Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer
Erste Professorin für Gender Medizin an der Medizinischen Universität Wien

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) empfahl 2001 lokale Strategien für eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung – für »Gendermedizin« – zu entwickeln und umzusetzen. Sie unterstreicht dabei auch die Bedeutung der Gendermedizin für die Frauengesundheit – nämlich dass der »Genderblick» - also die Berücksichtigung körperlicher, psychischer, sozialer und gesellschaftlicher Unterschiede bei Männern und Frauen in der Medizin – eine neue umfassende Perspektive in der Gesundheitsförderung, der Diagnose und Behandlung von Krankheiten von Frauen eröffnet.

Mehrfachbelastungen durch Job und Familie führen bei Frauen häufig zu psychischen Problemen und oft auch körperlichen Symptomen und chronischer Stress begünstigt die Entstehung verschiedener Krankheiten wie von depressiven Veränderungen, aber auch von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Frauen sind allgemein Stress- und Schmerzempfindlicher und leiden häufiger unter Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen als Männer. Neben einer körperlichen Untersuchung zur Symptomabklärung sind bei funktionellen Beschwerden auch begleitende Maßnahmen wie Entspannungstechniken, Verhaltensänderung, physikalische und Bewegungs-Therapien sinnvoll.

 

Frauenspezifische Präventionsmaßnahmen sind gefragt

Eine Änderung des Lebensstils mit einer Ernährungsumstellung und Steigerung der körperlichen Fitness, wobei sowohl Ausdauertraining als auch Krafttraining sinnvoll ist, kann auch zu einem besseren Wohlbefinden beitragen und senkt das Risiko für die Entstehung von Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und von Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Gemeinsame genussvolle Erlebnisse in der Partnerschaft, in der Familie oder im Freundeskreis reduzieren Stress und wirken Gesundheits-fördernd.

 

„Frauen sind anders, von der Diagnose bis zur Behandlung.“

 

Frauen leben im Schnitt um ca. 5 Jahre länger als Männer aber dieser »Gender-Gap» in der Lebenserwartung scheint in Zukunft geringer zu werden, was leider weniger auf einen zunehmend gesunden Lebensstil der Männer als auf die Zunahme ungesunden Verhaltens bei Frauen – insbesonders auf einen Anstieg des Rauchens bei jungen Frauen - zurückzuführen ist. Rauchen steigert das Risiko für einen Herzinfarkt bei Frauen deutlich mehr als bei Männern; zusätzlich geht Rauchen mit einer Zunahme von Lungenerkrankungen (COPD) einschließlich von Lungenkrebs bei Frauen einher. Auch treten bei Raucherinnen die Wechseljahre früher auf und ihr Osteoporose-Risiko steigt an. Nachdem die Gründe für das Rauchen bei Männern und Frauen oft unterschiedlich sind, bedarf es auch frauenspezifische Präventionsmaßnahmen und eigener Raucherinnen-Entwöhnungsprogramme.

 

Lebensqualität durch individuelle und moderne Frauenmedizin

Bei allen medizinischen Maßnahmen muss auch in der »Frauenmedizin « individuell vorgegangen werden, das spezifische Risikoprofil und Beschwerdebild erfasst und bei den Vorsorge- und Behandlungsmöglichkeiten die jeweilige Lebenssituation und das Umfeld, das Alter und die Begleiterkrankungen berücksichtigt werden. Einrichtungen wie Frauengesundheitsresorts setzen solche Maßnahmen um.

Eine differenzierte geschlechtssensible Behandlung führt zu weniger Komplikationen und einer höheren Zufriedenheit und Therapietreue der Patientinnen; Frauenspezifische Gesundheitsinformations- und Präventionsangebote tragen zur Erhaltung der Gesundheit und der Lebensqualität bei. 

Deshalb sind Informationen über die möglichst lange Erhaltung der »Gesundheit der Frau« bzw. über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei Krankheiten, die Frauen in besonderem Maße oder anders treffen, besonders wichtig. Diesem Thema widmet sich diese Spezialausgabe.