Was ist der Graue Star eigentlich genau?

Der sogenannte Graue Star oder auch Katarakt ist eine meist altersbedingte Trübung der Linse im Auge. Diese Trübung bedingt eine Verminderung des Sehens und führt bei einer nicht rechtzeitigen Behandlung zur Erblindung.

Kann das jeder bekommen?

Wie schon gesagt ist der Graue Star am häufigsten ein altersbedingtes Phänomen. Aber auch Verletzungen am Auge können dazu führen, dass sich die Linse eintrübt.

Sind viele Menschen vom Katarakt betroffen?

Weltweit sind laut Schätzungen der WHO etwa 39 Millionen Menschen blind und 185 Millionen Menschen sehbehindert. Die meisten davon leben in Entwicklungsländern. Und jetzt kommt das erschreckende – ungefähr 85 Prozent der Blindheit und der Sehbehinderungen könnten vermieden oder geheilt werden.

Der Graue Star ist davon für 25 Millionen Fälle verantwortlich. Natürlich gibt es den Grauen Star auch in den entwickelten Ländern Europas oder in Nordamerika beispielsweise. Aber in diesen Ländern wird man vom Grauen Star nicht blind, weil man rechtzeitig eine augenmedizinische Versorgung wahrnehmen kann. Es gibt die Möglichkeit, sich behandeln oder operieren zu lassen.

Also ist der Graue Star sehr weit verbreitet?

Weltweit ist der Graue Star die häufigste Erblindungsursache. In der westlichen Welt erblindet aber niemand aufgrund des Grauen Stars. Das zeigt den großen Unterschied zwischen den Welten auf.

Kann man dem Katarakt eigentlich vorbeugen?

Nicht wirklich. Da er altersbedingt auftritt, kann ihn jeder bekommen. Das Tragen einer Sonnenbrille als UV-Schutz und der Verzicht auf Rauchen und Alkohol kann ihn aber vermeiden helfen.

Und behandelt wird er mittels Operation?

Genau. Es gibt eine sehr kosteneffiziente Intervention, nämlich einen einfachen, chirurgischen Eingriff. Dabei wird die getrübte Linse durch eine künstliche Linse ersetzt. Sehr viele Menschen haben zu dieser Operation aber gar keinen Zugang. Dadurch ergibt sich dieses weltweite Ungleichgewicht, was die Folgen angeht. Und da versuchen wir, gegenzusteuern.

Ein gutes Stichwort: Kommen wir auf die Projekte zur Behandlung des Grauen Stars in Afrika zu sprechen.

Wir haben Projekte in unseren Schwerpunktländern wie Äthiopien, Burkina Faso und Mosambik, in denen wir die bereits vorhandenen augenmedizinischen Versorgungseinheiten unterstützen.

Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Wir unterstützen die ugenmedizinischen Abteilungen mit Gerätschaften und Instrumenten, aber auch mit medizinischen Gebrauchsmaterialien, die dort selten sind oder die es dort gar nicht gibt. Denn meistens können aufgrund des Mangels an Gerätschaften die Operationen nicht oder nur sehr selten durchgerührt werden.

Wir unterstützen die lokalen Partner vor Ort. Wir unterstützen aber auch die Ausbildung von augenmedizinischen Fachkräften wie AugenärztInnen, aber auch Augenkrankenschwestern. Auch Katarakt-ChirurgInnen werden von uns gezielt ausgebildet und gefördert. Denn diese Fachkräfte sind in weiten Teilen Afrikas sehr notwendig, aber zahlenmäßig viel zu wenige.

Also ist besonders Afrika das Sorgenkind?

In Afrika ist der Katarakt für etwa 50 Prozent der Erblindungen verantwortlich. Das ist eine große Menge blinder Menschen, die sich durch die fünfzehnminütige Operation leicht vermeiden lassen würde. Man braucht zwar einen Operationssaal und Mikroskope, aber es ist für gut ausgebildete ÄrztInnen nicht sehr kompliziert. Wenn sie das geeignete Arbeitsmaterial dafür bekommen.

Wir haben in über 20 Ländern mehr als 60 augenmedizinische Programme laufen. Allein im letzten Jahr haben wir über 52.000 Katarakt-Operationen unterstützt.

Wie muss ich mir diese Unterstützung vorstellen?

In den meisten Entwicklungsländern sind die vermeidbaren Ursachen immer noch die häufigsten Ursachen für Blindheit. Einfach, weil es nicht genügend Fachkräfte gibt, die eine gezielte augenmedizinische Versorgung durchführen könnten. Zweitens gibt es keine adäquate Infrastruktur, um diese Behandlung gewährleisten zu können. Unsere Projekte richten sich ganz an die Ausbildung der medizinischen Fachkräfte.

Arbeiten Sie auch in den Dörfern?

Selbst wenn man versucht, in entlegenen Gebieten augenmedizinische Zentren einzurichten, ist es in vielen Fällen immer noch nicht möglich, dass alle Betroffenen diese Zentren auch erreichen können. Blindheit ist eine Erkrankung der Armut. Aber unsere Philosophie ist es, niemanden zurückzulassen. Diese Zentren, die wir unterstützen, haben vier bis sechs Teams, die regelmäßig noch weiter ins Landesinnere fahren und dort vor Ort helfen.

Sind AugenärztInnen so selten?

In den meisten Ländern Afrikas kommt ein Augenarzt auf eine Million Einwohner! Das würde bedeuten, dass es im gesamten Österreich nur acht AugenärztInnen gäbe. Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass die Mehrheit der AugenärztInnen in der Hauptstadt oder in großen Städten arbeitet.

Äthiopien etwa hat über 100 Millionen Einwohner. Es gibt etwa 150 Augenärzte, von denen etwa 65 Prozent in der Hauptstadt Adis Abeba leben. Aber über 80 Prozent der Bevölkerung lebt auf dem Land. In der Peripherie, wo wir die meisten Projekte unterstützen, gibt es einen Augenarzt auf vier oder fünf Millionen Menschen.

Woran liegt das?

Die Hauptursache für den Mangel an Fachkräften ist eine mangelhafte Ausbildung. Und da setzen wir an. Einer unserer Schwerpunkte ist die Ausbildung von augenmedizinischem Fachpersonal vor Ort. Um nachhaltig etwas zum Positiven verändern zu können, nutzt es nichts, nur nach Afrika zu fahren und dort zu operieren.

Wir müssen dafür sorgen, dass es gut ausgebildetes Fachpersonal gibt, das vor Ort lebt und jederzeit helfen kann. Aber es ist auch wichtig, die Infrastruktur zu verbessern, damit die augenmedizinischen Fachkräfte auch arbeiten können. Daran fehlt es leider auch oft. Genau dort setzen wir an.