Manchmal sind es Ur-Ängste, häufig traumatische Erlebnisse bei einer Zahnbehandlung, die nachwirken. Rund 30 % der Bevölkerung geben zu, panische Angst vor Zahnärzten zu haben. Viele geben den Besuch beim Schulzahnarzt als auslösendes Ereignis an, andere empfinden auch in anderen Situationen Angst und Schrecken. Oft gehen sie trotzdem zur Behandlung, wenn es denn sein muss. Aber es gibt nicht wenige Erwachsene, die den Besuch in der Zahnarztpraxis aus ihrem Lebensplan vollständig ausklammern, nicht selten mit katastrophalen Folgen.

Geht die Angst so weit, dass die gesamte Mundhöhle einfach negiert wird, führt die Verweigerung der Mundhygiene zu unästhetischen Schäden und zu störendem Mundgeruch. Meist sind es Partner oder die Menschen im beruflichen Umfeld, die eine so lange hinausgezögerte Anmeldung in einer Zahnarztpraxis endlich durchsetzen. Das Internet führt zu Spezialpraxen, in denen die Ängste ernst genommen und durch sanfte Behandlungsmethoden abgebaut werden.

Ein Spezialist für die so genannte «Dentophobie», die Angst vor dem Zahnarztbesuch, muss nicht auch noch Psychologie studiert haben, um diesen Patienten die Furcht zu nehmen. Er braucht allerdings viel Einfühlungsvermögen, auch gesunden Menschenverstand und viel Erfahrung, um sich in einen ängstlichen Patienten hineinzufühlen, den es viel Mut gekostet hat, seine initiale Schwellenangst zu überwinden und sich an den Spezialisten zu wenden. «Meist sind es Menschen mit großem Nachholbedarf und verheerenden Verhältnissen im Mund», sagt Dr. Markus Schulte, spezialisiert auf Patienten mit Dentophobie.

Die Sanierung darf für Angstpatienten keinen Stress bewirken, und im Idealfall wird während der Behandlungszeit sogar die Angst abgebaut. Dafür muss verlorenes Vertrauen wieder gefunden werden. Wenn die Chemie stimmt, geht es einfacher.

Die erste Konsultation findet nicht auf dem für viele furchterregenden Behandlungsstuhl statt, sondern im Besprechungszimmer. Es gibt einen Test mit Lachgas, dem Mittel, das auf angenehme Weise Schmerzen erspart, obwohl die Patienten die ganze Behandlung wahrnehmen, aber mit einer gewissen Distanz, in einer anderen Sphäre. 

Das Lachgas kann in der Steigerungsform mit einem Beruhigungsmittel kombiniert werden, und sogar eine Vollnarkose bietet sich als Ausweg an. Auf jeden Fall wird mit dieser transparenten Information eine Vertrauensbasis hergestellt, vor allem, wenn der Zahnarzt gesteht, dass auch er eher ängstlich sei und für jede Behandlung Lachgas benötige.