Univ.-Doz Dr. Lucas Prayer
ärztlicher Leiter des diagnosezentrum urania, Wien

Brustkrebs kann in ganz unterschiedlichen Formen auftreten. Häufig ist er tastbar, kann sich jedoch auch in Milchgängen »verstecken « und ist dann nicht als »Knoten« zu bemerken. Manche Tumorformen können auf Grund von Kalkablagerungen vom Radiologen mittels Mammographie entdeckt werden, andere wiederum lassen sich besser bei einer Ultraschalluntersuchung als »solide Herdläsion« auffinden. Auch äußere Veränderungen an der Brust, wie eine plötzlich auftretende Hautverdickung oder Hauteinziehung können Anzeichen für einen »Knoten« sein. Das Tückischste ist jedoch fast allen Formen gemein: sie tun nicht weh.

Brustkrebsscreening-Programm

Wenn Univ. Doz. Dr. Lucas Prayer, ärztlicher Leiter des Diagnosezentrum Urania, von einem Karzinom spricht, so meint er damit bösartige Neubildungen von Gewebe, wie es bei Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, der Fall ist. Die Erscheinungsformen können ganz unterschiedlich sein, daher befürwortet Dr. Prayer auch, dass die Qualitätskriterien für österreichische, am landesweiten Brustkrebsscreening teilnehmende Radiologen, einheitlich geregelt sind. „Häufigkeit bringt Sicherheit. Das, was man oft macht, macht man besser“, sagt der Brustkrebs-Experte, in dessen Institut bis zu 17.000 Mammographien jährlich zugewiesen werden.

Ärzte, die am derzeit geplanten Programm, das Frauen zwischen dem 45. und 69. Lebensjahr zur kostenfreien Untersuchung einlädt, teilnehmen möchten, müssen mindestens 2000 Befundungen jährlich nachweisen können und eine unabhängige Doppelbefundung gewährleisten. Für Dozent Prayer eine „sinnvolle Vorsorgemaßnahme, denn genau in dieser Altersgruppe ist das Risiko am größten. Bei Frauen unter 30 Jahren führt man in der Regel kein Bruströntgen durch, da Veränderungen in diesem Alter fast immer gutartig sind.“ Verdichtungen im Brustgewebe junger Frauen werden primär mittels Ultraschall untersucht.

 

„Wichtig ist es, seinen Körper gut zu kennen und veränderungen aufmerksam, aber ohne angst, beim Spezialisten abklären zu lassen.“

 

Warum Selbstbeobachtung so wichtig ist

Auf keinen Fall sollte jedoch das relativ niedrige Erkrankungsrisiko in jungen Jahren dazu führen, dass eine genaue Selbstbeobachtung vernachlässigt wird. Da ein Mammakarzinom normalerweise keine Schmerzen verursacht, sind vor allem fühl- und sichtbare Veränderungen der Brust ernst zu nehmen und vom Gynäkologen abzuklären. Je früher ein Tumor entdeckt wird, umso leichter gestaltet sich der Krankheitsverlauf. Zur Früherkennung empfiehlt der Arzt folgende Maßnahmen:

Bewusst auf nicht zyklusabhängige Veränderungen der Brust achten.

Einmal im Monat die Brust abtasten, am besten in der zweiten Zykluswoche. Dabei gibt es kein »richtig« oder »falsch« - es geht vor allem darum, das eigene »Körperschema « zu erfassen und Abweichungen davon wahrzunehmen.

Zweimal im Jahr Brustuntersuchung durch den Gynäkologen durchführen.

Nutzen des Angebots der Mammographie nach Empfehlung des Frauenarztes sowie genetische Beratung für Frauen, in deren Familien gehäuft bösartige Tumore dereBrust und/ oder des Eierstockes auftraten und zwar je jünger die betroffene Verwandte ersten Grades (z.B. Großmutter, Mutter oder Schwester, Tochter) war desto eher.

Abschließend will Dr. Prayer unnötige Angst nehmen: „Nicht alles, was tastbar ist, ist auch im medizinischen Sinn ein Tumor und »Tumor« bedeutet nicht automatisch »bösartig«. Wichtig ist es, seinen Körper gut zu kennen und Veränderungen aufmerksam, aber ohne Angst, beim Spezialisten abklären zu lassen.“