OA Dr. Wolfgang Müller
Facharzt für Chirurgie & Venenpraxis

Venenerkrankungen sind meist vererbt und altersabhängig. Sind beide Eltern betroffen, werden die Kinder zu 90 % ebenfalls Venenprobleme haben. „In gesunden Beinvenen unterstützen die sich öffnenden und schließenden Venenklappen den Transport des Blutes zum Herzen. Das Herz pumpt das Blut über die Arterien in das Bein. Demgegenüber sind die Venen jene Gefäße, in denen das Blut wieder zum Herzen zurück fließt. Dabei werden die Venen durch Klappen unterstützt, die bewirken, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann.“ erklärt Dr. Müller.

Bei einer Venenerkrankung kommt es zur Ausweitung der Venen (Krampfadern) mit Auftreten einer Klappenschwäche.  Diese verursacht krankhafte Blutflüsse in den Venen, die den Druck im Bein und auf das Gewebe erhöhen.

Venenerkrankungen führen einerseits zu Beschwerden in den Beinen: Schmerzen,  Spannungsgefühl, schwere und müde Beine, Schwellungen der Beine. Andererseits treten Veränderungen an den Beinen auf: Krampfadern und Besenreiser. In fortgeschrittenen Stadien kommt es zu bräunliche Verfärbungen, Verhärtungen bis hin zum offenen Bein (=Ulcus cruris).

„Wichtig ist, dass medizinisch bedeutsame Klappenschwächen rechtzeitig behandelt werden“, ergänzt Dr. Müller.

 

Nicht jede Behandlungsmethode ist für jeden gleich gut geeignet

Wie beseitigt man nun jedoch dieses lästige Übel, wenn es sich erst einmal gebildet hat? „Eine ausführliche Duplexsonografie ist die Grundlage für die Diagnose und Behandlung von Venenerkrankungen“, sagt Dr. Müller. Dabei werden die Venen mit Hilfe von Ultraschall untersucht, erkrankte Venenklappen und Fehlflüsse werden sofort erkannt. Eine völlig harmlose, schmerzfreie Untersuchung, mittels der die optimale Therapie gewählt werden kann. Das Venenröntgen hingegen kann mit Nebenwirkungen behaftet sein und ist nicht mehr state of the art.

Dr. Müller nennt drei prinzipielle Therapieansätze: Venen entfernen, Venen verschließen, Venen erhalten. Das Entfernen einer Vene ist ein chirurgischer Eingriff, wie z.B. die Strippingoperation. Dabei entfernt man die erkrankte Vene, Fehlflüsse finden nicht mehr statt und die gesunden Venen werden entlastet.

Eine moderne Alternative zur klassischen Venenoperation ist in vielen Fällen das Verschließen der Vene mit Laser oder Radiowelle (VNUS Closure Fast). Venen können auch durch Mikroschaum chemisch verschlossen werden (Schaumverödung). In diesen Fällen verbleibt die verschlossene Vene im Körper und wird abgebaut.

In ausgewählten Fällen besteht auch die Möglichkeit, die Vene zu erhalten, da auch in erkrankten Venen gesunde Blutflüsse ablaufen können (CHIVA Methode).

„Eine beste Behandlungsmethode gibt es nicht – sie ist individuell für jeden Patienten verschieden. Häufig ist es auch sinnvoll, unterschiedliche Methoden zu kombinieren, um das optimale Ergebnis zu erzielen“, betont Dr. Müller. Daher gehört die Behandlung von Krampfadern in die Hand erfahrener Spezialisten, die Diagnostik mittels Ultraschall selbst durchführen und mehrere Methoden beherrschen.

 

Venengesunde Lebensweise

Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung schützt vor Venenproblemen. Sowohl in der Arbeit als auch in der Freizeit sollte jede Gelegenheit zur Bewegung genützt werden. Benützen sie die Treppe anstelle des Aufzugs, strecken Sie Ihre Beine oft aus und lagern Sie diese hoch, so oft es möglich ist. Vermeiden sie enge Kleidung. Ausgewogene ballaststoffreiche Kost und das Verhindern von Übergewicht fördern ebenfalls die Venengesundheit.