„Obwohl ich noch nie im Solarium war, sagt mir meine Dermatologin, dass ich ein erhöhtes Risiko habe: Helle Haut, blaue Augen, als Kind aufgewachsen in den Kärntner Bergen, wo ich viel an der Sonne war. Außerdem habe ich Verwandte mit Hautkrebs. Meine Großmutter und meine Tante hatten ein Melanom, das erfolgreich behandelt wurde. Meine Mutter hatte ein Basaliom“, schreibt Laura in einem Internetforum.

Der helle Hautkrebs (Basaliom, Plattenepithelkarzinom) ist weniger aggressiv als der schwarze Hautkrebs (Melanom) und nur in seltenen Fällen tödlich, tritt aber rund zehn Mal häufiger auf. Matthias Schmuth sagt, dass er jeden Monat ein bis zwei PatientInnen bereits im jungen Alter von 20 bis 30 Jahren neu mit Hautkrebs diagnostiziert.

Man vermutet, dass das mit dem Freizeitverhalten zu tun hat. Selbst Kinder können ein Melanom bekommen. Eine Studie in der Fachzeitschrift Pediatrics berichtet, dass bei Kindern und Jugendlichen die Häufigkeit von Melanomen jährlich um ca. 2 Prozent ansteigt.

Vorbeugen rettet Leben

Laura schreibt weiter im Internetforum: "Meine Erfahrungen in der Familie haben zusammen mit der Warnung meiner Hautärztin dazu geführt, dass ich mich besser vor der Sonne schütze. Ich möchte eigentlich keine Narbe von Hautoperationen davontragen oder gar mit einem Melanom diagnostiziert werden.

Deshalb verwende ich Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30, welche ich täglich in der Früh auftrage, und trage im Sommer langärmlige Kleidung. Wenn ich im Sommer auf Urlaub fahre, röste ich nicht mehr in der prallen Sonne, sondern bevorzuge während der Mittagszeit den Schatten. Außerdem gehe ich ein Mal jährlich zur Vorsorgeuntersuchung der Haut."

Was Hänschen nicht lernt ...

Die Arbeitsgruppe für dermatologische Onkologie der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Krebshilfe führt seit Jahren pädagogische Aufklärung zum richtigen Umgang mit der Sonne durch. Die Bevölkerung wird über den richtigen Umgang mit der Sonne informiert.

Die Initiative „Sonne ohne Reue“ möchte das Bewusstsein der Hautkrebserkrankungen in der Öffentlichkeit steigern, ohne panische Angst zu verbreiten. Jährlich erkranken in Österreich über 5.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs, dem sogenannten malignem Melanom. Im Vergleich dazu waren es vor 30 Jahren nicht einmal 500 Neuerkrankungen pro Jahr.

Nach den neuesten Zahlen aus den USA sind es derzeit 23 pro 100.000 Einwohner, in Österreich waren es bereits 2011 25 pro 100.000 Einwohner. Im selben Zeitraum stieg die Sterblichkeit allerdings in allen Ländern nur gering an, was daran liegt, dass die Mehrzahl der Melanome durch DermatologInnen in einem sehr frühen Stadium diagnostiziert wird und die Operation des Tumors in den meisten Fällen eine Heilung der Erkrankung bedeutet.

Eine wesentliche Voraussetzung für dieses sehr gute Ergebnis ist ein hoher Grad an Aus- und Weiterbildung der österreichischen DermatologInnen im Bereich der Vorsorge und Auflichtmikroskopie. Letzteres ist eine Methode, bei der die Ärztin oder der Arzt mit einer speziellen Lupenvorrichtung Muttermale auf Gutartigkeit oder Bösartigkeit untersuchen kann.

Außerdem stehen in den Ordinationen der HautärztInnen spezielle fotografische Einrichtungen zur Verfügung zur genaueren Diagnostik einzelner Veränderungen bzw. zur Überwachung spezieller RisikopatientInnen (total body photography).

Aufklärungskampagnen zeigen Erfolg

Aktionen wie „Sonne ohne Reue“ haben die Aufmerksamkeit der Bevölkerung hinsichtlich der Veränderung von Muttermalen positiv beeinflusst. Risikofaktoren sind zum Beispiel die Anzahl der Muttermale am Körper, ein heller Hauttyp und Sonnenbrände in der Kindheit. Die Selbstkontrolle anhand der ABCDE-Regel ist einfach möglich, ersetzt aber nicht die regelmäßige Kontrolle beim Dermatologen.

Aktuelle Daten zur Entwicklung der Häufigkeit des Melanoms zeigen in Australien, dem Land mit den bekanntesten Aufklärungskampagnen zum UV-Schutz, bei jungen Erwachsenen erstmals einen Rückgang der Inzidenz an, was die hohe Bedeutung solcher Kampagnen unterstreicht.

Neue Behandlungen

Trotz aller Bemühungen treten bei 20 Prozent aller PatientInnen im Verlauf Metastasen eines Melanoms auf. Auch in diesen fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung konnten mit den gegen Onkogene (das Tumorwachstum antreibende genetische Veränderung) wirksamen und zielgerichteten Therapien sowie der modernen Immuntherapien, den Check-Point-Inhibitoren, oder der onkolytischen, virusbasierten Immuntherapie – wesentliche Verbesserungen erreicht werden.

