Welche Ursachen kann Neurodermitis haben?

Heute sprechen wir eigentlich von einer atopischen Dermatitis. Der Begriff Neurodermitis wird lediglich im deutschsprachigen Raum verwendet. Viele glauben daher, dass Neurodermitis etwas mit Nerven zu tun habe. Eine atopische Dermatitis ist aber eine chronische Hauterkrankung, die mit einer sehr trockenen Haut einhergeht. Es gibt mittlerweile Studien, die zeigen, dass die Mutation des Filaggrinens, welches ein Schlüsselprotein der Hautbarriere darstellt, einen Einfluss auf die Entstehung dieser Erkrankung hat.

Welche Ausprägungen von Neurodermitis gibt es, etwa auch im Gesicht?

Die Ausprägung der atopischen Dermatitis reicht von der Neigung zu trockener Haut bis hin zu massiven Ekzemen, die unter anderem auch das Gesicht betreffen können. IN einer Vielzahl der Fälle ist die Ekzemneigung begleitet von Allergien. Hier spielen sowohl Pollen,- Tierhaare oder auch Allergien gegen Nahrungsmittel eine Rolle. Der Milchschorf bei Babies stellt eine sehr frühe Manifestation einer möglichen atopischen Dermatitis dar. Mit zunehmendem Alter zeigen sich dann die Ekzeme an den typischen Lokalisationen wie Ellbeugen und Kniekehlen, aber auch der Rumpf, Gesicht und Hals können betroffen sein.

Wie sind Behandlungsformen und Therapie aufgebaut?

Rückfettung ist das Um und Auf! Heute weiß man, dass die regelmässige Rückfettung der Haut eine ganz wichtige Grundlage der Therapie der atopischen Dermatitis ist, um die wiederkehrenden Ekzeme in den Griff zu bekommen. Kortisoncremen werden heute sehr gezielt und nach bestimmten Therapieschemata eingesetzt, um Ekzeme nachhaltig und ohne vermehrte Nebenwirkungen zu behandeln. Dabei kommt es auf die richtige Anwendung an, wobei das Prinzip gilt, je frühzeitiger, desto effizienter. Damit können die Entzündungszellen aus der Haut verdrängt werden, und es kann so wieder die Basis für eine regelmässige rückfettende Pflege gegeben werden. Zusätzlich sollten Faktoren, die einen Ekzemschub fördern können vermieden werden (z.B: Wolle, Tierhaare, etc)

Gelten für das Gesicht dieselben Regeln?

Wir sind hier mit Steroiden vorsichtiger und greifen schneller zu Alternativen, die es ja mittlerweile für Cortison gibt. Aber auch hier ist die Rückfettung ganz wichtig abgestimmt auf die Bedürfnisse der Gesichtshaut. Ansonsten ist die Therapie gleich wie am restlichen Körper.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es außerdem noch?

Bei schweren Formen der atopischen Dermatitis gibt es noch andere Therapieformen, um die Entzündungsreaktion in der Haut zu unterbinden, hierzu zählen z.B. UV-Therapie, sowie immunsuprressive Medikamente wie Ciclosporin. Aktuell wird in Studien die Wirkung eines humanen Antikörpers, der gezielt gegen Entzündungsmoleküle (IL 4/IL 13) bei der atopischen Dermatitis gerichtet ist, untersucht und zeigen bisher gute Ergebnisse.

Da diese Erkrankung mit einem sehr hohen Leidensdruck des Patienten und oft mit ungenügendem Therapieerfolg einhergeht, versuchen viele Betroffene Therapiealternativen. Hier ist der Erfolg sehr unterschiedlich. Hinsichtlich Rückfettung der Haut, lasse ich mir gern von Patienten über eigene Erfahrungen mit diversen Produkten berichten. Z.B. wissen wir, das Milch (im Badewasser –schon Kleopatra wusste das) aufgrund ihres Fettgehalts, der Haut gut tut. Stutenmilch ist in der Zusammensetzung der menschlichen Milch sehr ähnlich und hat eine antibakterielle und antiinflammatorische Wirkung. Als unterstützende Pflege ist hier nichts einzuwenden.

Welche Tipps können Sie PatientInnen geben?

Es gibt eine Reihe von Tricks, die nicht sonderlich spektakulär erscheinen, aber in Zusammenwirkung mit der Therapie eine deutliche Verbesserung bringen. Zum Beispiel gibt es auch spezielle Neurodermitis-Schulungen, in denen Betroffene über ihre Krankheit aufgeklärt werden und Tipps für den Alltag erhalten – das kann von feuchten Wickeln über Muskelentspannungstraining bis hin zu Kratzalternativen reichen. Dadurch können Betroffene ihre atopische Dermatitis selbst behandeln!