Dr. Sabine Schwarz
Dermatologin, Medizinisches Hautzentrum Wien

Wer kennt das nicht? Da war man jahrelang stolz auf seine schöne Frisur, dann kamen die berühmten Geheimratsecken und eines Tages realisiert der adoleszente Mann: Hoppla, ich bekomme eine Glatze.

Was unangenehm und hart sein kann ist aber kein Anzeichen für einen körperlichen Mangel, erklärt die Haut- und Haarspezialistin Sabine Schwarz. Als ärztliche Leiterin eines medizinischen Hautzentrums ist sie mit der Problematik bestens vertraut.

„Es kann durchaus sein, dass ein Mann als Kind noch einen Lockenkopf Marke Barockengerl hat, nach der Pubertät aber vollkommen glatte Haare hat.“

 

 

Ursache zumeist genetisch

Haarausfall bei Männern ist in 80 Prozent der Fällen vererbt, also genetisch definiert. Dieser beginnt normalerweise in der Pubertät, hat verschiedene Phasen und Schübe, kommt aber in den meisten Fällen früher oder später zum Erliegen. Dabei geht er nach dem typischen Muster: Zuerst die „Geheimratsecken“ bei den Schläfen, dann die Tonsur – diese beiden Lichtungen „wachsen“ dann oft noch zusammen. Der Weg dorthin ist auch immer derselbe: Zuerst werden die Haare dünner, dann weniger.

Lichte Stellen treten überall dort auf, wo der Mann Hormonrezeptoren an den Haarwurzeln hat. Diese sind am Großteil des Kopfes vorhanden. „Einzelne Streifen wie etwa jener oberhalb des Genicks zwischen den Ohren haben aber keine solchen Rezeptoren, deshalb fallen dort keine Haare aus“, erklärt Schwarz. 

Die genetische Ursache für Haarausfall heißt Testosteron. Wissenschaftlich ist es noch nicht völlig geklärt, ob für den Haarausfall ein erhöhter Testosteronspiegel verantwortlich ist, oder ob betroffene Männer besonders empfindliche Haarwurzeln haben. In vielen Studien ist aber aufgefallen, erzählt Schwarz, dass Männer mit höherem Testosteronspiegel tendenziell öfter „Geheimratsecken“ bekommen. Sie weisen auch in vielen Fällen stärkere Körperbehaarung wie etwa stärkeren Bartwuchs auf.

 

Auch Frauen sind betroffen

Ist der Haarausfall nicht genetisch bedingt, müssen andere Gründe sondiert werden. „Da kann ein Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen genauso dahinterstecken wie eine Autoimmunerkrankung, massive Diät oder erhöhter Stress“, zählt Schwarz einige der Gründe auf. 

Stress ist allerdings ein Thema, das Männer und Frauen gleichermaßen betrifft. Stress führt bei beiden Geschlechtern in weiterer Folge zu erhöhter Testosteronproduktion. Frauen sind etwa bis zum 40. Lebensjahr hormonell vor Haarausfall geschützt, dann aber ebenso gefährdet. „Vor allem bei Frauen ist therapeutisch sehr viel machbar“, betont Schwarz. In das komplexe Hormongeschehen der Frauen ist es in dieser Phase einfacher, verändernd einzugreifen. Das ist auch gut so, denn „Männer wie Frauen leiden oft psychisch sehr unter Haarausfall. Daher ist es gut, dass mittlerweile schon sehr viel getan werden kann“.