„Heute kann mit geeigneten Kombinationen moderner Medikamente immer mehr Patientinnen und Patienten geholfen und das Leben erheblich verlängert werden“, sagt Christoph Höller, Spezialist für Melanome an der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien und Leiter der Arbeitsgruppe für Dermatologische Onkologie der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie.

Neben der federführenden Beteiligung an fast allen wesentlichen klinischen Studien zeigt sich an dermato-onkologischen Zentren Österreichs durch den Einsatz dieser Therapien auch in der Routine bei bereits knapp 20 Prozent aller PatientInnen mit metastasiertem Melanom eine komplette Rückbildung des Tumors, welche oft langanhaltend ist.

Viele dieser bei Melanom erstmals eingesetzten Therapien werden heute auch bei anderen Tumorarten erfolgreich eingesetzt oder in klinischen Studien erprobt.

Sonnenschäden rechtzeitig behandeln

Je länger die Haut der UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt ist, desto größer ist die Gefahr von gefährlichen Sonnenschäden. Viel häufiger als das Melanom ist der helle Hautkrebs, das Basaliom, das Plattenepithelkarzinom oder dessen Vorläufer die aktinische Keratose. Letztere tritt meist dort auf, wo die Sonne direkt auf die Haut auftrifft – im Gesicht, an Nase und Stirn, Ohren, an Handrücken, Unterarmen und Unterschenkeln.

„Sonnenschäden jucken nicht. Es kann sein, dass man sie lange nicht bemerkt. Oft treten mehrere gleichzeitig auf. Plötzlich treten Rötungen und/oder Hautschuppungen auf, die nicht mehr verschwinden“. Dann ist eine Behandlung dringend notwendig, um die Entstehung von hellem Hautkrebs zu vermeiden, erklärt Matthias Schmuth.

Erfolgt keine Behandlung, so wächst der Hautschaden langsam weiter, kann in die Tiefe eindringen und schlussendlich kann ein Platenepithelkarzinom entstehen. Auch das Plattenepithelkarzinom kann Metastasen bilden, obwohl das seltener ist als beim Melanom. Nur beim Basaliom kommt das praktisch nie vor.

Bei aktinischen Keratosen ist die Forschung aktuell damit beschäftigt, neue Botenstoffe zu identifizieren, die für ihre Entstehung verantwortlich sind und dementsprechende topische Immunmodulatoren zu finden. Diese Immunmodulatoren werden nach der klassischen Behandlung wie Vereisung (Kryotherapie) eingesetzt. „Diese neuen Immunmodulatorensalben dringen in die befallene Hautschicht ein, erzeugen eine Entzündung, die Haut wird abgestoßen und eine neue Haut wächst nach“, so Matthias Schmuth.

Tageslicht – photodynamische Therapie speziell für UV-Schaden/aktinische Keratosen

Relativ neu ist die Tageslicht-photodynamische Therapie. Hier wird im Gegensatz zu den mehr immunologisch ausgerichteten Methoden der Tumor metabolisch markiert und durch Licht zerstört. „Bis jetzt war die Therapie für PatientInnen sehr aufwendig. Die Behandlung dauerte rund vier Wochen.

Mit der neuen Methode werden die befallenen Stellen mit der Salbe behandelt, anschließend wird der Patient mehrere Stunden dem Tageslicht ausgesetzt und in der Folge der Sonnenschaden zerstört“, so Matthias Schmuth. Neu sei dabei, dass damit „unsichtbare“ Sonnenschäden (mit-)behandelt würden, denn die Haut eines Erwachsenen in UV-exponierten Arealen sei mit potenziell krebserregenden Mutationen übersät, ohne dass PatientInnen dies bemerken oder deren Haut tatsächlich Sonnenschäden zeige.

Sonnenschutz nicht vernachlässigen

Sonnenschäden könnten vermieden werden. Obwohl ausreichend Aufklärung vorhanden ist und eine Vielfalt von Sonnenschutzcremen zur Auswahl steht, zeige die Erfahrung, dass der Sonnenschutz trotzdem vernachlässigt wird. Auch in vermeintlichem Schatten, unter einem Sonnenschirm, können heller Sand oder Wasser die UV-Strahlen reflektieren und somit indirekt auf die Haut treffen.

Es werde zu wenig und zu selten eingecremt. „Für das Gesicht sollte man rund einen Esslöffel Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 12 verwenden. Wichtig ist, dass der Sonnenschutz rechtzeitig eingecremt wird. Es braucht eine gewisse Zeit, bis er in die Haut eindringt – man spricht von ca. 20 Minuten. Die Creme sollte wiederholt aufgetragen werden, die Prozedur muss nach zwei bis drei Stunden wiederholt werden und das mehrfach täglich.

Auch bei sogenannten wasserfesten Cremen reduziert sich der Schutz nach mehrmaligem Kontakt mit Wasser“, warnt Matthias Schmuth. Bei Kindern empfiehlt er, Sonnenschutzmittel auf physikalischer Basis mit Lichtschutzfaktoren und -filter zu verwenden, die direkt reflektieren.