Ihre Aufgaben sind eng verwoben mit anderen Körperfunktionen. Gerät dieses Wechselspiel ernsthaft aus dem Lot, können Hautkrankheiten lebensbedrohlich werden. Immer aber bedeuten Hautkrankheiten wegen ihrer guten Sichtbarkeit eine besondere Beeinträchtigung des Körperempfindens und der Lebensqualität.

Neben den gefährlichen und besonders beeinträchtigenden Hautkrankheiten gibt es auch solche, die sehr häufig auftreten und einfach zu erkennen oder zu behandeln sind. Viele sind jedoch diagnostisch schwierig und schwer zu behandeln. Insgesamt sind mehr als 2.000 Hautkrankheiten bekannt. Jeder Mensch erkrankt vermutlich während seines Lebens mehrmals an relevanten Hautkrankheiten. DermatologInnen widmen sich der Behandlung von Haut- und Geschlechtskrankheiten. Nur bestens ausgebildete DermatologInnen können zwischen einfachen und komplexen Hautkrankheiten unterscheiden.

Mehrere klassische Hautkrankheiten, wie die Schuppenflechte (Psoriasis), treten selten allein auf. Vielmehr gesellen sich häufig Stoffwechselstörungen des Gesamtorganismus hinzu (Übergewicht, Neigung zu Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen). Damit zeigt sich die Wichtigkeit einer akkuraten Hautdiagnose für die Gesamtgesundheit. Auch Bewegung und Ernährung spielen eine Rolle, die allerdings manchmal überschätzt wird. Ganz klar ist, dass bei Vitamin- und anderen Mangelzuständen die Haut zu Schaden kommt.

Der Zusammenhang zwischen Gesamtorganismus und Immunsystem der Haut zeigt sich auch in den Autoimmunkrankheiten der Haut. Beispielsweise finden sich die Krankheitszeichen der Sklerodermie nicht einzig und allein auf der Haut, sondern sind vielfach begleitet von Organstörungen. Sklerodermie-Betroffene leiden mitunter an Lungenproblemen, Schluckbeschwerden, manchmal auch Nieren- und Herzschwäche. Gerade deshalb sind DermatologInnen durch ihre Ausbildung gerüstet, über die Hutschnur des eigenen Faches hinauszuschauen und im Sinne des Gesamtkörpers interdisziplinär zu denken und zu handeln.

Individualisierte/personalisierte Dermatologie

Wie zum Führen eines Fahrzeuges mehr gehört als das Tanken und Zündschlüsselumdrehen, so bedeutet ein besseres Verständnis der Haut auch, dass wir mehr für unsere Hautgesundheit tun können. Österreich ist seit 30-40 Jahren international führend in der dermatologischen Forschung. Manche Früchte der Erfolge werden erst jetzt geerntet. Beispielsweise sind die Fortschritte in der Befundung und Behandlung entzündlicher und bösartiger Hautkrebserkrankungen enorm. In der Dermatologie steht die individualisierte Krebstherapie bereits in der Tür.

„Die Haut ist ein Organ, das ständig dem Blick der Mitmenschen ausgesetzt ist.“

Die Behandlungsmöglichkeiten sind viel grösser als noch vor zehn Jahren und das Repertoire wird immer größer und differenzierter. Die individualisierte Gentherapie von Schmetterlingskindern wurde von italienischen Kollegen aus Modena erfolgreich eingeführt und wird bald auch den ersten österreischen PatientInnen zugutekommen.

Aber bereits seit Jahrhunderten passen ÄrztInnen die Hauttherapie individuell an die Bedürfnisse ihrer PatientInnen an. In keiner medizinischen Disziplin wird so oft individualisiert therapiert wie in der Dermatologie, in der Salbenzusammensetzungen an die Haut der einzelnen PatientInnen angepasst werden können. Aufgrund der neuen Medikamentenentwicklungen geht die Dermatologie nun nicht mehr lediglich auf dem Gebiet der Salbenbehandlung individuell auf die PatientInnen ein, sondern auch durch äußerst moderne, gezielt eingesetzte Medikamente.

Sehen und gesehen werden

Die unmittelbare Sichtbarkeit der Haut macht sie unweigerlich zur Visitenkarte eines jeden Menschen. Die Haut ist ein Organ, das ständig dem Blick der Mitmenschen ausgesetzt ist: Niemand kann unser brilliantes Gehirn, unser allumfassendes Herz, oder –  nach einer durchzechten Nacht – unsere einst bärenstarke, nun aber leichenblasse Leber ohne Weiteres anschauen. Die Sichtbarkeit führt auch zu einer zunehmend großen Zahl von Menschen, die entlang ihren Wünschen und denen der Gesellschaft ihr Haut- (und damit Selbst-) Bild zu verändern und zu optimieren suchen (S. 11 Aritkel ästhetische Medizin).

Nichts aber ist übler, als wenn die vermeintliche ästhetische Korrektur eines Hautmakels etwaige zugrundeliegende psychische Probleme ignoriert. Dann laufen ÄrztIn und PatientIn Gefahr, Schiffbruch zu erleiden, indem aufwendige Therapien nur zu immer größerer Unzufriedenheit führen, weil das Problem nicht an der Wurzel gepackt wurde. Hier ist wieder die gut ausgebildete DermatologIn am besten in der Lage, übergreifend und medizinisch zu denken und die Grenzen der reinen Reparaturmedizin zu erkennen. Diese Ausgabe möchte Sie über die neuesten Entwicklungen in der Dermatologie informieren. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügung beim Lesen.