Dr. Werner Lill
Univ. Doz.,Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie

Die Zahnmedizin ist heute in der Lage einerseits Zähne bis ins hohe Alter zu erhalten und andererseits bei Verlust von Zähnen durch Karies oder Parodontitis diese durch verschiedene Behandlungsmethoden wieder zu ersetzen. Die moderne Zahnheilkunde hat viele Möglichkeiten ein zerstörtes Gebiss sowohl funktionell als auch ästhetisch der Natur entsprechend wieder herzustellen. Eine Schlüsselposition unter den Spezialdisziplinen der Zahnmedizin hat unbestritten die Parodontologie. Diese beschäftigt sich mit den Erkrankungen des „Parodonts“. Parodont heißt wörtlich übersetzt „um den Zahn herum“. Man versteht darunter die Gesamtheit aller Gewebe, die den Zahn im Knochen verankern.

Diese umfassen das Zahnfleisch, den zahntragenden Teil des Kieferknochens und die Verankerungsfasern zwischen Knochen und Zahnwurzel. Erkranken diese Gewebe so liegt eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) oder Parodontitis (Entzündung der Fasern und/oder des Knochens um die Zahnwurzel)vor. Solche entzündliche Erkrankungen der Mundhöhle können schwerwiegende Folgen für den Menschen haben.

Laut internationaler Studien kann eine unbehandelte Parodontitis das Risiko für Schlaganfall um das 7-Fache, Herzinfarkt um das 3- Fache, Diabetes um das 6-Fache und Frühgeburten um das 7-Fache steigern.

Folgende Fragen können helfen eine Entzündung des „Parodonts“ frühzeitig selbst zu erkennen.

 

  • Blutet das Zahnfleisch beim Zähneputzen, auf Berührung oder beim Essen harter Nahrung? 
  • Fühlt sich das Zahnfleisch geschwollen oder empfindlich an?
  • Hat sich das Zahnfleisch zurückgezogen?
  • Scheint es, dass die Zähne länger geworden sind?
  • Hat sich die Stellung der Zähne verändert?
  • Haben sich Lücken zwischen den Zähnen gebildet?
  • Ist Mundgeruch ein Problem?

 

Bei der Beantwortung einer oder mehrerer Fragen mit „ja“ sollte umgehend ein Zahnarzt aufgesucht werden. Dieser kann durch eine sogenannte Parodontale Grunduntersuchung( PGU) feststellen ob eine Erkrankung vorliegt und eine Behandlung nötig ist. Die österreichische Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) hat mit Unterstützung der Österr. Ärztekammer, der österr. Zahnärztekammer und des BM für Gesundheit eine Initiative „Schau auf Dein Zahnfleisch“ ins Leben gerufen. Langfristiges Ziel der Initiative ist es, das Bewusstsein für Zahnfleischerkrankungen und möglichen Folgen für die Allgemeingesundheit in der Bevölkerung zu stärken.

Idealerweise sollen besonders die Risikopatienten animiert werden, regelmäßige Kontrolltermine bei ihrem Zahnarzt oder Parodontologen wahrzunehmen.

 

„Eine Schlüsselposition unter den Spezialdisziplinen der Zahnmedizin hat unbestritten die Parodontologie.“

 

Der erste Schritt zur Mundgesundheit ist eine regelmäßige und gute Mundhygiene. Richtige Zahnpflege, die vom Patienten persönlich zu Hause durchgeführt wird sowie regelmäßige Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind die beste Prävention gegen Zahnfleischerkrankungen. Um die Anfälligkeit für diese Krankheiten zu reduzieren, empfehlen Experten, die Zahnbürste öfter zu wechseln und außerdem Zahnseide, und Zahnzwischenraumbürsten regelmäßig zu verwenden.

Der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Parodontologie „Euperio 7“ im Juni 2012 in Wien zeigt, dass sich Österreich als Gastgeber für die Thematik Mundgesundheit der Bevölkerung einsetzt und zum Wohl der LeserInnen handelt.

Auch diese Spezialausgabe setzt sich für die Gesundheit der LeserInnen ein und behandelt die Themenbereiche Prophylaxe, Implantologie, Kieferorthopädie sowie den Aspekt der Ernährung für gesunde Zähne.