DD r. Sabine Wiesinger
ist Zahnärztin mit dem Schwerpunkt Parodontitisprophylaxe und -behandlung sowie Leiterin der Vorsorgepraxis „angelsmile-Mundhygiene“.
Dr. Christian Matthai
ist Lifestyle-M ediziner und Ernährungsexperte sowie Facharzt für Gynäkologie mit den Spezialgebieten Hormone und Kinderwunsch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Wichtigkeit von gesunden Zähnen ist vielen Frauen nicht bewusst

Ein Kind zu bekommen bedeutet eine große Veränderung im Leben jeder Frau. Während die Natur es so eingerichtet hat, dass zumindest neun Monate Vorbereitungszeit auf das Leben mit Kind bleiben, beginnen die körperlichen Veränderungen schon zu Beginn der Schwangerschaft. In dieser Zeit bedarf die schwangere Frau besonderer Behandlung und Pflege – doch dass hier gerade die Mundpflege eine besonders wichtige Rolle spielt, ist vielen Frauen nicht bewusst.

„Bakterielle Infektionen im Rahmen einer Parodontitis sind während einer Schwangerschaft besonders gefährlich. Schon lange ist bekannt, dass schwangere Patientinnen mit Parodontitis sowohl einem erhöhten Risiko für Fehl- als auch für Frühgeburten ausgesetzt sind“, sagt Dr. Christian Matthai, Facharzt für Gynäkologie mit dem Spezialgebiet Hormone und Kinderwunsch. 

 

Gefährliche Entzündungen des Zahnfleisches

Die Erklärung dafür liegt im Anstieg der Östrogenwerte im Laufe einer Schwangerschaft. Es kommt zu einer vermehrten Durchblutung und Auflockerung des Zahnfleisches, das dadurch stark gefährdet ist, mit pathogenen Keimen besiedelt zu werden. In Folge kann es zu häufigerem Zahnfleischbluten und entzündlichen Veränderungen in der Mundhöhle kommen. „Das kann schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben. In mehreren Studien wurde berichtet, dass Frauen mit Frühgeburten oder untergewichtigen Kindern signifikant starke paradontale Erkrankungen aufweisen“, bestätigt auch Frau DDr. Sabine Wiesinger, Zahnärztin und Leiterin der Zahnvorsorgeinstitution „angelsmile“.

Bei Frauen mit unbehandelten Zahnbetterkrankungen sei demnach das Risiko einer Frühgeburt achtmal höher als bei Frauen mit gesunden Zähnen und Zahnfleisch. Bis zu 18,2 Prozent aller Frühgeburten sollen nach Expertenmeinungen ihre Ursache in paradontalen Infekten haben. 

 

Rechtzeitig vorsorgen für gesunde Zähne und Zahnfleisch

Im Optimalfall beginnen die Mundhygienemaßnahmen der werdenden Mutter zum eigenen Wohl und zum Schutz ihres Kind schon vor der Schwangerschaft. „Idealerweise sollte jede Frau mit Kinderwunsch noch vor dem Eintreten einer Schwangerschaft sicherstellen, dass ihre Zähne und das Zahnfleisch gesund sind“, empfiehlt Dr. Matthai.

Auch in den Fällen, in denen die Schwangerschaft ungeplant eintritt und keine spezielle Vorsorge bezüglich der Mundgesundheit getroffen wurde, ist es noch nicht zu spät, um erhöhte Aufmerksamkeit auf die Mundhygiene zu richten und damit Risiken zu minimieren.

DDr. Wiesinger empfiehlt, während der Schwangerschaft zwei Mal eine professionelle Mundhygiene in Anspruch zu nehmen. In Deutschland ist – im Gegensatz zu Österreich – die Paradontoseuntersuchung aufgrund der möglichen Auswirkungen auf das ungeborene Kind sogar Bestandteil des Mutter-Kind- Passes.

 

Schutz vor Keimübertragung

Abgesehen von dem erhöhten Früh- und Fehlgeburtsrisiko birgt mangelnde Mundhygiene noch eine weitere mögliche Gesundheitsgefährdung, die erst nach nach der Geburt zu tragen kommt. „Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Mütter richtungsweisend bei der Übertragung kariogener Keime auf das Baby sind. Das bedeutet, dass sich das Kariesrisiko des  indes umso mehr vergrößert, desto höher die Keimbelastung der mütterlichen Mundhöhle ist“, mahnt Frau DDr. Wiesinger.

Werdende Mütter sollten deshalb sowohl in ihrem eigenen Interesse als auch in dem ihrer Kinder genau so eifrig zur Zahnbürste greifen, wie sie es wahrscheinlich in Zukunft von ihrem Nachwuchs gerne sehen würden.