Was hat Sie dazu bewogen, diese Online-Plattform ausgerechnet zum Thema Haut zu gründen?

Ich bin selbst ein Leben lang von Neurodermitis betroffen und war infolgedessen jahrelang auf der Suche nach einer für mich passenden und gezielten Hilfestellung. Vor fünf Jahren war ich dann das erste Mal zur Kur am Toten Meer in Israel und habe dort erfahren, wieviel Kraft und auch Selbstbewusstsein mir gegenseitiger Austausch sowie intensive Gespräche mit anderen Betroffenen geben können.

Mir wurde auch bewusst, dass es zwar eine Menge wertvolle Erfahrungen sowie unglaublich viel Wissen rund um das Thema Haut gibt, aber eben keine Schnittstelle, bei der alles zusammenläuft. Deshalb entstand die Idee, ein Hautportal für Menschen mit Hautproblemen zu schaffen.

Das eine Allheilmittel gibt es nicht, aber es ist mein Bestreben, seriöse Informationen zu verschiedenen schulmedizinischen Behandlungsmethoden, alternativen Therapieansätzen aber auch Hintergrundwissen über den psychischen Einfluss bei Hauterkrankungen zu geben. Authentische Hautgeschichten anderer Betroffener geben Einblicke in die Erfahrungen anderer und zeigen, dass der Mensch mit seinem Problem nicht alleine ist.

Dazu tragen die vielen Tipps von 35 Experten dazu bei, die richtige Pflege für die eigene Haut zu finden und den ersten Schritt in eine positive Richtung zu machen.

Wie ist Ihre Erkrankung verlaufen?

Begonnen hat die Neurodermitis im Alter von fünf Monaten mit Milchschorf am Kopf und im Gesicht, kurz danach traten die Symptome am gesamten Körper auf. Ich war von der Kopfhaut bis zu den Füßen mit roten entzündlichen Flecken übersät, dazu kam ein quälender Juckreiz.

Meine Eltern waren verzweifelt, da ich mich täglich blutig gekratzt habe. Die Neurodermitis gilt als nicht heilbar, aber mittlerweile habe ich meine Haut gut im Griff. Das wichtigste ist für mich die tägliche Hautpflege. Diese gehört zu meinem Tagesablauf wie das tägliche Zähneputzen. Durch die Hautpflege bessert sich das allgemeine Hautbild, die schubfreien Intervalle dauern länger an und der Einsatz von schweren Medikamenten lässt sich auf Akutfälle reduzieren.

Was denken Sie zu der Annahme, die Haut sei ein Spiegel der Seele?

Das äußere Erscheinungsbild spielt für unser psychisches Wohlbefinden eine bedeutende Rolle. Durch den gesellschaftlichen Schönheitswahn fühlt man sich mit einer Hauterkrankung wie stigmatisiert. In Zeiten von perfekten Schönheitsidealen und Schönheits-OPs vor laufender Kamera werden Hautveränderungen oft als Makel oder Ungepflegtheit abgetan.

An einem Hautproblem zu leiden ist nach wie vor ein Tabuthema in der Öffentlichkeit., häufig schämen sich Betroffene und ziehen sich vom gesellschaftlichen Leben zurück. Schönheit fängt im Kopf an! Pickel, Ausschlag, juckende Ekzeme – und sich dann „schön fühlen“ und selbstbewusst auftreten? Das ist natürlich ein langwieriger Prozess, aber die Voraussetzung für eine Linderung der Beschwerden.

Die gute Nachricht: Es gibt Wege raus aus diesem Teufelskreis! Oft steckt man in sich selbst so tief fest und findet keinen Ausweg, hier kann ein Psychologe helfen, Antworten auf scheinbar unlösbare Fragen zu finden. Wenn man die physischen und psychischen Problemstellungen versteht, kann man im Alltag besser mit der Hauterkrankung umgehen und sich langfristig in seiner Haut wieder wohlfühlen.

Wie gehen Sie persönlich mit der Krankheit um?

Hänseleien und soziale Ausgrenzung habe ich selbst zum Glück nie erleben müssen, aber bis zur Gründung von Hautinfo.at habe ich andere immer um ihre „schöne“ Haut beneidet. Mittlerweile habe ich die Neurodermitis aber als einen Teil von mir akzeptiert und gelernt, gut damit zu leben.

Meine Haut reagiert als eine Art Frühwarnsystem: Wenn irgendwas in meinem Leben nicht passt oder ich einer besonderen Stress-Situationen ausgesetzt bin, lässt die Neurodermitis die Haut regelrecht „aufblühen“.  Aber jeder Mensch hat seine Schwachstelle, was beim einen Migräne oder Gastritis auslöst, ist bei mir ein Hautausschlag. Durch meine Neurodermitis habe ich meinen Körper und meine Psyche besser kennengelernt und bin heute lieber „dünnhäutig“ als „dickfellig“.

Kennen Sie „Cortison-Angst“?

Wenn ich einen akuten Schub habe, hilft mir Cortison, den Teufelskreis „Hautausschlag – Juckreiz – Kratzen – Hautbarriere gestört – neue Entzündung – Juckreiz – Kratzen“ zu durchbrechen. Das Cortison gehört nach wie vor zu den wirksamsten Medikamenten gegen die Symptome der Neurodermitis. Ich weiß, dass bei vielen Betroffenen bereits das Wort „Cortison“ Angst und Schrecken auslöst.

Dabei hat die Forschung in diesem Bereich in den letzten Jahren sehr viel Positives erreicht. Die aktuell gängigen Cortison-Präparate weisen viel weniger Nebenwirkungen als noch vor zwanzig Jahren auf. Ich möchte an dieser Stelle zur Vorsicht aufrufen, denn genau diese Cortison-Angst nützen unseriöse Geschäftemacher aus. Es kommen immer wieder cortisonhaltige Salben ans Tageslicht, die unter dem Deckmantel „Pflanzencreme ohne Cortison“ gehandelt werden.