Was tun bei Sonnenallergie?

Was zu tun ist, wenn man an einer Sonnenallergie leidet, erklärt der renommierte Hautarzt und ärztliche Leiter des Rudolfinerhauses in Wien, Univ.-Prof. Dr. med. univ. Hubert Pehamberger, im Interview.

Was ist eine Sonnenallergie?

Die Sonnenallergie ist eine Hauterkrankung, die nur in Reaktion auf eine Bestrahlung mit Sonnenlicht (ultraviolettes Licht, kurz: UV-Licht) entsteht. Wir Mediziner nennen sie auch polymorphe Lichtdermatose (PLD) oder Photoallergie.

Wie zeigt sich eine Sonnenallergie?

Die Haut rötet sich von zart bis intensiv. Bläschen können sich bilden. Schlimmstenfalls entstehen Papeln (Knötchen oder bis zu erbsengroße Verdickungen der Haut – Anmerkung der Redaktion). Meist tritt die Sonnenallergie auf Hautarealen wie Gesicht, Dekolleté und Handrücken auf. Zu den sichtbaren Hautveränderungen kommt ein starker Juckreiz.

Man könnte die Sonnenallergie auch mit einem Sonnenbrand verwechseln, oder?

Die Rötungen sind beim Sonnenbrand eher flächig, bei der Sonnenallergie eher fleckig und mit Bläschen oder Knoten durchsetzt.

Verschwinden die Symptome der Sonnenallergie von alleine wieder?

Mit der Zeit, aber das dauert schon ein paar Tage bis zu zwei Wochen – je nachdem, ob die Erkrankung mild oder stark ausgeprägt ist.

Schadet eine Sonnenallergie der Gesundheit nachhaltig?

Nein. Doch wer akut an ihr erkrankt, dessen Wohlbefinden wird deutlich von der Sonnenallergie beeinträchtigt. Sie kann einem den Urlaub gehörig vermiesen!

Gibt es Risikogruppen?

Nein, jeder kann eine Sonnenallergie entwickeln, ganz gleich, ob Mann oder Frau, alt oder jung. In der Praxis sind es allerdings häufiger Frauen, die daran erkranken, aber das liegt wohl daran, dass Frauen sich tendenziell mehr sonnen oder sich eher am kranken Hautbild stören und ärztliche Hilfe suchen.

Ist die Sonnenallergie eine typische Sommer- beziehungsweise Sommerurlaubserkrankung?

Die Praxis bestätigt, dass sie überwiegend im Sommer auftritt.

Im Zusammenhang mit Sonnenallergie ist häufig von der Mallorca-Akne die Rede. Sind das zwei Namen für ein und dieselbe Erkrankung – oder gibt’s da Unterschiede?

Die Mallorca-Akne entsteht, wenn die Poren der Haut zusätzlich mechanisch verstopft sind, sei es von Sandpartikeln oder Chemikalien von Kosmetika wie Sonnenschutzmitteln. Die betroffenen Stellen zeigen akne-ähnliche, entzündliche Papeln und Pusteln. Außerdem noch zu erwähnen ist die phototoxische Reaktion, bei der Bestandteile von Medikamenten oder pflanzliche Zutaten in Kosmetika, sogenannte Photosensibilisatoren, die Haut gegenüber Sonnenstrahlung höchst empfindlich machen.

Wenn man eine Sonnenallergie vermutet, was sollte man sofort tun?

Als allererstes den Auslöser meiden: die direkte Sonne. Kühlung kann den einsetzenden Juckreiz mildern, zum Beispiel in Form einer kalten Dusche oder kühlenden Salbe. Hilft das nicht spürbar, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Wie kann der helfen?

Bestens bewährt hat sich die äußerliche Behandlung der Sonnenallergie mit einer Hydrocortisonsalbe.

Sollte man der Sonne prophylaktisch ausweichen?

Ich rate meinen PatientInnen zu einem vorsichtigen, aber keineswegs neurotischen Umgang mit der Sonne. Das heißt, sonnen – ja, aber mit Maß und Ziel. Die erste Rötung ist ein Anzeichen, dass die Haut sich gegen ein Zuviel an UV-Strahlung wehrt. Das Signal sollte man beachten und darauf entsprechend reagieren, in dem man Schatten aufsucht oder sich mit Kleidung vor der UV Strahlung schützt.

Was halten Sie von kosmetischen Sonnenschützern?

Sonnenschutzmittel, chemische wie physikalische oder Kombi-Präparate, sind ein wirksamer Schutz, wenn man mit ihnen vernünftig umgeht. Richtig dosiert tragen sie dazu bei, die Entwicklung eines Sonnenbrands zu verzögern.

Ist Bräune nach wie vor ein Schönheitsideal, das Menschen um jeden Preis erlangen möchten?

Unsere jahrelange Aufklärung über den Zusammenhang zwischen der Zahl der durchgemachten Sonnenbrände und einem erhöhten Krebsrisiko zeigt heute Wirkung. Obsessivem Sonnenbaden um der schönen Bräune willen, begegne ich kaum noch. Und wer es dennoch tut, riskiert Schäden seiner Haut.

Könnten Sie den Mechanismus der Hautbräunung kurz erklären?

In der Haut sitzen oberflächlich verschiedene Zellen, hornbildende für den mechanischen Schutz – Keratinozyten; immunologische wie die Langhanszellen, die für allergische Reaktionen verantwortlich sind sowie Melanozyten. Diese Melanozyten produzieren bei UV Lichtreiz den hautfärbenden Farbstoff Melanin, mit dem sie sich selbst und umliegende Zellen färben und somit einen gewissen Schutz gegen UV Licht bilden. Richtet UV-Licht jedoch genetischen Schaden in einer Zelle an, wirken normalerweise Reparaturmechanismen. Bleiben diese aus, kann  Hautkrebs die Folge sein.

Dann ist die Bräunung der Haut eigentlich ein Abwehrmechanismus?

Stimmt! Wenn der Bräunung eine Hautrötung vorausgeht, ist dies ein erstes ernstzunehmendes Warnsignal für UV-Schäden.

Bedeutet braune Haut nicht zugleich erhöhten Schutz vor Sonne?

Diese Annahme wiegt einen in trügerischer Sicherheit. Bräune schützt nicht notwendigerweise vor Hautkrebs! Man darf nicht vergessen, die natürliche Schutzfunktion der Haut entwickelt sich langsam, erst im Alter von sieben, acht Jahren ist sie voll ausgebildet.