Krampfadern: erblich bedingte Bindegewebsschwäche

Meist sind sie einfach nur unschön anzusehen. Knapp unterhalb der Hautoberfläche bahnen sie sich in hervorstechendem Blau krumm ihren Weg entlang der Beine. Im Wesentlichen nichts Anderes als erkrankte Venen, die sich erweitern - Krampfadern. Sie entstehen durch eine erblich bedingte Bindegewebsschwäche mit fehlenden oder krankhaften Venenklappen. Typisch an ihnen ist, dass sie im Stehen deutlich hervorkommen, im Liegen jedoch fast vollständig zurücktreten.

Schuld daran ist die Erdanziehungskraft. Wenn nämlich die Venenklappen, die dafür sorgen, dass das Blut entgegen der Schwerkraft seinen Weg wieder hinauf Richtung Herz findet, erkrankt sind, fließt es zurück und staut sich. Der Stau führt nicht nur zu Krampfadern, sondern auch zu Schmerzen, schweren Beinen, müden Beinen und Spannungsgefühl. Zusätzlich können Schwellungen auftreten. In fortgeschrittenen Stadien kommt es zu bräunlichen Verfärbungen, Verhärtungen bis hin zum offenen Bein (Ulcuscruris).

 

Tiefliegende Krampfadern können zu einer Lungenembolie führen

„Gefährlich sind jedoch vor allem Veränderungen an den tiefliegenden Venen, die man nicht sieht“, sagt Oberarzt Dr. Wolfgang Müller, Facharzt für Chirurgie und Venenpraxis. Deshalb empfiehlt der Experte bei Beschwerden oder Veränderungen an den Beinen einen Spezialisten aufzusuchen. „Wenn sich eine Vene entzündet und in der Folge das Blut in dieser gerinnt, verstopft dieses fest gewordene Blut die Vene (Thrombose). Dann ist höchste Vorsicht geboten. Löst sich solch ein Gerinnsel und wandert in die Lunge, spricht man von einer Lungenembolie. Am besten schützt man sich durch einen gesunden Lebensstil, weite Beinkleidung und viel Bewegung, vor allem der Wadenmuskulatur. Denn was das Herz für den arteriellen Kreislauf, ist die Muskelpumpe für die Venen“, so der Facharzt. „Wichtig ist auch, dass medizinisch bedeutsame Klappenschwächen rechtzeitig behandelt werden“, ergänzt Dr. Müller.

 

Behandlungsmethoden von Krampfadern sind individuell verschieden

Wie beseitigt man nun jedoch dieses lästige Übel, wenn es sich erst einmal gebildet hat? „Eine ausführliche Duplexsonografi e ist die Grundlage für die Diagnose und Behandlung von Venenerkrankungen“, sagt Dr. Müller. Dabei werden die Venen mit Hilfe von Ultraschall untersucht, erkrankte Venenklappen und Fehlflüsse werden sofort erkannt. Eine völlig harmlose schmerzfreie Untersuchung, mittels der die optimale Therapie gewählt werden kann. Das Venenröntgen hingegen ann mit Nebenwirkungen behaftet sein und ist nicht mehr » state of the art».

 

Erkrankte Venen entfernen oder erhalten

Dr. Müller nennt drei prinzipielle Therapieansätze: Venen entfernen, verschließen, erhalten. Das Entfernen einer Vene ist ein chirurgischer Eingriff , wie z.B. Strippingoperation. Dabei entfernt man die erkrankte Vene, Fehlflüsse finden nicht mehr statt und die gesunden Venen werden entlastet. Eine moderne Alternative zur klassischen Venenoperation ist in vielen Fällen das Verschließen der Vene mit Laser oder Radiowelle (VNUS Closure Fast). Venen können auch durch Mikroschaum chemisch verschlossen werden (Schaumverödung). In diesen Fällen verbleibt die verschlossene Vene im Körper und wird abgebaut. In ausgewählten Fällen besteht auch die Möglichkeit, die Vene zu erhalten, da auch in erkrankten Venen gesunde Blutflüsse ablaufen können (CHIVA Methode).

„Eine »beste» Behandlungsmethode gibt es nicht – sie ist individuell für jeden Patienten verschieden. Häufig ist es auch sinnvoll, unterschiedliche Methoden zu kombinieren, um das optimale Ergebnis zu erzielen“, betont Dr. Müller. Daher gehört die Behandlung von Krampfadern in die Hand erfahrener Spezialisten, die Diagnostik mittels Ultraschall selbst durchführen und mehrere Methoden beherrschen.