Dermatologen sind sich einig: Bei Haaren wird mit der Pflege oft übertrieben: „Wer zu viel macht, riskiert die Gesundheit der Kopfhaut – und das kann im schlimmsten Fall zu Haarverlust führen.“ Färben, Tönen, Dauerwellen, zu heißes Föhnen und dauerhaftes Glätten bringt in erster Linie den natürlichen Säureschutzmantel der Kopfhaut aus dem Gleichgewicht.

Zudem leiden die Haare unter der täglichen Styling-Tortur und werden dadurch schneller brüchig. Erste Anzeichen für die Gefährdung der Kopfgesundheit ist oftmals ein Jucken, weil die Kopfhaut einfach zu trocken ist. Gründe dafür sind oft ein falsches Shampoo und zu häufiges Waschen. Denn das A und O einer schönen, wallenden Mähne ist eine sanfte Pflege und vor allem eine gesunde Kopfhaut.

Von Haut zu Haaren

Die Wenigsten schenken der Kopfhaut viel Aufmerksamkeit. Dabei gehört sie zu den empfindlichsten Regionen unseres Körpers. Wie der Rest unserer Haut besteht sie aus mehreren Schichten. Die tieferliegenden sind für die Zellbildung verantwortlich, während die Hautoberfläche abgestorbene Zellen abstößt.

In der Kopfhaut sitzen neben den Haarwurzeln auch Talg- und Schweißdrüsen sowie Immunabwehrzellen und Nerven. Zusammen nehmen sie Funktionen wie Flüssigkeitsaustausch, Sinneswahrnehmung und Temperaturregulation wahr. Sind diese Prozesse gestört, sind Austrocknung, Schuppen und Juckreiz mögliche Folgen.

Um die Kopfhaut bei ihrem Reinigungsvorgang zu unterstützen, ist richtiges Haarebürsten wichtig. Damit abgestorbene Hautpartikel perfekt entfernt werden und die Kopfhaut mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird, sollten die Haare am besten morgens mit nach vorn gebeugtem Kopf und wohltuendem Druck gebürstet werden.

Die sanfte Massage regt dabei die Durchblutung an. Je besser die Kopfhaut durchblutet ist, desto besser ist die Versorgung der Haarwurzeln. Allerdings sollte man bei der Wahl der Haarbürste auf Qualität achten: Am besten für Haar und Kopf sind Bürsten mit Wildschweinborsten.

Diese sind fest genug, um durch das Haar bis zur Kopfhaut vorzudringen, und können im Gegensatz zu Kunststoff durch ihre Aufnahmefähigkeit beim Abtransport der Ablagerungen helfen. Und das reduziert auch den Shampooverbrauch. Denn Fett und Schmutz werden einfach abgebürstet und die Haare sind wieder frisch und sauber.

Von Geheimratsecken und Haarverlust

Die Ursachen von Haarverlust können vielfältig sein. Und nicht immer sind Pflegeprodukte schuld, wenn das Haupthaar dünner wird. Oftmals werden Hormone, Gene oder ein geschwächtes Immunsystem dafür verantwortlich gemacht. Auch bestimmte Medikamente, wie Blutdrucksenker oder Blutverdünner können mit Haarausfall in Verbindung gebracht werden.

Bei Frauen führt oft Eisen- oder Zinkmangel zu lichten Stellen. Auch Hormonstörungen, Wechseljahre und Schwangerschaften können sich negativ auf die Haarproduktion auswirken. Männer hingegen sind oft von Haarverlust am Oberkopf betroffen. Dabei wird die Erbkrankheit direkt vom Vater an den Sohn weitergegeben. Somit ist sicher: Haarverlust hat heutzutage viele Gesichter.

Von Kopf bis Fuß

Unabhängig von erb- oder krankheitsbedingtem Haarschwund, wie beispielsweise im Zuge einer Chemotherapie, lässt sich in vielen Fällen die Ursache von Haarausfall auf eine Störung des gesunden Stoffwechselgleichgewichts im Körper zurückführen. Betroffene sollten neben einem Dermatologen vielleicht auch einen Allgemeinmediziner aufsuchen und sich auf Mineralstoffmangel, Übersäuerung oder eine gestörte Darmflora untersuchen lassen.

Hierbei kann eine Entschlackung oder Entsäuerung Wunder wirken. Experten raten zudem, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, damit auch die Haarwurzeln ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Gemüse, Obst, aber auch Eiweiße, wie etwa in Milchprodukten, Fisch oder Fleisch enthalten, füllen den Mineralstoffspeicher wieder auf. Waschen sollte man das Haar nicht öfter als zwei bis dreimal in der Woche.

Somit hat die Kopfhaut genügend Zeit, sich zwischendurch wieder zu regenerieren. Beim Schamponieren sollte nicht zu viel Druck ausgeübt werden. Gut geeignet sind Produkte mit Kräuterextrakten und Pflanzenölen, die gänzlich auf Alkohol und Silikone verzichten. Denn diese trocknen die Kopfhaut aus und fördern Rötungen, Juckreiz und damit die Schuppenbildung. Wer also auf eine gesunde Kopfhaut achtet, hat auch gesunde und schöne Haare.