Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer
Professorin für Gendermedizin, Stv. Leiterin der KIM III, Medizinische Universität Wien

Frauen leben in Österreich im Mittel um 5 bis 6 Jahre länger als Männer. Trotz der höheren Lebenserwartung schneiden Frauen aber, wenn es um die empfundene Lebensqualität und die gesunden Lebensjahre geht, schlechter ab als die Männer. Und in Österreich dabei sogar noch schlechter als im europäische Durchschnitt!

Das schlechtere Ergebnis von Frauen im Vergleich zu Männern liegt vor allem an chronischen Leiden, Volkskrankheiten, Schmerzzuständen, Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Sowohl die Unterschiede in der Lebenserwartung als auch die der gesunden Lebensjahre dürften zu einem größeren Anteil  durch soziale als biologische Ursachen erklärbar sein.

 

Gesellschaftlicher Wandel und veränderte Lebensstile

So sind der fortschreitende gesellschaftliche Wandel und die zunehmende Berufsdiversifizierung von Frauen auch mit Veränderungen im Lebensstil, im Gesundheitsverhalten und verschiedenen gesundheitlichen Risiken verbunden. Während Rauchen früher Männerdomäne war, rauchen zunehmend sehr junge Frauen, Österreich liegt hier sogar leider im Spitzenfeld.

Frauen rauchen auch häufig bei Stress und zur Gewichtskontrolle. Sie gefährden ihre Gesundheit durch Rauchen besonders stark: Chronische Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs nehmen bei Frauen stark zu, während bei Männern ein deutlicher Rückgang beobachtet wird, tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind trotz verbesserter medizinischer, diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten bei Frauen weniger stark rückläufig als bei Männern.

 

Frauen sind durch Rauchen besonders gefährdet

Rauchen verstärkt weiters das Osteoporoserisiko und erhöht das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, aber auch das Diabetesrisiko. Rauchen in der Schwangerschaft kann durch epigenetische Veränderungen außerdem bereits die Gesundheit der Nachkommen im späteren Leben ungünstig beeinflussen. Auch steigt die Zahl der Frauen, die alkoholsuchtgefährdet sind, an und Alkohol ist ebenso wie Rauchen bei Frauen schon bei geringeren Dosen mit noch größeren gesundheitlichen Schäden als bei Männern verbunden.

 

„Es ist wichtig, dass sich Frauen ihrer eigenen gesundheitlichen Gefahren verstärkt bewusst werden und sich für sich selbst mehr Zeit nehmen.“

 

Symptome werden bei Frauen oft schlechter erkannt

Das Risiko für starkes Übergewicht und die Entwicklung von Bluthochdruck steigt bei Frauen ab der Lebensmitte besonders stark an und dies erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall sowie depressive Störungen. Nicht nur beim Herzinfarkt auch beim Schlaganfall werden bei Frauen die Symptome oft schlechter erkannt als bei Männern, was die Akutmaßnahmen verzögert und mit schlechteren Behandlungsergebnissen verbunden ist.

 

Doppelbelastung als häufigster Auslöser von Stress-Erkrankungen

Außerdem führt die Doppelbelastung durch Job und Familie bei Frauen zu einer Zunahme stressassoziierter Erkrankungen. Denn Kinderbetreuung, aber auch die Pflege alter Familienmitglieder, sind meist immer noch in den Familien zwischen den Partnern ungleich verteilt und zu Ungunsten der Frau. Alleinerzieherinnen sind dabei besonders gefährdet.

Es ist mittlerweile belegt, dass chronische Erkrankungen – die „stillen Killer“ – wie massives Übergewicht, hohe Blutwerte, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen besonders häufig mit psychischen Belastungen verbunden sind, und Frauen sich in der Stressempfindlichkeit und den Stressreaktionen von Männern deutlich unterscheiden.

 

Vorsorgeuntersuchung und Gesundheitsbewusstsein

Umso wichtiger ist es, dass Frauen nicht nur die „Gesundheits-Managerinnen“ der ganzen Familie sind, sondern sich auch  ihrer eigenen gesundheitlichen Gefahren verstärkt  bewusst werden und sich für sich selbst und ihre persönlichen Bedürfnisse mehr Zeit nehmen. Obwohl Frauen sich sehr für Gesundheitsthemen interessieren, nehmen vor allem Frauen 50 plus weniger an Vorsorgeuntersuchungen teil, obwohl gerade dann ihr Risiko für viele Krankheiten ansteigt, die durch präventive Maßnahmen verhinderbar oder im Frühstadium zumindest gut behandelbar sind.

Gesunde Mischkost, reich an Obst, Gemüse, Ballaststoffen und Nüssen, sowie regelmäßig ausreichend Bewegung (Ausdauer – und Krafttraining!), Normalgewicht, Nicht-Rauchen, Entspannung und Spaß mit der Familie oder im Freundeskreis und gelegentlich ein Glas Wein können viele Volkskrankheiten vermindern oder gar verhindern.