• Mag. Mona Knotek-Roggenbauer, Msc
  • Mag. Sabine Spitz
  • Prof. Dr. Rupert Bartsch
Mag. Mona Knotek-Roggenbauer, Msc, Präsidentin Europa Donna Austria

Mag. Mona Knotek-Roggenbauer, Msc

Wie sehen Sie die Behandlung von Patientinnen in Österreich?  

Besonders gut läuft die Betreuung in zertifizierten Brustgesundheitszentren, welche sehr gut auf die umfassenden Anforderungen von Patientinnen eingehen können. Nachholbedarf sehe ich vor allem in der Arzt-Patientinnen-Kommunikation sowie in der Betreuung und Versorgung in "kleinen" Krankenhäusern, die nicht auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisiert sind.

Es gibt auch Anlaufstellen, welche psychoonkologische Betreuung anbieten, leider sind diese noch nicht flächendeckend verfügbar. Auch Krebshilfe-Beratungsstellen bieten gute Informationen an. Das Projekt Europa Donna Coaches ist gerade im Aufbau, das u.a. auch Krisenintervention anbieten wird. 

Gibt es –- aus Ihrer Sicht – trotz größeren Bewusstseins – noch immer zu wenig Wissen über die Krankheit selbst?  

Hier bemüht sich Europa Donna laufend um die Verbreitung von gut aufbereiteten Informationen, insbesondere auch mit Hilfe von Social Media und gezielten Blogs. Ein informativer Film zur Brust-Selbstuntersuchung kann auf der Website von Europa Donna abgerufen werden.

 Was liegt Ihnen bei diesem Thema noch am Herzen?

Es wird so viel vom "Patienten im Mittelpunkt" gesprochen. Leider nehmen in der Realität die Bedürfnisse von betroffenen Menschen oftmals nur einen kleinen Stellenwert in der Behandlung ein. Ich wünsche mir mehr Unterstützung von  Patientinnen, die  durch die Erkrankung bzw. durch Nebenwirkungen aufgrund der  zum Teil sehr langen Therapie auch in finanzielle Nöte geraten können.

Aus eigener Betroffenheit weiß ich, welche Themen für Patientinnen und deren Angehörige im Vordergrund stehen. Mein großer Wunsch wäre es, als "Stimme der Patientinnen" Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen und Gesetzen zu bekommen.

Mag. Sabine Spitz, Patientin

Mag. Sabine Spitz

Können Sie sich noch an den Moment der Diagnose erinnern?

Ich hatte lediglich eine Hauteinziehung auf meiner Brust entdeckt, die ich abklären lassen wollte, ansonsten hatte ich keine Beschwerden. Als ich die Diagnose bekam, musste ich an meine frühere Berufstätigkeit denken, wo ich Mütter mit metastasierendem Brustkrebs sterben sah. Mein Arzt erklärte mir, dass ich eine chronische Erkrankung hätte, da diese Form noch nicht heilbar ist.

Obwohl er mir versicherte, dass ich nicht sterben würde, dachte ich am nächsten Tag, dass nun alles vorbei ist, worauf ich knapp sieben Stunden lang weinte und mich sterben sah. Als ich wieder zu mir kam, dachte ich: „Aber noch lebe ich!“ Langsam begann die Verarbeitungsphase.

Wie erfolgte die Therapie?         

Zuerst wurde in einem Tumorboard ein Therapieplan entwickelt und mit mir anschließend genau besprochen. Aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums meiner Erkrankung wurde meine Brust in einer totalen Mastektomie entfernt. Danach bekam ich eine Bestrahlung und wurde auf eine systemische Antihormon-Therapie eingestellt.

Bei der metastasierten Erkrankung erfolgt die Behandlung ein Leben lang. Ich bin zu Beginn meiner Behandlung auch einer klinischen Studie beigetreten, um der Forschung dabei zu helfen, diese spezielle Form der Erkrankung besser zu verstehen.  

Was würden Sie sich als Patientin wünschen?

Ich bin sehr froh, dass in Österreich bis jetzt noch alle PatientInnen eine indviduelle Behandlung erhalten haben, und zwar jene, welche am besten zur jeweiligen Brustkrebserkrankung der jeweiligen Person passt. Denn es gibt nicht nur eine Brustkrebserkrankung, sondern sehr viele verschiedene Unterformen.

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass dieser Weg weiterhin für alle Patientinnen zur Verfügung steht – egal in welcher Einrichtung und unabhängig von Alter oder Einkommen der betroffenen Menschen.

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch, OA an der Klinischen Abteilung für Onkologie für Innere Medizin I an der Medizinischen Universität Wien

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch

Wie sieht die Therapie bei Brustkrebs aus? 

Bei der Behandlung von Brustkrebs steht eine Enge interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedliche Fachgruppen im Vordergrund und die Therapie sollte bevorzugt an einem Zentrum mit entsprechender Expertise erfolgen, um das optimale Ergebnis für die betroffene Frau zu erzielen. Bei Brustkrebs im Frühstadium ist die operative Entfernung des Tumors auch weiterhin der entscheidende Schritt, wobei die brusterhaltende Operation als Standard gilt. Um das lokale Rückfallrisiko zu senken, wird in den meisten Fällen nach brusterhaltender Operation eine Strahlentherapie empfohlen. Zur Minimierung des Risikos für Fernmetastasen in anderen Organen wie Knochen, Leber, Lunge, sollte eine systemische Therapie angedacht werden. Diese ist eine medikamentöse Therapie, die im ganzen Körper wirken kann. Die genaue Form einer solchen systemischen Behandlung richtet sich dabei nach speziellen biologischen Eigenschaften des Tumors. Bei metastasiertem Brustkrebs ist das Ziel der Behandlung jedoch nicht mehr die Heilung, sondern die Stabilisierung der Erkrankung über viele Jahre hinweg, wobei die Antihormontherapie die bevorzugte Wahl der Therapie ist.


 

Ab wann sollte eine Frau gezielt zu der Vorsorgeuntersuchung gehen?

Im Rahmen des österreichischen Früherkennungsprogramms können Frauen alle zwei Jahre ab dem 40. Lebensjahr eine Mammographie kostenlos durchführen lassen. Frauen in Hochrisikogruppen, etwa bei Vorliegen eines familiären Brust-Eierstockkrebssyndroms, sollten jedoch bereits ab dem 25. Lebensjahr an speziellen Früherkennungsprogrammen mittels MRT-Mammographie teilnehmen.


Wie sehen die Heilungschancen aus?

Bei Brustkrebs im Frühstadium also der Tumor auf Brust und Achsellymphknoten beschränkt ist, und erfreulicherweise werden mehr als 90 Prozent aller Erkrankungen im Frühstadium diagnostiziert, ist die Prognose heute sehr gut. Je nach Brustkrebsart bleiben nach einer Operation und Nachtherapie 8 bis 9 von 10 Frauen dauerhaft gesund.