Prof. Petersen
Facharzt für Frauenheilkunde und Infektiologie in Freiburg und Autor des Standardwerks „Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe“

Die Vagina an sich ist kräftig und widerstandsfähig, empfindlich ist die Haut jedoch im Introitusbereich (Scheideneingangsbereich), den man mit Pflegemaßnahmen leicht erreichen kann. Die tägliche Pflege zur Vorbeugung zahlreicher Beschwerden sollte so normal wie Zähneputzen sein. Dafür muss zu allererst der Genital- und Analbereich aus dem gesellschaftlichen Tabu herausgeholt werden.

 

Gesunde Haut im Intimbereich ist wichtig und beugt Infektionen vor

Über den Intimbereich sollte man sprechen können wie über einen anderen Teil des Körpers, der Pflege verdient. Die Haut des gesamten Genitalbereichs einschließlich Blasenausgang und Darmausgang wird mechanisch strapaziert durch äußere Einflüsse wie Abtupfen nach dem Wasserlassen, Reinigen nach dem Stuhlgang, sowie beim Geschlechtsverkehr.

Mikroorganismen des eigenen Körpers besiedeln gerne diese meist feuchte und warme Gegend. Weiters kommen Keime des Partners hinzu. Beschädigte Hautoberfläche erleichtert das Eindringen von Mikroorganismen und damit Infektionen. Pilze, Herpesviren und Papillomviren (HPV) verbreiten sich also am besten, wenn die Haut im Intimbereich instabil und bereits irritiert ist.

 

Die richtige Intimpflege

„Durch Hautpflege mit Fettprodukten wird die oberste Hautschicht, die Hornschicht, geglättet und elastischer. Mein bester Rat ist das Fetten der Haut vor jeder mechanischen Belastung, d.h. vor dem Stuhlgang, vor dem Wasserlassen und vor dem Geschlechtsverkehr“, rät Prof. Dr. Eiko Petersen nicht nur seinen Patientinnen, die schon über Probleme klagen.

Regelmäßiges, tägliches Einfetten der Haut rund um den Scheideneingang bis hin zum Anus ist für die Pflege unerlässlich. Es unterstützt die natürliche Hautfettung durch die Talgdrüsen, die durch zu vieles Waschen oft vermindert ist. So können Hautschäden durch die tägliche Belastung vermindert bis vermieden werden. Es bleiben weniger Bakterien auf der Haut rund um den Anus haften und Eintrittspforten werden vermieden. Der Weg von dort in die Scheide ist kurz, wo sie die Flora nachhaltig beschädigen und so zu weiteren Problemen wie vermehrte Blasenentzündungen und aufsteigende Infektionen führen können. 

 

Gut gemeint und trotzdem...

Ein weiterer Tipp des Experten ist, häufiges und zu energisches Abtupfen und der Gebrauch von Feuchttüchern nach dem Wasserlassen zu vermeiden, da es sonst zu Epithelschäden kommen kann. Durch das schon erwähnte vorher Fetten der Haut durch speziell dafür entwickelte Produkte kann dies vermieden werden. Ein Blick aus der Praxis zeigt: gerade die „sauberen“ und auf Hygiene bedachten Frauen, die sich mehrmals täglich der Pflege widmen, haben vermehrt Probleme im Intimbereich. Diese Beschwerden, die aus der Beschädigung der Haut resultieren, können vermieden werden! Die vielfach angepriesene Benutzung von Vaginalduschen, Intimsprays und anderen Cremen ist hier kontraproduktiv. Vorallem von Cremes im Anogenitalbereich ist abzuraten.

„Creme ist Öl in Wasser. Hierfür sind Emulgatoren notwendig, die nicht immer vertragen werden. Auch bedeutet Wasser in einer Creme immer das Risiko eines Bakterienwachstums“, so Eiko Petersen. Pilze kommen häufig beim Menschen vor. 20-40% der Menschen sind damit besiedelt. Problematisch wird beispielsweise Candida albicans erst dann, wenn er Entzündungen auslöst. Leider kommt es vor, dass der Pilz erfolgreich behandelt werden kann und nicht mehr nachweisbar ist, die Patientinnen jedoch noch immer ein Brennen verspüren. Dann wird gelegentlich eine chronische Pilzinfektion diagnostiziert, dabei handelt sich jedoch um eine entstandene Allergie. Auch in diesen Fällen besteht die Lösung in der richtigen Hautpflege und einer Änderung der bisherigen Hygiene- Maßnahmen.

 

Behandlung & Pflege des Intimbereiches

Die Intimzone sollte gepflegt und aufgebaut werden, anstatt die eigene Körperflora zu bekämpfen, die zu unserem Leben gehört und die mit keinem Antibiotikum beseitigt werden kann. „Wenn man in einem Haus sitzt und es regnet hinein, dann repariert man sein Dach und kämpft nicht gegen Regen“, wie Prof. Petersen seinen Patientinnen gerne das Problem veranschaulicht.

Wie schon erwähnt, kommen die meisten Beschwerden im Intimbereich durch Hautbeschädigung zustande. Eine gestörte Vaginalflora, ein Risiko für Frühgeburten, wird am einfachsten durch Ansäuerung mit z.B. Vitamin C, es wirkt anti- oxidativ und immunmodulatorisch, beseitigt. Bei der Hautpflege muss man allerdings ein wenig Geduld beweisen, denn es dauert mitunter Wochen bis Monate, bis eine nachhaltige Besserung der Haut bis hin zur Heilung eintritt.