Dr. Anita Rieder
Professorin für Sozialmedizin und Autorin von rund 20 Büchern

Gender Medizin ist wichtig für Frauen

Frauen haben andere Bedürfnisse als Männer, auf die fokussiert eingegangen werden muss. Die sogenannte „Gender Medizin“ erlangt gerade in diesen Zeiten einen Grad an breiter Bekanntheit, den sie schon viel länger verdient hätte. Ein wichtiger Aspekt ist und bleibt, Frauen dazu zu bringen, mehr auf ihre Bedürfnisse zu achten, diese zu artikulieren und auch einzufordern. Nach wie vor sind Frauen mehrfach belastet durch Beruf, Familie und unbezahlte Tätigkeiten. Gesundheit soll zwar nie eine Frage des Geldes sein, doch tatsächlich verdienen Frauen auch heute noch um bis zu 25 % weniger als Männer in vergleichbaren Positionen und auch dies schlägt sich in den Ausgaben für die Gesundheit, eigentlich eine Investition, nieder.

 

Inhalt und Ziel

Diese Spezialausgabe behandelt auf 12 Seiten das Thema „Gesundheit der Frau“ aus unterschiedlichen Perspektiven. Die dabei mitwirkenden MedizinerInnen und Fachleute haben ein gemeinsames Ziel: Frauen zu informieren, aufzuklären und zur Gesundheitskompetenz der Frau aktiv beizutragen.

Die in dieser Spezialausgabe angesprochenen Themen umfassen die Wichtigkeit des gesunden Darms für den ganzen Körper, die spezielle Mundhygiene in der Schwangerschaft, Prävention und Therapie von Osteoporose, die Wirkmacht der Hormone sowie die intime Gesundheit und Sexualität der Frau. Frauen müssen in bezug auf ihre sexuelle Gesundheit eine ebenso große Gesundheitskompetenz entwickeln können wie für andere Gesundheitsbereiche. Die mit Expert_innen in Kooperation verfassten Texten möchten Frauen neue Wege und Möglichkeiten anbieten, wie ein gesünderes Leben mit mehr Wohlbefinden aussehen kann.

 

Frau und Gesundheit

Frauen werden zwar älter als Männer, jedoch sind Frauen im Alter „kränker“, haben mehr Beschwerden, unter anderem ist auch die Osteoporose mit ein Grund dafür. Dazu kommt auch noch eine stärkere Armutsgefährdung der Frauen im Alter. Frauen werden zwar immer als die Gesundheitsexpert_innen ihrer eigenen wie auch der Gesundheit anderer (wie der Familienmitglieder) gesehen. Es ist aus internationalen Untersuchungen bekannt, dass Frauen vielleicht deshalb weniger professionelle Lebensstil- (gesunde Ernährung, Rauchen, Bewegung, ...) und Vorsorgeberatung bekommen. Es wird von den meisten angenommen, dass das höhere Gesundheitsbewusstsein sie wissen lässt, was richtig ist und es auch umsetzen können. Das kann sehr nachteilig für Frauen ausgehen. 

 

„Frauen werden zwar älter als Männer, jedoch sind Frauen im Alter kränker“

 

Die regelmäßigen Termine u.a. bei FrauenärztInnen werden mit zunehmendem Alter weniger wahrgenommen. Die Früherkennung bei Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebs hat noch einiges offen an Vorsorgepotential für Frauen. Weiters der Weg der vielen oft ungesunden Diäten führt Frauen nicht selten endgültig in den Teufelskreis von Adipositas, Zuckerkrankheit und anderer Komplikationen.