Die Chemotherapie ist nach wie vor die Behandlungsmethode von Krebs, welche mit starken Nebenwirkungen einhergehen kann. Vor allem die starke Übelkeit ist noch vor einigen Jahren ein großes Thema gewesen. Durch eine gute Begleitmedikation lässt sich diese mittlerweile beinahe in allen Fällen vermeiden. Dennoch stehen die Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie nach wie vor im Fokus.

Verträglichkeit der Medikamente

Die Nebenwirkungen entstehen, weil die eingesetzten Medikamente, die sogenannten Zytostatika, nicht nur die Krebszellen angreifen, sondern auch die gesunden. Das gilt insbesondere für jene Zellen, die sich schnell teilen. Deshalb sind von den Nebenwirkungen vor allem das blutbildende Knochenmark sowie die Zellen der Haarwurzeln und der Schleimhäute betroffen. Da die Verträglichkeit der Therapie sehr unterschiedlich ist, lassen sich die Nebenwirkungen und deren Intensität auch nicht genau vorhersagen. Verschiedene Faktoren wie der individuelle Stoffwechsel, der Abbau der Medikamente im Körper und auch die Zusammensetzung der Zytostatika haben einen Einfluss auf die Nebenwirkungen. Während die eine Therapie einen starken Haarausfall beim einen Patienten bewirken kann, wird beim anderen das Haar vielleicht nur etwas schütterer.  Aufgrund dieser spezifischen Verträglichkeiten ist eine enge Begleitung des Patienten durch den behandelnden Onkologen zentral. 

Übelkeit abwenden

In Bezug auf die vielfach befürchtete Übelkeit spielen auch psychische Faktoren eine Rolle. Die Stärke der Reaktion und der Zeitpunkt des Auftretens hängen von der jeweiligen Substanz ab. Menschen, die eine starke Abneigung gegen die Therapie empfinden oder stark mit einer Reaktion ihres Körpers rechnen, haben meist häufiger mit einem tatsächlichen Eintreten der Übelkeit zu kämpfen als solche, die sich bewusst ablenken. Heute erhalten viele PatientInnen, wenn nötig, gleichzeitig mit dem Zytostatikum Mittel zur Unterdrückung dieser Reaktion. 

Psychologische Herausforderung

Bei höher dosierten Chemotherapien, beispielsweise bei hochmalignen Lymphomen oder akuter Leukäumie, werden auch die Schleimhäute im Mund, im Verdauungstrakt und im Genitalbereich in Mitleidenschaft gezogen, so dass diese intensiver gepflegt werden müssen. Eine der als gravierendsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie empfundenen Nebenwirkungen ist für viele Patientinnen der Haarverlust. Auch wenn diese nach der Therapie schnell wieder nachzuwachsen beginnen, ist der kahle Schädel für viele eine grosse Herausforderung. Frauen können sich bereits vor Beginn der Chemotherapie eine Perücke vom Arzt verordnen lassen, die Kosten tragen in den allermeisten Fällen die Krankenkassen. 

Vorübergehende Beschwerden

Die Folgen der Chemotherapie oder der Bestrahlung sind meist nur vorübergehend. Für die meisten PatientInnen ist relativ bald nach dem Ende der Behandlung auch die Belastung durch Nebenwirkungen vorbei. Die Übelkeit vergeht, die Haare wachsen wieder nach und der Körper erholt sich. In der Regel gilt jedoch, dass der Nutzen der Chemotherapie größer sein sollte als die Belastung. Es gibt PatientInnen, die eine Chemotherapie nicht vertragen würden. PatientInnen mit einer Herzinsuffizienz oder einer Zirrhose der Leber gehen das große Risiko der sogenannten Komorbidität ein. Gesunde Organe sind die Voraussetzung für eine Chemotherapie. Gesunde Zellen erholen sich nach Ende der Behandlung dann auch schneller als kranke Zellen, dennoch können die Medikamente Schäden an den Zellen und der DNA hinterlassen, die für immer bleiben. Unter Umständen sind die Veränderungen, die Zytostatika im Körper hinterlassen, noch sehr lange nachweisbar. 

Krebs gehört nach wie vor zu jenen Erkrankungen, die mit einer starken Angst vor körperlicher Versehrtheit gekoppelt sind. Im Gegensatz zu einer Therapie mit Zytostatika sind größere Eingriffe wie etwa eine Brustamputation oder die Entfernung des Magens mit längerfristigen und gravierenden Folgen verbunden. Weil die Forschung darauf ein besonderes Augenmerk legt, sind mittlerweile öfter als früher gewebeerhaltende Operationen möglich. Wie dramatisch die individuelle Krebserkrankung und die damit verbundenen Veränderungen erlebt werden, hängt jedoch von einer Vielzahl von Faktoren ab. So auch von der Selbstwahrnehmung der PatientInnen, der Beziehung zu deren Umfeld und dem guten Kontakt zum behandelnden Arzt.