In Österreich leiden derzeit rund 250.000 Menschen an Schuppenflechte, einer entzündlichen  Hauterkrankung, die sogar einen Herzinfarkt auslösen kann. Sie ist zwar nicht heilbar, jedoch können die Symptome gelindert werden. Doz. Dr. Paul-Gunther Sator, 1. Oberarzt in der Dermatologischen Abteilung und Leiter der Psoriasis-Ambulanz am Krankenhaus Hietzing in Wien, über Behandlungsmöglichkeiten und zukunftsweisende Forschungsprojekte.

Wie sieht das Erscheinungsbild der Schuppenflechte aus?

Die Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in Form von silbrig farbigen Schuppen in Verbindung mit starkem Juckreiz auftritt.  Sie ist nicht ansteckend, da sie genetisch bedingt ist. Die Neigung zur Schuppenflechte ist wie ein unsichtbarer Stein, der durch bestimmte Faktoren ins Rollen gebracht wird. Diese können sehr unterschiedlich sein. Hormonelle Umstellungen, Umwelteinflüsse, Reaktionen auf Medikamente, aber auch Stress können den Ausbruch der Krankheit bewirken.

An welchen Körperstellen tritt die Schuppenflechte typischerweise auf?

Häufig betroffen sind Hautstellen wie Streckseiten an Armen, Beinen, Ellenbogen und im Kniebereich. Aber auch Hand - und Fußflächen, Kopfhaut, der Steißbeinbereich und Nägel können durch die Schuppenflechte betroffen sein. Sie kann punktuell bis hin zu großflächigen Entzündungsherden auf der gesamten Haut auftreten.

Sonderformen, wie die Psoriasis inversa, die in feuchten Hautregionen auftritt, werden oft fälschlicherweise als Pilz behandelt, da die klassische Schuppung reduziert ist oder gänzlich fehlt. Gerade die frühzeitige Diagnose der Krankheit kann viele Folgeschäden verhindern.

Worin können die Risiken einer Nichtbehandlung der Schuppenflechte liegen?

Die Schuppenflechte ist nicht nur eine lokale Entzündung der Haut, sondern eine systemische Erkrankung, die den gesamten Organismus betrifft. Je höher die Entzündung der Haut, desto höher ist das Risiko für Begleiterkrankungen. Betrifft die Schuppenflechte beispielsweise die Nägel, sind oftmals auch die Gelenke entzündet. Desweiteren können auch hoher Blutdruck, Diabetes, Augenentzündungen, Magen-Darm Erkrankungen oder ein Herzinfarkt ausgelöst werden.

Wenn die Diagnose Schuppenflechte vorliegt, ab wann wird von einer leichten und einer schweren Form der Erkrankung gesprochen?

Bei der Klassifizierung wird ein Score berechnet, aus dem sich der Schweregrad ableiten lässt. Mittlerweile werden auch Faktoren, wie betroffene Körperstellen und psychische Belastungen zur Bewertung miteinbezogen, denn bei einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität wird ebenfalls von einer schweren Form der Erkrankung gesprochen, auch wenn die Ausprägung nicht so stark ist.

Welche Methoden werden zur Behandlung angewandt?

Die Basis für alle Betroffenen ist eine optimale Pflege der Haut mit Salben und Bädern mit rückfettenden Wirkstoffen. Die Therapiemöglichkeiten bestehen aus drei Säulen.

In der lokalen Therapie werden Salben, Cremen und Gele mit bestimmten Wirkstoffen wie Kortison und/oder Vitamin D verwendet, die bei kleinen Stellen ausreichend sind. Diese werden meist nur bei einem Schub eingesetzt.

Die zweite Säule ist die Photo- oder Lichttherapie, wobei die Haut gezielt über mehrere Wochen mit UV-Licht bestrahlt wird. Die beiden Therapien sind gut kombinierbar, beispielsweise bei Behandlung der Kopfhaut mit Shampoos und speziellen UV-Lichtkämmen.

Die dritte Säule ist die systematische Behandlung in Form von Medikamenten, Injektionen und Biologicals. Biologicals bestehen aus bestimmten Eiweißstoffen, die gezielt in den Entzündungskreislauf eingreifen. In Österreich sind derzeit vier Präparate zugelassen. Wichtig ist zu wissen, das bei allen Therapieformen die ersten Behandlungserfolge erst nach wenigen Wochen sicht- und spürbar sind.

Besteht ein öffentliches Bewusstsein für die schweren Folgen der Schuppenflechte auf den gesamten Organismus?

In diesem Bereich ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, denn erst in den letzten Jahren wird sie als systemische Erkrankung wahrgenommen. Derzeit laufen in Europa und österreichweit Forschungsprojekte, die Auskunft über die Entstehung und den Vererbungsmechanismus liefern. Die gewonnenen Ergebnisse werden zur Entwicklung von Therapien und Medikamenten eingesetzt, wobei einige Präparate bereits kurz vor der Zulassung stehen.

In Zukunft wird durch die intensiven Forschungen Schuppenflechte noch zielgerichteter behandelt werden können, als es jetzt bereits der Fall ist.