Sylvia S. Sedlak
Obfrau und Gründerin der Geburtsallianz Österreichs

Nach der Geburt gibt es die Möglichkeit, von einer erfahrenen Hebamme über mehrere Wochen begleitet zu werden.  Das bietet viele Vorteile, denn eine Hebamme ist Fachfrau für das Wochenbett, die Rückbildung der Gebärmutter, für das Stillen und hat ein offenes Ohr für die Nachbesprechung der Geburt. Wenn man bis zum 3.Tag nach der Geburt die Geburtsklinik verlässt, ist diese Leistung bei Kassenhebammen gratis.

Gerade die erste Zeit mit dem Neugeborenen wirft viele Fragen auf, man/frau fühlt sich vielleicht überfordert und braucht eine kompetente Ansprechperson. Die ersten Schritte rund ums Baden, Pflegen und Wickeln können so in entspannter Atmosphäre erlebt werden.

 

Stillen

Meist beginnt das Stillen von ganz alleine, wenn das Baby größtenteils bei der Mutter sein kann und nicht mit Zuckerlösung oder Ersatz-Pulvernahrung zugefüttert wird. Das erfolgreichste Modell ist das Stillen nach Bedarf, d.h. keine streng einzuhaltenden Zeiten, zu denen das Neugeborene an der Mutterbrust trinkt. Vielmehr darf es zu jeder Tages- und Nachtzeit Hunger und Durst an der Brust stillen.

Die Versorgung mit Muttermilch spielt sich aufgrund von Angebot und Nachfrage ganz von selbst ein. Nicht immer ist die Stillzeit problemlos, ziehen Sie in diesem Fall eine Stillberaterin oder Hebamme zu Rate (z.B. La Leche Liga, AFS, IBCLC). Kostenfreie Hebammen-Nachbetreuung ist eine empfehlenswerte Option, wenn man bis zum 3.Tag nach der Geburt die Klinik verlässt. Eine schnell wirksame Behandlung mit Softlaser hilft bei wunden Brustwarzen und frühzeitiges Abstillen wegen Schmerzen kann vermieden werden. Stillen bedeutet nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Nähe und Geborgenheit.

 

Eltern-Kind-Bindung

Eine sichere Bindung zwischen Baby und Eltern kann von Beginn an gefördert werden z.B. durch kontinuierliche, zugewandte Betreuung, Körpernähe, Stillen nach Bedarf und innigem Augenkontakt. Durch die Abhängigkeit ist das Kind voll und ganz auf die Erfüllung seiner Bedürfnisse durch die Bezugspersonen angewiesen. Je öfter das Kind erlebt, dass auf seine Rufe und Gefühlszustände sofort und in passender Weise reagiert wird, nämlich feinfühlig und wohlwollend, desto mehr wird das grundsätzliche Vertrauen in die Beziehung zu den Eltern gestärkt. Mit diesem Gefühl der Sicherheit, dass es emotional versorgt und verstanden wird, entwickelt sich Bindungs- und Beziehungsfähigkeit.

Leider wiederholen wir Erziehungsfehler unserer eigenen Eltern mit einer großen Wahrscheinlichkeit, wenn wir uns nicht mit unseren Kindheitserlebnissen und unbewussten Persönlichkeitsanteilen auseinandersetzen. Das von Bindungsforschern entwickelte SAFE-Programm (Sichere Ausbildung für Eltern) bietet hier eine wunderbare Möglichkeit, sich auf eigene Bedürfnisse und die des Babys zu fokussieren.

 

„Die beste Investition in Ihr Baby ist eine gute Geburt. Treffen Sie Vorkehrungen, indem Sie förderliche und hinderliche Faktoren beachten und kennen Sie Ihre Patientenrechte im Spital!“

 

Mein Kind schreit

Das Schreien eines Babys ist das äußerste Kommunikationsmittel, um sich bemerkbar zu machen. Schreien und Weinen sind jedes Mal ernst zu nehmen und Mutter und Vater sollten passend darauf reagieren (können). Das Baby richtig einzuschätzen ist nicht immer einfach und manchmal eine Zerreißprobe. Kompetente Eltern gehen der Ursache des Schreiens auf den Grund, sprechen mit dem Baby, verändern die Situation (Ort, Personen, Gerüche, Themen, Atmosphäre,…), de-eskalieren und holen sich Rat, bevor die eigene Grenze überschritten ist. Vor allem ist ihnen klar, dass eigene Aggressionen, aufgestaute Gefühle und nicht ausgesprochene Konflikte vom kleinen Wesen wahrgenommen und gespiegelt werden. Vor dem Schreien gibt das Baby Signale und ruft die Betreuungspersonen, um zu kommunizieren. Es liegt an uns Erwachsenen wirklich hinzusehen und sich ehrlich zu interessieren, was mir mein Baby mitteilen will.

Ein Bedürfnis, z.B. getragen zu werden oder mitten in der Gruppe dabei zu sein, meldet sich immer wieder, wenn es nicht erfüllt wird und endet dann im Schreien. Die regelmäßige Erfüllung grundlegender seelischer Bedürfnisse in der Babyzeit und Kindheit ist eine Basis für selbstbewusste, nicht leicht manipulierbare und psychisch gesunde Menschen. Die Investition an Zeit und Geduld in unser Baby rechnet sich vielfach, denn das Zusammenleben wird entspannter, liebevoller und weniger dramatisch. (Anmerkung der Autorin: Wenn das Schreien über längeren Zeitraum anhält, empfiehlt es sich, eine Schreiambulanz, einen Kinderarzt/in oder erfahrene Eltern zu befragen.)