Dr. Elia Bragagna
Sexualmedizinerin und Leiterin der Akademie für sexuelle Gesundheit

Österreichs bekannteste Sexualmedizinerin Elia Bragagna gewährt einen in ihre Arbeit mit Frauen und Paaren.

Hormone sind Kommunikatoren unseres Körpers – vergleichbar mit den Nerven. Sie interagieren jedoch nicht über Bahnen, sondern werden über den Blutkreislauf zu den Organen befördert. Ist dieses Vernetzungssystem gestört kann das gesamte System zusammenbrechen. Gewichtsprobleme, Haarausfall, hoher Cholesterinspiegel, hoher Blutdruck, trockene Haut und schmerzhafte Gelenke können unter anderem die Folge sein. Grundsätzlich gilt: Wer sich wohl fühlt und keine körperlichen oder psychischen Beschwerden hat, kann davon ausgehen eine gute, ausgeglichene Hormonbalance zu besitzen. Im Laufe des Lebens einer Frau verändert sich der Hormonhaushalt, was mitunter zu kurzzeitigen Störungen führen kann. 

In der Pubertät wird zum Beispiel ein ungewöhnlich hoher Anteil männlicher Hormone – sogenannte Androgene - produziert, die mitunter für unreine Haut, intensive Behaarung und Haarausfall verantwortlich sind. Im normalen physiologischen Bereich bewirken Androgene, zu denen auch Testosteron zählt, jedoch sehr viel Positives. Sie sind wichtig für das Empfinden der Libido und stärken das Fett- und Bindegewebe, womit sie einen wichtigen Faktor in der Bekämpfung von Cellulitis darstellen. Bei einem Ungleichgewicht des Hormonhaushaltes mit pathologischen Folgen können grundsätzlich zwei Wege eingeschlagen werden: Der Gynäkologe verordnet ein exogen zugeführtes Hormonpräparat oder die Patientin wirkt selbst auf das Missverhältnis ein. Der Verzicht auf Alkohol und sportliche Aktivität führt beispielsweise zu einem Anstieg männlicher Hormone. Ein Zu-Wenig an Schilddrüsenhormonen, die auf Herz und Kreislauf wirken, kann durch Iod angeregt werden. Das Schwangerschaftshormon Progesteron ist dafür verantwortlich die Fortpflanzung zu sichern, die Spannkraft der Haut zu erhalten, wirkt gesundheitsstimulierend und ist vor allem wichtig für Gehirn und Psyche.

Im Alter zwischen 20 und 40 Jahren kann ein Mangel an Progesteron auftreten, der zu Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Wassereinlagerungen führt. Ein Abfallen dieses Hormons kann durch den Verzehr der Yams-Wurzel ausgeglichen werden. In der Menopause kommt es zu einer Verminderung des weiblichen Sexualhormons Östrogen. Durch den rapiden Abfall klagen Frauen in dieser Phase oft über Hitzewallungen, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Ein fortwährender Mangel dieses Hormons führt zu einer verlangsamten Hautregeneration, dem Abfall der Gedächtnisleistung oder auch einem verminderten Stoffwechsel. Auch in diesem Fall können Patientinnen selbst durch den Konsum von Soja oder Rotklee sowie vorwiegend basischer Ernährung entgegensteuern.

 

“Die Diva schämt sich nicht, verkriecht sich nicht und liegt auch nicht einfach da und lässt den Sex mit sich geschehen.

Sie ist würdevoll!”

 

Da das weibliche Sexualhormon auch der wichtigste Faktor in der Erhaltung der Knochenmineralisation sowie der Knochenmasse ist, kann es vor allem in den Wechseljahren, wenn der Hormonschutz nachlässt und das Östrogen im Knochen abnimmt, zu Osteoporose kommen. Das passiert in etwa jeder dritten Frau in den ersten zehn Jahren nach der Menopause. In solch einem Fall kann eine Hormontherapie zu Linderung führen. Hormone spielen demnach eine wesentliche, oft jedoch wenig bekannte Rolle für das Wohlbefinden. Der Gesprächspartner der Wahl sollte bei hormonellem Ungleichgewicht somit immer der Gynäkologe sein.