Univ.-Prof. Dr. Christian Egarter
Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Medizinischen Universität Wien

Wie kommt es zu den Hormonstörungen in den Wechseljahren?

Etwa ab dem 45. Lebensjahr kommt es zu einer zunächst leichten, später immer gravierenderen Einschränkung der Hormonproduktion der Eierstöcke. In dieser Zeit bleibt der Eisprung zunehmend aus, was zu einer Verminderung der Gelbkörperhormonproduktion führt. Später kommt es dann auch zur Verminderung der Östrogenproduktion und wiederum meist einige Jahre später zu einer Einschränkung der Produktion von Adrogen, dem männlichen Hormon.

Welche Symptome begleiten diese Veränderungen in der Hormonproduktion?

In jeder dieser Phasen kommt es zu einer Reihe von sekundären Pro-blemen. Durch das Ausbleiben des Gelbkörperhormons treten östrogendominante Symptome auf: Betroffene fühlen sich eher aufgebläht, die Brüste spannen und es kommt zu Wassereinlagerungen in der Haut. Der später einsetzende Östrogenmangel wird von Symptomen wie Hitzewallungen, Nachtschweiß oder Schlafstörungen begleitet. Wenn in der letzten Phase der Wechseljahre dann die Androgenproduktion eingestellt wird, zeigt sich das durch eine Libidoverminderung und Störungen im Sexualbereich.

Da Östrogene und Gelbkörperhormone nicht nur die Durchblutung der Gefäßwände des Gehirns, sondern selbst im Rahmen von Stoffwechselvorgängen im Gehirn entsprechende Auswirkungen haben, kann es eben bei Hormonmangel auch zur Beeinträchtigung der Gehirnaktivitäten kommen; auch depressive Phasen, Leistungsabfall oder verminderte Merkfähigkeit können daraus resultieren.

Alle Frauen durchlaufen diese Veränderungen. Während ein Drittel von ihnen kaum etwas davon bemerkt, spürt ein weiteres Drittel diese Symptome deutlicher. Das letzte Drittel der Frauen leidet extrem unter den auftretenden Wechseljahrerscheinungen.

Wie lassen sich diese Hormonstörungen der Wechseljahre behandeln?

In den 90er-Jahren war es geradezu Pflicht, bei Wechselbeschwerden eine großzügige Hormonersatztherapie anzubieten. Man ging zudem davon aus, dass dadurch auch eine Prophylaxe von kardiovaskulären Ereignissen wie einem Herzinfarkt geleistet werden kann, denn Östrogen vermindert die Verkalkung der Arterienwände. Durch mehrere groß angelegte, sehr umfangreiche Studien hat man dann erkannt, dass nur bei Frauen, die unmittelbar nach Aussetzen der körpereigenen Hormonproduktion mit der Hormonersatztherapie beginnen, diese prophylaktische Wirkung erreicht wird. Gleichzeitig ergaben diese Studien auch, dass es beim Einsatz von kombinierten Hormonersatztherapien (Östrogenen und synthetischen Gelbkörperhormonen) zu einer leichten Erhöhung des Risikos für Brustkrebs kommt. Diese Studien haben zu einer negativen medialen Berichterstattung und zu einem dramatischen Einbruch der Hormonersatztherapie geführt. Heutzutage wird diese Therapie durchaus differenzierter gesehen.

Wie ist denn der heutige Stand der Therapie?

Wir sehen immer wieder Frauen, die ganz massiv durch den Hormon-ausfall beeinträchtigt werden und die allein zur Verbesserung ihrer Lebensqualität einer entsprechenden Therapie bedürfen. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass eine niedrig dosierte und kontrollierte Hormonersatztherapie für solche Fälle absolut günstige Auswirkungen hat. Darüber hinaus wird es in Zukunft auch Hormonkombinationen geben, die insbesondere die Vorteile der früheren Kombinationstherapie aufweisen, aber nicht deren Nachteile, wie etwa das erhöhte Brustkrebsrisiko.