Sechseinhalb Jahre. So lange erlebt die Westeuropäerin ihre Wechseljahre. Mediziner nennen sie „Klimakterium“, das griechische „klimaktér“ bedeutet so viel wie „kritischer Zeitpunkt im Leben“ oder „Stufenleiter“. Landläufig hießen die Wechseljahre deshalb lange Zeit auch „Stufenjahre“. Sie meinen die Lebensphase der Frau, in der ihre Fruchtbarkeit endet, also die letzte spontane Regelblutung (Menstruation) infolge eines Eisprungs stattfindet. Gewöhnlich ist das zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr, im Schnitt im Alter von 50 Jahren.

… und plötzlich sind sie da!

Erstes Anzeichen für die nahenden Wechseljahre ist Nachtschweiß. Häufig schwitzt die Frau nachts am Dekolleté oder am Rücken. Hat sie sich an die Regelmäßigkeit durchschwitzter Nachtwäsche gerade gewöhnt, schaltet der Körper eine Stufe höher: Plötzliche Hitzewallungen suchen die Frau fortan auch tagsüber heim. Sie starten oft mit einem Kribbeln auf dem Kopf, gefolgt von einer fiebrig heißen Stirn und einem Schweißausbruch.

Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei – doch leider kommt er wieder, regelmäßig, Tag und Nacht. Die Hitzewallungen sind aber längst nicht alles, was die Wechseljahre der Frau an Nebenwirkungen bringen können: Haarausfall bei gleichzeitigem Haarwuchs im Gesicht, Gewichtszunahme, Hautalterung und Pickel gehören oft auch dazu. Nebenwirkungen, auf die eine Frau, die mitten im Leben steht, gut und gerne verzichten kann, und Nebenwirkungen, die die Befindlichkeit der Frau spürbar beeinträchtigen.

Angesichts dieser Zeichen der Wechseljahre, die zugleich erste sichtbare Zeichen des Alterns sind, empfindet sich so manche Frau weniger schön und begehrenswert, was sie auch ihr Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen verändern lässt. Viele Frauen sehnen sich in den Wechseljahren laut neuester Erkenntnisse zwar nach Zärtlichkeit und einem erfüllten Sexualleben, doch so manche Frau wird dabei auch lustloser.

Schwankender Hormonhaushalt lässt die Seele taumeln

Ursache der Wechseljahre ist eine Umstellung des hormonellen Haushalts. Östrogenmangel und -überfluss wechseln sich ab, entsprechend bekommt das männliche Hormon Testosteron mal mehr, mal weniger Einfluss – auch auf die Sexualität. Die infolge der Wechseljahre oft trockeneren Schleimhäute brauchen für schmerzfreien Sex ein reizvolles Vorspiel, um ausreichend feucht zu werden. Andernfalls drohen ernsthafte Verletzungen. Das heißt, guter Sex braucht von nun an Zeit – eine Sache, die aber sicher nicht nur die Frau ausgiebig genießen kann.

Ähnlich wie in der Pubertät oder Schwangerschaft taumelt die Frau in den Wechseljahren von einem Gefühlshoch in ein Tal der Tränen und das innerhalb von Sekunden. Schon ein schräger Blick, ein unbedachtes Wort können der Auslöser für den plötzlichen Sinneswandel sein. Doch zum Glück hat frau inzwischen 30 bis 40 Jahre Lebenserfahrung im Gepäck und kann mit dem Seelentaumel anders als in der Pubertät umgehen.

Bei Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Und jede Frau, die in ihren Wechseljahren von allzu argen Nebenwirkungen gebeutelt wird, kann diese gezielt mildern. Eine individuell zugeschnittene moderne Hormonersatztherapie (HET) führt dem Körper Hormone zu, die er selbst nicht mehr in vollem Umfang produziert. Wobei die Faustregel gilt: So wenige Hormone wie möglich und so viele wie nötig zu ersetzen. Hormone gibt’s als Tablette, Gel, Creme, Zäpfchen, Pflaster, Spray oder Spritze.

Wer stattdessen auf die Kraft von Kräutern und das seit Jahrhunderten bewährte Wissen der Frauenheilkunde setzen will, findet zum Beispiel pflanzliche Präparate mit Mönchspfeffer (Agnus castus) und Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), die Phytohormone enthalten, die den weiblichen Hormonhaushalt regulieren helfen. Wichtig: Der Einsatz jeder Therapie – schulmedizinisch wie heilpraktisch - sollte ärztlich abgeklärt sein!

Der Abschied ist ein Neubeginn!

Wer die Wechseljahre fürchtet, gesteht ihnen großen Einfluss auf Körper und Seele zu. Und erlebt sie infolgedessen womöglich als leidvolle Jahre. Schade um die Lebenszeit! Statt Furcht und Widerstand hilft hier eine Willkommenskultur. Begrüßen Sie Ihre Wechseljahre als das, was sie sind: der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, der Ihnen neue Freiheiten, neue Gefühle und neue Erkenntnisse über sich und die Welt bringt.

Verabschieden Sie sich auf Ihre Weise von den fruchtbaren Jahren, seien sie für diese dankbar (Tränen sind erlaubt!) und freuen Sie sich auf die Zeit, die jetzt kommt! Machen Sie sich bewusst, dass Sie und Ihre Wechseljahre Teil eines einzigartigen Wunders sind, das nur die menschliche Spezies in dieser Form erlebt und das es seinesgleichen in der Tierwelt nicht hat.