Aus medizinischer Sicht  ist dabei nicht nur das Ausmaß der betroffenen Köperoberfläche ausschlaggebend, sondern auch die Verteilung der Herde, deren Ausprägung und der Leidensdruck, den die Erkrankung verursacht. Entsprechend wählen wir, ob dem Patienten mit einer Lokaltherapie, einer oralen Systemtherapie oder einer Therapie mit Biologika am besten geholfen ist.

Manch Betroffener nimmt die Therapie selbst in die Hand, klassischerweise mit einer „leichten“ Kortisonsalbe. Was halten Sie davon?

Kortison ist ein bewährter Wirkstoff in der Lokaltherapie, den wir gezielt in einer Intervalltherapie, meist in Kombination mit topischen Vitamin D Präparaten einsetzen, da wir wissen, dass so mögliche Nebenwirkungen einer dauerhaften Anwendung, wie eine Verdünnung der Haut,vermieden werden.

Statt lange Zeit mit schwachen Kortisonpräparaten zu cremen, ist die Anwendung eines starkwirksamen Kortisons für einen begrenzten Zeitraum vorzuziehen, allerdings unter Berücksichtigung der betroffenen Körperregion, sowie Faktoren wie Patientenalter und Ausdehnung des Hautbefalls. Eine konsequente Hautpflege (Basispflege) bildet die Basis einer guten Lokaltherapie.

Zu welcher Basispflege raten Sie?

Schuppenflechte braucht vor allem rückfettende Pflege, die möglichst regelmäßig durchgeführt werden soll. Dabei darf man nicht unterschätzen, dass die Behandlung viel Zeit in Anspruch nimmt, die man im Alltag erst einmal finden muss. Daher ist bei mittelschweren und schweren Formen der Schuppenflechte eine Systemtherapie die Behandlung der Wahl.

Was ist mit UV-Licht – dem sagt man ja auch Wirkung nach?

Die Lichttherapie war über lange Zeit die Hauptsäule der Psoriasisbehandlung. Bestrahlt wird mit UVB-Licht oder mit UVA-Licht in Kombination mit  Medikamenten (PUVA). Auf dieser UV-Wirkung basiert auch die Besserung der Psoriasis im Sonnenlicht, zum Beispiel während eines Urlaubs am Meer. Für manche Körperregionen, wie den Genitalbereich ist eine UV-Therapie nicht geeignet.  In der Langzeitbehandlung der Psoriasis hat der Stellenwert der Lichttherapie mit der Einführung neuer systemischer Medikamente abgenommen.

Worauf kommt es bei der Psoriasis-Therapie an?

Auf die möglichst frühe Diagnose durch einen Facharzt. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die erfahrungsgemäß oft einem großem Leidensdruck ausgesetzt sind, wenn die Schuppenflechte sehr offensichtlich ist, können eine frühe Diagnose und Therapie,  gestützt durch die elterliche Begleitung und mitunter auch eine psychologische Betreuung hilfreich sein.

In jedem Fall sollte die Therapie immer ärztlich abgesichert sein, andernfalls verlängert man oft den Leidensweg oder gibt auf der Suche nach Hilfe unnötig viel Geld aus.