Univ. Prof. Dr. Ludwig Wildt
Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie und Direktor der Universitätsklinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Department Frauenheilkunde, medizinische Universität Innsbruck, Österreich

In Österreich sind etwa 15 Prozent aller Paare ungewollt kinderlos. Die Gründe hierfür sind vielfältig; Störungen der Eierstockfunktion und der Eileiter, Endometriose (Absiedlung von Gebärmutterschleimhaut in die Bauchhöhle), männliche Faktoren wie eingeschränkte Samenqualität, aber auch Stress und Umweltfaktoren tragen als Ursache zur ungewollten Kinderlosigkeit bei. 

 

Behandlungsmöglichkeiten

In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, mit denen betroffenen Paaren die Erfüllung ihres Kinderwunsches ermöglicht werden kann. Diese Behandlungsverfahren erstrecken  sich von der einfachen Bestimmung des günstigsten Zeitpunkts für Geschlechtsverkehr im Zyklus bis hin zur Reagenzglasbefruchtung. Die für das jeweilige Paar geeignete Methode kann durch ärztliche Untersuchungen ermittelt werden.

Zu diesen Untersuchungsverfahren gehören beim Mann die Durchführung eines Spermiogramms, bei der Frau die Bestimmung des Hormonstatus, die Abklärung der Schilddrüsenfunktion, die Überprüfung der Durchgängigkeit der Eileiter mittels Ultraschall sowie unter Umständen die Bauchspiegelung zum Ausschluss anatomischer Veränderungen der Gebärmutter, der Eierstöcke und der Bauchhöhle. Eine genetische Untersuchung kann ebenfalls erforderlich werden. Diese Untersuchungsverfahren dienen zur Auswahl der optimalen Therapie. 

 

Zeitaufwand und Kosten

Je nach ausgewähltem Behandlungsverfahren kann der Zeitaufwand für Diagnostik und Behandlung unter Umständen beträchtlich sein und eventuell mit der Berufsausübung kollidieren. Darüber hinaus können durch die Behandlung Kosten entstehen, die nur zum Teil von der Krankenversicherung, im Falle der Reagenzglasbefruchtung vom IVF-Fonds zu 2/3 für 4 Behandlungsversuche bis zum 40. Geburtstag der Frau und dem 50. Geburtstag des Mannes übernommen werden.

Dennoch können unter Umständen erhebliche Kosten anfallen, die von den betroffenen Paaren selbst getragen werden müssen. Auch wenn die heutigen Behandlungsverfahren deutlich weniger belastend sind als noch vor 20 Jahren, kann eine Kinderwunschbehandlung mit erheblichem Stress verbunden sein. Gegebenenfalls können geeignete ärztliche und begleitende Verfahren, wie Akupunktur oder auch psychologische Beratung, den Stress der Behandlung vermindern. 

 

„In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, mit denen betroffenen Paaren die Erfüllung ihres Kinderwunsches ermöglicht werden kann.“

 

Kinderwunsch

Der Wunsch nach eigenen Kindern gehört zu den elementaren menschlichen Bedürfnissen, zu dessen Erfüllung die moderne Medizin sehr viel beitragen kann. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Fruchtbarkeit der meisten Frauen ab dem 35. Lebensjahr deutlich abnimmt und dann medizinische Behandlungen unter Umständen nicht mehr zu dem gewünschten Erfolg führen können.

Leider wird durch verschiedene Medienberichte über Schwangerschaften von Prominenten über 50 in der Öffentlichkeit der gegenteilige Eindruck hervorgerufen. Von ärztlicher Seite ist deshalb allen Paaren mit Kinderwunsch zu einer möglichst frühzeitigen Abklärung und gegebenenfalls einer Behandlung zu raten.