Frau Lohner, für die Organisation LICHT FÜR DIE WELT sind Sie „Goodwill Ambassador“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Das ist eine Botschafterin, die sich unentgeltlich und aus freien Stücken vor Ort ansieht, was mit den Spendengeldern geschieht. Zurück in Österreich erzähle ich dann darüber, was ich gesehen und erlebt habe.

 

Können Sie uns das Schicksal einer in Afrika an Grauem Star erkrankten Person schildern? Welchen Schwierigkeiten müssen die Menschen sich stellen?

Das kann ich Ihnen gerne schildern. Es hat jeder Mensch in seinem Dorf eine Aufgabe. Einer hütet die Ziegen, ein anderer passt auf die Kinder auf, der Dritte holt Holz und so fort. Wenn ein Mensch nun erblindet – und der Graue Star führt ja zur Blindheit, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird – dann kann dieser Mensch diese Aufgabe nicht mehr erfüllen. Er muss also betteln gehen. In Wahrheit ist das ein Todesurteil. Und mit nur 30 Euro, denn so viel kostet eine Operation, kann man einem Menschen das Leben wieder schenken.

 

Wann haben Sie zum ersten Mal bei sich selbst bewusst wahrgenommen: Irgendetwas mit meinen Augen stimmt nicht und wie haben Sie in der Folge gehandelt?

Ich habe eines Tages bemerkt, dass ich immer das Gefühl habe, als hätte ich vom Abschminken noch etwas Babyöl im Auge. Es fühlte sich ein bisschen an wie ein Schleier. Ich hatte schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Körper und vertraute meinem Gefühl – daher ging ich zum Augenarzt und habe ihm gesagt: „Ich habe den Grauen Star.“ Für mich war das klar. Er antwortete das könne nicht sein, ich sei ja viel zu jung. Und ich habe daraufhin gemeint: „Naja, oja. Ich habe sehr stark das Gefühl, dass das so ist.“ Er hat mich dann untersucht und gesagt: „ Ich weiß nicht, woher Sie das wissen, aber Sie haben ihn.“ So war das. Dann folgte die Operation rund zwei Wochen später.

 

Wie haben Sie diese Krankheit erlebt? Hatte sie Einfluss auf Ihre beruflichen Tätigkeiten?

Damals gab es noch diese Operationen, wie wir sie heute auch in Afrika durchführen. Ich hatte noch einen ziemlich großen Schnitt um den Augapfel, der genau berechnet wird, sodass nach dem Zusammenziehen der Wunde wieder dieselbe Sehschärfe hergestellt ist. Wenn der Schnitt aber neu ist sind die Dioptrien erhöht und man sieht alles verschwommen oder dreifach. In Österreich ist es ein Routineeingriff und erprobt. Ich habe mich gut betreut gefühlt. Nach drei Wochen habe ich damals gesagt: Ich möchte wieder arbeiten, ich möchte wieder vor die Kamera, ich möchte meinen Job machen!

 

Kann man Grauem Star vorbeugen?

Nein, dem Grauen Star können Sie nicht vorbeugen. Es ist eine Trübung der Linse, die man nur rechtzeitig erkennen kann. Wenn das der Fall ist, kann man die Linse entfernen und eine Kunststofflinse einführen. In Afrika ist das freilich etwas anders. Die Menschen haben nicht genug zu essen, keine ausreichende Vitaminzufuhr in einem Alter, in dem sich das Auge noch entwickelt. Gemeinsam mit der starken Sonneneinstrahlung führt es dort dazu, dass auch viele Kinder bereits an Grauem Star leiden.

 

Wann haben Sie zum ersten Mal dieses Gefühl bei sich entdeckt: Ich als Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, kann etwas in Bewegung setzen, ich kann Menschen motivieren in Aktion zu treten?

In Hinblick auf den Grauen Star habe ich daran überhaupt nicht gedacht. Ich bin kein Mensch, der wenn ihm etwas fehlt, eine Pressekonferenz gibt, das ist meine Privatsache. Aber ich habe prinzipiell ein sehr starkes soziales Gewissen. Und als mich Gabriel Müller, der damalige Pressesprecher von Licht für die Welt, gefragt hat, ob ich als Botschafter agieren will, habe ich gesagt: Ja, aber nur, wenn ich etwas bewegen kann, denn dann macht meine Prominenz auch wirklich Sinn. Zu diesem Zeitpunkt hat er noch gar nicht gewusst, dass ich am Grauen Star operiert war. Das habe ich ihm erst viel später gesagt. Insofern war das ein ganz interessanter Koinzident.