Welche Beschwerden können bei Frauen nach dem Schwimmen auftreten?

Jucken und Brennen in der Scheide, häufiger Harndrang, Schmerzen beim Harnlassen oder Ausfluss mit verdächtiger Farbe und seltsamem Geruch – das sind nur einige der Beschwerden, die Frauen nach dem Schwimmen zu schaffen machen können.

Diese Beschwerden deuten auf eine Infektion der Scheide mit verschiedenen Erregern hin. Ein Problem, das in engem Zusammenhang mit einer gestörten Scheidenflora steht.

Was macht eine gesunde Scheidenflora aus?

Eine gesunde Scheidenflora ist keineswegs frei von Keimen. In der Scheidenflüssigkeit einer gesunden Frau sind pro Milliliter mindestens 100 Millionen Bakterien mit durchaus günstigen Eigenschaften nachweisbar. Vor allem die Milchsäure- oder Laktobakterien sorgen für ein ausgeglichenes Milieu.

Die Scheide ist wie ein Biotop, in dem Milchsäurebakterien wie Soldaten aufpassen, dass keine anderen Keime von außen das Gleichgewicht stören können. Eindringende Keime werden bereits im Eingangsbereich gehindert, über die Harnwege bis zur Blase aufzusteigen und dort schmerzhafte Entzündungen hervorzurufen.

Warum sind Bakterien für eine gesunde Scheidenflora wichtig?

Ihre große Anzahl ist wichtig, damit sie ein entsprechend saures Milieu im Intimbereich bereiten können. Sauer heißt, dass im Vaginalbereich ein deutlich niedrigerer pH-Wert (unter 4,5) als zum Beispiel auf der Haut (5,5) vorherrscht. Dieses saure Milieu entsteht, indem Bakterien den Zucker der Scheidenzellen in Milchsäure umwandeln. So entsteht ein effektiver Schutz vor fremden Keimen. Bei einer zu geringen Anzahl an Milchsäurebakterien haben eindringende Keime leichtes Spiel.

Welche Faktoren können die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen?

Chlor sorgt grundsätzlich dafür, dass Keime im Badewasser neutralisiert werden. Das Chlor im Badewasser kann aber auch den pH-Wert der Scheidenflora verändern und die Anzahl der nützlichen Milchsäurebakterien verringern. Dadurch kann die natürliche Abwehrkraft geschwächt werden. Erreger, wie etwa der Keim Candida albicans, können in solchen Fällen zu einer vaginalen Pilzinfektion führen.

Weiters kann die Scheidenflora durch eine vorangegangene Antibiotikatherapie ungünstig beeinflusst werden. Diese hoch wirksamen Medikamente bekämpfen nicht nur die Krankheitserreger, sondern schädigen auch die Laktobakterien. Außerdem kann eine übertriebene Intimhygiene mit aggressiven und desinfizierenden Substanzen die Vaginalflora beeinträchtigen.

Welche Tipps können Sie geben, um Irritationen der Scheidenflora zu vermeiden?

Nasse Badebekleidung möglichst rasch nach dem Schwimmen wechseln, um die Abwehrkräfte nicht unnötig zu schwächen. Was die Intimhygiene betrifft, rate ich nur den äußeren Bereich der Scheide mit lauwarmem Wasser zu reinigen. Auf Duschgels oder Intimsprays sollte man weitgehend verzichten.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, eine gesunde Scheidenflora aktiv zu unterstützen?

Laktobakterien können als Zäpfchen oder oral einzunehmende Kapseln, vor und nach dem Badevergnügen zugeführt werden. Während einer Antibiotikatherapie ist es möglich, die Scheidenflora mit Laktobakterien zu unterstützen und dementsprechend den Boden für die Erhaltung eines sauren Milieus zu bereiten.

Welche Vorteile haben Laktobakterien noch?

Laktobakterien besiedeln auch den Darm, der nicht nur für die Nahrungsverwertung, sondern auch für Abwehrkräfte zentral zuständig ist. Milliarden von Bakterien in einem ausgewogenen Gleichgewicht, darunter auch Milchsäurebakterien, sind für seine vielfältigen Aufgaben mitverantwortlich.

Gerät das Milieu der Darmflora aus der Balance, etwa durch falsche Ernährung, Stress oder Medikamente, kann sich das auch auf andere Bereiche des Organismus auswirken. Ein Ungleichgewicht der Darmflora kann somit die Scheidenflora betreffen. Mit der Zufuhr von Laktobakterien kann man daher mehrere sensible Biotope im Organismus unterstützen.