Univ. Prof. Dr. Ludwig Wildt
Direktor der Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie u. Reproduktionsmedizin Innsbruck

Das „Ja“ zu einem gemeinsamen Kind ist ein klarer Ausdruck von tiefer Zuneigung und Vertrauen zwischen zwei Menschen.

Die Entscheidung schwanger zu werden wird heutzutage häufig bewusst getroffen und beginnt mit dem Verzicht auf Verhütungsmittel. Man kann davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit in einem Zyklus schwanger zu werden ca. 30 % beträgt. Dies gilt allerdings nur für jüngere Paare. Der Entschluss, ein Kind zu bekommen, wird aber heute oft erst nach dem 30. Lebensjahr gefasst, so dass sich ein gewisser zeitlicher Druck aufbaut. Deshalb wird empfohlen, spätestens nach 12 Monaten ohne Verhütung und ohne Eintritt einer Schwangerschaft ärztliche Beratung – am besten bei einer/einem auf Kinderwunsch spezialisierten Frauenärztin/Frauenarzt - in Anspruch zu nehmen. 

Der unerfüllte Kinderwunsch betrifft in Österreich und Mitteleuropa ca. 15 % aller Paare mit anscheinend zunehmender Tendenz. In etwa einem Drittel liegen die Ursachen alleine bei der Frau, in einem Drittel alleine beim Mann und in einem weiteren Drittel lassen sich bei beiden Partnern Ursachen feststellen. Die Zunahme der ungewollten Kinderlosigkeit ist u.a. auf das höhere Alter, in dem der Kinderwunsch realisiert werden soll, auf die in diesem Zeitraum erworbenen Funktionsstörungen und auf die generell mit dem Alter abnehmende Fertilität zurück zu führen. Ungewollte Kinderlosigkeit bedeutet für ein Paar eine schwere seelische und soziale Belastung, die mit der Dauer des unerfüllten  Kinderwunsches zu einem erheblichen Leidensdruck führt. 

Die moderne Fortpflanzungsmedizin hat in den letzten 40 Jahren zahlreiche diagnostische und therapeutische Verfahren entwickelt, mit denen die Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches abgeklärt werden können und eine auf die Ursache abgestimmte Therapie eingeleitet werden kann. 

Das bessere Verständnis der bei der Fortpflanzung ablaufenden Vorgänge und die Mechanismen der Störungen dieser Funktion (PCO-Syndrom, Endometriose u.a.) haben dazu entscheiden beigetragen. Weiterhin gehören  auf Seiten der Diagnostik die Verwendung des Ultraschalls, der Laparoskopie und die verfeinerten und hoch empfindlichen Methoden der Hormonbestimmungen dazu. Auf Seiten der Therapie sind hier die Stimulation mit hochgereinigten bzw. biosynthetisch hergestellten Hormonpräparaten sowie die in vitro Fertilisierung zu nennen. Vor allem die in vitro Fertilisierung hat seit dem ersten erfolgreichen Versuch 1978 eine stürmische Entwicklung genommen, die sich augenfällig in den steigenden Erfolgsraten widerspiegelt. Dazu haben nicht zuletzt die Verbesserung der Laboratoriumsverfahren, der Embryo- u. Blastocystenkultur und die Verfeinerung der dabei verwendeten Techniken beigetragen. 

 

„Der Entschluss, ein Kind zu bekommen, wird aber heute oft erst nach dem 30. Lebensjahr gefasst.“

 

Die Behandlung des Paares mit unerfülltem Kinderwunsch muss auf die jeweils vorliegende Ursache abgestimmt sein und die zugrunde liegende Störung sowie die soziale und psychische Situation des Paares berücksichtigen. 

In der Sterilitätsbehandlung gilt – wie auch sonst in der Medizin - „so viel wie nötig und so wenig wie möglich“.

Ist dann eine Schwangerschaft entweder spontan oder nach Behandlung eingetreten, ergeben sich für das Paar weitere wichtige Fragen: wird die Schwangerschaft normal weiter verlaufen, ist das Kind gesund, wie wird sich mein Sexualleben verändern, wie soll ich mich ernähren, auf welche Freizeitaktivitäten muss ich unter Umständen verzichten, wie kann ich mich auf die Geburt vorbereiten, was ist gut für mich und mein Kind und vieles andere mehr. 

Diese Ausgabe soll Lesern/innen, die einen Kinderwunsch haben und denen die bereits schwanger sind, als Guideline und Ratgeber dienen.