Univ. Prof. Dr. Christian Marth
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Herr Prof. Dr. Marth, wie steckt man sich mit dem HPV Virus an?

Der Hauptmechanismus der Ansteckung erfolgt über den Geschlechtsverkehr, leider stellt auch die Verwendung von Kondomen keinen ausreichenden Schutz vor einer HPV-Infektion dar, auch eine Ansteckung über den Geburtskanal ist bei HPV-infizierten Müttern, welche vaginal entbinden, möglich - der Hautkontakt reicht für eine Infektion.

Eine HPV-Infektion kann zu Feigwarzen, Krebsvorstufen sowie der Entstehung von Krebs führen, infizierte Patientinnen, welche bereits eine Operation am Gebärmutterhals hatten, haben ein vier mal höheres Risiko der Frühgeburtlichkeit.

Darüber hinaus kann eine Infektion mit HPV noch zahlreiche andere Tumore, wie z.B. Enddarmkrebs oder Kehlkopfkrebs, auslösen.

 

Welche Möglichkeiten der Prävention einer HPV-Infektion gibt es?

Leider gibt es keine wirksamen Möglichkeiten die HPV-Infektion zu verhindern,  einzig die Impfung  ist eine optimale Präventionsmaßnahme nicht mit dem  HP-Virus infiziert zu werden.

 

Für wen würden Sie die Impfung empfehlen?

Nachdem der Hauptübertragungsmechanismus der Geschlechtsverkehr ist, wäre es ideal, wenn man Mädchen und Buben bereits vor dem ersten Sexualkontakt impft. Rezente Daten belegen, dass dann die Effizienz am höchsten ist.  Im Vergleich zu anderen Infektionen kann man bei HPV auch nach Überwinden der Infektion mit demselben Virusstamm noch einmal infiziert werden. Aus diesem Grund macht die Impfung letztendlich immer dann Sinn, wenn noch das Risiko einer Ansteckung besteht.

 

Wie viele Spritzen benötigt man und wie sieht die Kostenerstattung in Österreich aus?

Durch nur drei Spritzen (zweite Spritze erfolgt nach 1-2 Monaten, die Dritte nach 6 Monaten), welche kein Risiko für die Patientin darstellen, könnte ein Großteil der Erkrankungsfälle mit Gebärmutterhalskrebs verhindert werden.

Leider ist Österreich das letzte europäische Land, welches die HPV Impfung nicht unterstützt, nachdem jahrelang  von öffentlicher Seite massiv dagegen opponiert wurde. Dies führte dazu, dass wir in Österreich eine Durchimpfungsrate von nur  2-3 % haben, wohingegen Ruanda zum Beispiel bereits eine Durchimpfungsrate von 90% aufweist. Generell gilt, dass die HPV-Impfung in Österreich privat zu zahlen ist,  eine Impfung  kostet etwa 150 €, wobei es in den  Bundesländern, Niederösterreich sowie Vorarlberg Modelle mit Unterstützung durch die Landesregierung gibt.

 

Wie sieht Ihre Zukunftsvision aus?

Ich wünsche mir eine Aufnahme der HPV-Impfung in die Schulimpfprogramme, denn nur dann erreichen wir eine ausreichende Durchimpfungsrate. Der Staat muss die Kosten schon heute für morgen ausgeben, da die Latenzzeit dieser Erkrankung  zwischen 15- 20 Jahren beträgt und die Effekte dadurch nicht sofort messbar sind.