Mein mittelgradiger Hörverlust wurde in der Kindheit entdeckt – er wurde anfänglich nur mit einem Hörgerät rechts, ab dem 25. Lebensjahr dann aber beidseitig mit Hörgeräten versorgt. Ich habe gelernt, meine Schwerhörigkeit zu akzeptieren und als einen Bestandteil meines Lebens wahrzunehmen. Den Alltag, die Schul- und Berufsausbildung, Universitätsstudium und die berufliche Tätigkeit konnte ich ziemlich problemlos bewältigen.

Das war für mich kein so großes Problem, bis sich im Jahre 2016 mein Gehör so verschlechterte, dass es im beruflichen wie auch im privaten Bereich immer schwieriger wurde, akustisch alles zu verstehen. Da ich als Leiterin der Technischen Assistenz und Beratungsstelle für Schwerhörige in Klagenfurt tätig bin, konnte ich im Rahmen der Arbeit auch zusätzliche technische Hilfsmittel erproben. Aber diese brachten nur bedingt einen Erfolg.

Somit musste ich mich mit der Möglichkeit eines Cochlea-Implantats auseinandersetzen und entschloss mich im Feber 2017 zur Cochlea-Implantation an der Klinik in Salzburg. Nach individuellen Anpassungen des Sprachprozessors durch den Logopäden an der Klinik eröffnete sich für mich eine völlig neue Welt. Ich nahm Töne wahr, die ich lange nicht mehr gehört hatte. Auf Empfehlung trainierte ich das Hören mittels Hörtrainings-CD und Hörbüchern zu Hause.

Zusätzlich absolvierte ich einige logopädische Einheiten und ein spezielles Hörtraining in einer audiopädagogischen Praxis. Des weiteren entschloss ich mich auf Empfehlung meines Logopäden eine stationäre Rehabilitation in Deutschland zu machen.

Rehabilitation

Die Entwicklung des Hörens ist nach einer Rehabilitation natürlich nicht abgeschlossen. Das Telefonieren für den Berufsalltag sowie Musikhören sind nach wie vor ein Teil meines Lernprozesses. Ich werde weiterhin zur ambulanten CI-Anpassung gehen und mit der Logopädin sowie mittels Hörtrainings-CD zu Hause trainieren.

Vor der Rehabilitation habe ich gehört, jetzt verstehe ich auch besser. Für mich war die stationäre Rehabilitation von sehr großer Bedeutung, wo ich mich intensiv mit dem Hören und meinen Hörsystemen auseinandergesetzt habe, sodass ich nun gestärkt am gesellschaftlichen und beruflichen Leben aktiv teilhaben kann.

Ich würde mir wünschen, dass in Österreich auch ein derartiges Rehabilitationsangebot etabliert wird. Dafür werde ich als Präsidentin des ÖSB weiterhin kämpfen und Gespräche mit den zuständigen Kostenträgern führen.

Ein weiteres Anliegen für den ÖSB ist, dass möglichst viele Betroffene trotz einer Hörbeeinträchtigung ebenfalls eine möglichst hohe Lebensqualität erfahren können.

Ich wünsche mir, dass „Barrierefreiheit“ auch im Sinne von gutem Hören endlich eine Selbstverständlichkeit wird.

Im Gegensatz zu einem Rollstuhl ist eine Hörbehinderung für Außenstehende nicht sofort oder meist gar nicht erkennbar. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass das Verständnis von Barrierefreiheit für schwerhörige Menschen noch immer sehr gering ist.

Dafür ist besonders wichtig, dass öffentliche Gebäude von Veranstaltungssälen über Gesundheitseinrichtungen bis zu Behörden auch im Hinblick auf die Bedürfnisse von Schwerhörigen barrierefrei sind. Konkret sollen bereits vor dem Bau oder

Umbaumaßnahmen technische Systeme wie etwa Induktionsanlagen mit eingeplant werden, welche es Betroffenen dann erlauben, mithilfe von Hörsystemen (Hörgeräte, Cochlea-Implantate usw.) mittels einer freigeschalteten T-Spule die gesprochene Sprache möglichst optimal zu verstehen.

Wichtig ist, dass die Gesellschaft die Problematik der Hörbeeinträchtigen anerkennt, sie als Menschen akzeptiert und die Betroffenen zu ihrer Hörbeeinträchtigung stehen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, denn Medizin und Technik können heute wesentlich dazu beitragen, eine bestmögliche Inklusion zu gewährleisten.