Frauengesundheit ist nach wie vor ein wichtiges Aufgabengebiet, da gerade bei den gesunden Lebensjahren österreichische Frauen im Mittel schlechter liegen als der europäische Durchschnitt. Auch international ist Frauengesundheit ein wichtiges Thema, auf das auch die Welt-Gesundheits-Organisation aktuell einen Schwerpunkt legt. Dabei geht es aber primär nicht um die klassischen Krankheiten der Frauenheilkunde, sondern um Gesundheitsförderung im Allgemeinen sowie Prävention, Früherkennung und Behandlung aller Krankheiten. Um das zu erreichen, müssen sowohl biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen als auch geschlechtsspezifische Belastungen und gesundheitliche Auswirkungen durch Umwelt, soziale und ökonomische Bedingungen, Bildung und Kultur und die Rolle von Männern und Frauen in der Gesellschaft berücksichtigt werden.

Die Fachdisziplin, die sich mit den Unterschieden wie auch Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern in allen Gesundheitsbelangen beschäftigt, ist die Gendermedizin. Da Frauen über lange Zeit in der Medizin, in der Medikamentenforschung und -entwicklung, sowie in großen klinischen Studien vernachlässigt wurden und viele Leitlinien derzeit noch eher auf die männlichen Ausprägungen von Krankheitsbildern fokussiert sind, ist Frauengesundheit in allen Facetten und über den gesamten Lebenszyklus der Frau ein Schwerpunkt der Gendermedizin. Im Fokus liegen dabei Gesundheitsprobleme und Krankheiten, die Frauen häufiger oder besonders schwer oder anders als Männer betreffen. Oft sind auch die Krankheitsauslöser bzw. der Altersgipfel des Auftretens von Krankheiten bei Frauen und Männern verschieden.

Frauen nehmen ihre eigenen Beschwerden oft nicht ernst, unterschätzen ihr gesundheitliches Risiko und kennen ihre individuellen Risikofaktoren nicht!

Besonders auffällig ist das um ein vielfaches häufigere Auftreten von Autoimmunerkrankungen bei Frauen, wozu biologische bzw. genetische und hormonelle Unterschiede beitragen. Dadurch haben Frauen allerdings auch eine stärkere Immunabwehr und erkranken etwas weniger an verschiedenen Infektionskrankheiten. Bei den Autoimmunerkrankungen leiden Frauen um bis zu 10 Mal häufiger unter Funktionsstörungen der Schilddrüse, aber auch unter Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (z.B. Polyarthritis, Lupus, Fibromyalgie) oder unter multipler Sklerose. Der Einfluss der Sexualhormone wird dadurch deutlich, dass mit der Pubertät oder Menopause Veränderungen der Häufigkeit oder des Schweregrades einhergehen oder dass z.B. die multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis in der Schwangerschaft seltener schubhaft verlaufen.

Generell ist bei Frauen bei verschiedenen gesundheitlichen Problemen ein zyklusabhängiger Verlauf im jüngeren Alter und eine Zunahme chronischer Erkrankungen nach der Menopause, wenn der natürliche Östrogenschutz wegfällt, zu beobachten. Dazu gehören auch starkes Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die die Haupttodesursachen darstellen. Selbst ein frühes Diabetesstadium erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei Frauen viel stärker als bei Männern verglichen mit Gesunden, weswegen gerade bei Frauen auf Vorsorge, Früherkennung und eine evidenzbasierte, medikamentöse Therapie nach entsprechender Abklärung geachtet werden muss. Frauen müssen ein besseres Bewusstsein für kardiovaskuläre Risikofaktoren entwickeln und ihr eigenes Risiko sowie mögliche Gegenmaßnahmen besser kennen. Gerade bei jungen Frauen nehmen Herzinfarkte und Schlaganfälle zu, wenn die Risikofaktoren Rauchen, Pille, Übergewicht oder Diabetes zusammentreffen.

Ein hohes Bildungsniveau ist mit einem niedrigeren Risiko für diese Erkrankungen verbunden. Schlafmangel, Stress und Bewegungsmangel steigern hingegen die Wahrscheinlichkeit für deren Auftreten. Körperliche Fitness ist gerade für Frauen besonders wichtig. Bewegung schützt vor Osteoporose, Stoffwechselproblemen, Schwangerschaftskomplikationen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen und unterstützt ein gesundes Altern. Frauenspezifische Gesundheitszentren und -resorts unterstützen Frauen bei der Prävention der häufigsten Frauenleiden und haben das Ziel, Frauen im gesamten Lebenszyklus zu begleiten und dabei zu unterstützen, aktiv, zufrieden und gesund zu sein.