Bei der Mehrzahl der Frauen jenseits des 40. Lebensjahres kommen diese gutartigen Muskelfaserknoten vor. Wenn sie zu Beschwerden führen, sollten sie behandelt werden, so Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universitätsklinik in Wien.

Was sind Myome?

Myome sind gutartige Muskelfasergeschwulste an der Gebärmutter. Die Gebärmutter ist ein erstaunliches Organ, ein Wunderwerk der Evolution. Normalerweise ist sie nur so gross wie eine Birne, doch während der Schwangerschaft kann sie sich bis zum Rippenbogen vergrößern.

Die enorme Anzahl an Stammzellen, die sich in der Muskulatur der Gebärmutter befindet, ermöglicht die starke Vergrößerung dieses Organs. Doch eben diese Stammzellen haben auch eine Neigung dazu, sich bei gewissen hormonellen Zuständen auch ohne Schwangerschaft zu vergrößern. So kommt es zu den Myomen, regionalen Muskelvergrößerungen in der Gebärmutter.

Wie viele Frauen sind davon betroffen?

Man muss davon ausgehen, dass 30 bis 40 Prozent der Frauen Myome haben, doch nur bei einem kleinen Teil von ihnen kommt es zu Beschwerden. Dies hängt oft von der Lage und der Größe des Myoms ab.

Die Symptome reichen dabei von starken und dauerhaften Blutungen – dem häufigsten Symptom – bis hin zu Unterbauchschmerzen, Blasen- und Darmproblemen oder Fruchtbarkeitsstörungen. Myome waren früher die häufigste Ursache für eine Gebärmutterentfernung. Heute stehen viele Frauen der Uterusentfernung kritisch gegenüber und sie wird auch von Medizinern seltener zur Behandlung von Myomen empfohlen.

Welche Therapiemethoden gibt es?

Die Symptome von Myomen können mit einem Gelbkörperhormon, der Pille oder der Hormonspirale gemildert werden, kleiner werden die Myome dadurch aber nicht. Mit einer besonderen Spritze kann die Patientin für einige Monate in einen künstlichen Wechsel gebracht werden, dadurch beginnt das Myom zu schrumpfen. Man kann das Myom konservativ operieren, indem man nur das Myom herausnimmt, nicht jedoch die ganze Gebärmutter.

Doch eine bessere Therapiemöglichkeit ist ein Antiprogesteron in Tablettenform, welches die Patientin für rund drei Monate einnimmt und welches das Myom um 50 Prozent verkleinert. Damit sind die Patientinnen in vielen Fällen beschwerdefrei. Das Medikament ist von der Gesundheitsbehörde eigens dafür registriert und abgesehen von gelegentlichen Hitzewallungen gut verträglich. Natürlich muss es aber von einem Arzt nach einer Untersuchung und in einer begleitenden Therapie verschrieben werden.

Wie wirkt dieses Medikament?

Die Tabletten beinhalten einen Progesteronrezeptormodulator, der in den Hormonhaushalt eingreift und die Wirkung von Progesteron blockiert. Das Progesteron ist ein Schwangerschaftshormon, es kann aber auch außerhalb der Schwangerschaft die Gebärmutter zum Wachsen bringen.

Durch die Einnahme des Medikaments teilen sich die Myomzellen nicht mehr und sterben ab, wodurch sich die Myome verkleinern. Schon in den ersten Therapiewochen bemerken Patientinnen einen deutlichen Rückgang der Blutungen – wodurch sich auch eine allfällige Blutarmut zurückbilden und der Eisenspeicher wieder aufgefüllt werden kann.

Welche Vorteile haben Patientinnen gegenüber anderen Therapien?

Die Gebärmutterentfernung geht mit einer höheren Anfälligkeit zur Harninkontinenz einher, was auch einer der Gründe dafür ist, wieso Gebärmutterentfernungen heute nicht mehr so oft durchgeführt werden wie früher.

Durch die medikamentöse Therapie schrumpfen die Myome soweit, dass anschließend auch eine Laparoskopie durchgeführt werden kann, eine minimal invasive Operation, bei welcher nur die Myome entfernt werden. Zwar lassen sich auch große Myome gebärmuttererhaltend operieren, doch eine Operation wird etwas leichter, wenn die zu entfernenden Gewebeknoten möglichst klein sind.