Univ.Doz. Dr. Günter Primus, F.E.B.U.

Universitätsklinik für Urologie, Medizinische Universität Graz

Harnwegsinfekte bei der Frau sind aufgrund der anatomischen Situation mit kurzer Harnröhre und geringer Distanz zu Scheide und Anus häufig. An einem Harnwegsinfekt erkranken innerhalb eines Jahres 10 % der jungen Frauen, im Pensionsalter 20 % und im Pflegeheim über 60 %.

Bei den über 60-jährigen Frauen wird die Häufigkeit wiederkehrender Harnwegsinfekte auf 10-15 % geschätzt.

 

Symptomatik von Harnwegsinfekten

Die Symptome für eine Blasenentzündung sind relativ typisch. Diese beginnen oft plötzlich, manchmal kurze Zeit nach einer Unterkühlung mit häufigem Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, Blasenkrämpfen und kleinen Harnmengen. Ungefähr 80 % der Harnwegsinfektionen werden durch E.coli, einem Darmkeim, verursacht.

Es ist sinnvoll, einen Harnwegsinfekt des unteren Harntrakts (=Blasenentzündung) von einem Harnwegsinfekt des oberen Harntrakts (=Nierenbeckenentzündung) zu unterscheiden.

Bei Frauen vor dem Wechsel ist häufiger Geschlechtsverkehr der stärkste Risikofaktor für wiederkehrende Harnwegsinfekte, gefolgt von häufigem Partnerwechsel und Spermizidgebrauch.

Fördernde Faktoren für die Entstehung eines Harnwegsinfektes sind Störungen des Scheidenmilieus (Hygiene, orale Kontrazeptiva, postmenopausale Veränderungen), sexuelle Aktivität, geringe Trinkmenge.

 

Blasenentzündungen diagnostizieren

Der Goldstandard zur Diagnose eines Harnwegsinfektes ist bei entsprechender Anamnese und typischen Beschwerden die Harnuntersuchung.

Harnteststreifen gehören zu den am häufigsten eingesetzten diagnostischen Instrumenten bei klinischem Verdacht auf einen Harnwegsinfekt. Zumeist setzt man Teststreifen ein, mit denen unter anderem Nitrit (Stoffwechselprodukt typischer Harnwegserreger), weiße Blutkörperchen, Eiweiß und Blut als Entzündungsmarker nachgewiesen werden können. Streifentests sind kostengünstig und genügen meist, um eine Blasenentzündung festzustellen.

 

Vorbeugung vor Infektionen der Harnwege

Da die häufigsten Erreger von Harnwegsinfektionen Darmbakterien sind, ergibt sich logisch die Bedeutung von Analhygiene (Vermeiden der ‚ falschen Wischrichtung‘).

 

Behandlung von Harnwegsinfekten

Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen kann die vorbeugende Einnahme einer kleinen Dosis eines Antibiotikums nach dem Geschlechtsverkehr sinnvoll sein. Eine Blasenentzündung wird zwar nicht durch Kälte hervorgerufen, eine Unterkühlung kann allerdings eine Blasenentzündung begünstigen. Zumindest geben manche Frauen an, bei kalten Füßen häufiger eine Blasenentzündung zu entwickeln. Grundsätzlich gilt es, Nierengegend und Unterleib nicht unnötig Kälte und Nässe auszusetzen.

Schon bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung sollte man möglichst viel trinken – zwei bis drei Liter am Tag –, um Keime aus der Blase zu spülen und so die Entzündung vielleicht noch abzuwenden. Empfehlenswert sind auch Kräutertees und sogenannte Blasen- oder Nierentees, z.B.  Bärentraubenblättertee. Solche Tees haben zwar keine direkte heilende Wirkung, helfen aber beim Ausspülen der Keime.  Wirksam können Cranberry-Kapseln oder –Saft sein, um das Festsetzen von Keimen in der Blase zu verhindern. Auch die altbewährte Wärmflasche auf dem Bauch hilft die Immunabwehr zu stärken.