Was sind überhaupt Myome und wo treten diese auf?

Myome sind Knötchen aus Muskelgewebe, die eigentlich bei allen muskulären Organen vorkommen können, aber hauptsächlich bei der Frau in der Gebärmutter auftreten. Myome finden sich etwa im Gebärmutterkörper, im Gebärmutterhals oder im Aufhängeapparat der Gebärmutter.

Aber auch unter der Schleimhaut, unter dem Bauchfellüberzug oder als Anhängsel an der Gebärmutter können Myome vorhanden sein. Im Aufbau sind Myome unterschiedlich, manche haben mehr Bindegewebe, manche mehr Muskelgewebe.

Welche Ursachen können Myomen zugrunde liegen?

Die Ursachen sind nicht gänzlich geklärt, aber man nimmt an, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Es wird außerdem vermutet, dass ein hormonelles Ungleichgewicht ursächlich ist. Dieser hormonelle Stimulus lässt die Muskelzellen einfach wachsen und dann zu Myomen werden.

Inwiefern verspüren Frauen Symptome?

Meist verspüren Frauen interessanterweise überhaupt keine Symptome! Es kann aber sein, dass die Architektur der Gebärmutter gestört wird und dadurch Blutungen auftreten, die verlängert, verstärkt und sogar schmerzhaft sein können. Frauen mit sehr großen Myomen verspüren eine Drucksymptomatik, etwa auf die Blase oder den Darm mit entsprechenden Entleerungsstörungen.

Es gibt aber zum Beispiel auch Frauen, die über Kreuzschmerzen klagen. Und schließlich können Myome auch mit Unfruchtbarkeit einhergehen, wenn das Myom so ungünstig  liegt, dass sich die befruchtete Eizelle nicht einnisten kann oder es zu Aborten und Frühgeburten kommt. Aber es gibt nicht DAS Symptom für DAS Myom. Jede Frau kann je nach individueller Situation und je nachdem, wo das Myom liegt, unterschiedliche Probleme haben – oder eben auch nicht.

Welche Folgen können die Blutungsprobleme haben?

Aufgrund der starken Blutungen kann es zu Anämie kommen. Viele Frauen mit Myomen haben einen Eisenmangel und dann dementsprechend die daraus resultierenden Symptome. Das können etwa Kopfweh, Müdigkeit, Haarverlust oder Schlafstörungen sein. Der Eisenmangel ist ein ganz massives Symptom bei Myomen!

Auf welche Behandlungsmöglichkeiten können Frauen mit Myomen zurückgreifen?

Bisher haben viele Frauen aufgrund der vorhandenen Symptomatik ihre Gebärmutter verloren. Wurde früher die Gebärmutter operativ entfernt, hat sich im Laufe der Zeit der Geist jedoch gewandelt und man hat begonnen, nur die geringstnötigen Operationen durchzuführen.

Man hat Frauen vielfach nur die Myome entfernt. Das war häufig gut, hat aber in manchen Fällen dazu geführt, dass neue Myome an anderen Stellen in der Gebärmutter entstanden sind. Denn wir wissen, dass Frauen mit Myomen wahrscheinlich auch andere Myomkeime in sich tragen.

Welche Therapiemöglichkeiten haben sich außerdem noch in den letzten Jahren eröffnet?

Es hat sich beispielsweise die Möglichkeit, Myome zu embolisieren, entwickelt. Das haben Radiologen gemacht, in dem in die zuführenden Gefäße unter Röntgensicht kleine Partikel injiziert wurden. Damit wurde die Nahrungsquelle verschlossen und Myome sind „verhungert“. Das war aber nur für Myome in einer bestimmten Lage und mit einer bestimmten Größe möglich.

Eine weitere Therapieoption ist, Myome mit Schallwellen zu zertrümmern, damit diese sich auflösen und anschließend über den Stoffwechsel abtransportiert werden. Auch das hat manchmal gut und manchmal weniger gut funktioniert. Meistens ist dies aber dann doch in Operationen ausgeartet. Seit einiger Zeit haben wir nun die Möglichkeit, eine medikamentöse Therapie anzubieten.

Wie sieht diese medikamentöse Therapieoption im Detail aus?

Bei dieser Option kommt ein sogenannter Progesteron-Rezeptor-Modulator zum Einsatz. Das ist kein Hormon, sondern ein Medikament, das die Wirkung des Hormons, in diesem Fall des Progesterons, an der Zelle verhindert oder unterstützt. Frauen, die aufgrund von Myomen Blutungsstörungen haben, hören innerhalb von fünf Tagen zu bluten auf.

Während der Medikamenteneinnahme, die pro Zyklus zwölf Wochen beträgt, bluten Frauen gar nicht. In der Zwischenzeit kann man das Blutbild aufpeppen und die Frauen fühlen sich wohler. Das Medikament wirkt bei einer großen Anzahl an Frauen. Es ist zwar nicht für alle Frauen geeignet, aber in 99 Prozent der Fälle ist das eine super Lösung!

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Bis vor kurzer Zeit durften wir diese medikamentöse Therapie nur einsetzen, wenn eine Operation in der Folge geplant war, um die Operationssituation zu verbessern. Als wir vor kurzer Zeit begonnen haben, weitere zwei bis drei Zyklen zu geben, haben wir festgestellt, dass sich die Myom-Last bei vielen Frauen verkleinert hat.

Das heißt, wenn man mit der medikamentösen Therapie aufgehört hat, war eine Operation mit all ihren Nebenwirkungen und Risiken plötzlich gar nicht mehr notwendig! Die meisten Frauen haben davon massivste Vorteile und sind glücklich!

Das ist ja eigentlich eine kleine Revolution, oder?

Es ist ein sehr revolutionäres Medikament und ein revolutionäres Denken in einem doch operativen Fach. Wir leben in einer Zeit, wo wir umdenken sollten! Das hat nicht nur einen unmittelbaren Vorteil für die Frauen, sondern auch einen ökonomischen Vorteil!

Welche Empfehlungen können Sie abschließend noch geben?

Ich würde jeder Frau, die mit Myomen Probleme hat, empfehlen, sich vom Gynäkologen ihrer Wahl über die Behandlungsmöglichkeiten beraten zu lassen. In der Zusammenschau aller Befunde und in einem gemeinsamen Gespräch kann man jede Frau so informieren, dass sie selbst entscheiden kann, was sie will. Wichtig ist, dass auf die Bedürfnisse der Frau eingegangen wird und nicht auf die Bedürfnisse eines potenziellen Operateurs. Die Lebensqualität ist immer zu fokussieren – das ist für mich ganz wichtig!