Da traditionell die Medizin männlich orientiert war, sind derzeit Verbesserungen der Gesundheit aus der Frauenperspektive dringend notwendig. Frauen sind im Lauf ihres Lebens mehr körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die sich aus den hormonellen Besonderheiten und möglichen Schwangerschaften sowie gesellschaftlichen Faktoren ableiten.

Obwohl Frauen generell mehr Interesse am gesunden Lebensstil und Vorsorge aufweisen, ist ihr subjektiver Gesundheitszustand meist schlechter als der der Männer vergleichbaren Alters. Sie leiden öfter unter chronischen oder rezidivierenden Schmerzen, Funktionseinschränkungen und Depressionen. Weltweit nehmen nicht übertragbare, chronische Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen zu.

Schwerwiegende Probleme

Gerade übergewichtsassoziierte Probleme betreffen Frauen besonders, bis 2025 wird die Adipositasprävalenz bei Frauen 20 Prozent überschreiten, schwere Formen werden auf fast 10 Prozent ansteigen. Dies ist auch mit einem Anstieg von Krebserkrankungen und Diabetes verbunden.

Diabetes wird zwar insgesamt bei etwas weniger Frauen als Männern diagnostiziert, führt allerdings bereits im Vorstadium bei Frauen zu einem höheren Anstieg von Gefäßkomplikationen und kostet sie mehr Lebensjahre. Übergewicht und das zunehmende Alter von Schwangeren erhöhen auch die Zahl der Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes, mittlerweile ist jede siebente Frau betroffen.

Dabei ist nicht nur das Risiko für operative Entbindungen, Schwangerschaftsbluthochdruck und kindliche Komplikationen in der Schwangerschaft deutlich erhöht, die Kinder sind außerdem gefährdet, später selbst Stoffwechselprobleme zu entwickeln. Die Mütter haben, sogar wenn sie nach der Entbindung wieder unauffällige Blutzuckerwerte zeigen, ein stark erhöhtes Risiko für Diabetes und Gefäßprobleme im weiteren Leben.

Eine rechtzeitige Therapie der Mutter in der Schwangerschaft sowie regelmäßige Gesundheits-Checks der Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes sind deshalb unerlässlich!

Bewegende Veränderungen

Auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu, auch in diesem Fall sind eine Prüfung des Stoffwechsels und der Hormone und oft auch eine Gewichtsreduktion für eine erfolgreiche Schwangerschaft erforderlich. Deshalb wäre neben gesunder Ernährung mehr Bewegung gerade für Frauen von Jugend an im Lebenskonzept sehr wichtig – aber dazu müssen Frauen Freude an sportlichen Aktivitäten erfahren!

Mittlerweile gibt es so viele unterschiedliche Möglichkeiten, dass jede etwas Passendes, vom Tanzen bis zum Yoga, finden kann. Neue Studien zeigen, dass Normalgewicht und noch mehr die körperliche Fitness im Alter von 18 einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit im späteren Leben haben.

Andererseits kann selbst ein Start in ein aktives gesundes Leben auch erst im späteren Alter noch wesentliche gesundheitliche Vorteile wie weniger Osteoporose, Stoffwechselprobleme und ein längeres Leben in besserer Qualität bringen. Wenn möglich, sollten sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining in den Alltag fix integriert werden. Langfristig scheint die psychische, körperliche und sexuelle Gesundheit von Frauen jedenfalls sogar besonders von mehr Bewegung zu profitieren!

Belastende Gewohnheiten

Ein wesentlicher Faktor ist auch das Vermeiden von Rauchen: Rauchen führt bei Frauen selbst bei geringerer Exposition zu einem höheren Anstieg von Herzinfarkten und Krebserkrankungen als bei Männern. Geschlechtsspezifische Entwöhnungsprogramme, die speziell auf frauenspezifische Probleme beim Rauchstopp abgestimmt sind, können zu besseren Erfolgsraten beitragen.

Frauen leiden teilweise unter anderen Stressauslösern, besonders bei familiären Problemen und psychosozialem Stress. Auch Schlafmangel und Nachtarbeit, was besonders Frauen im Pflegebereich trifft, wirkt sich bei Frauen negativer aus. Und sie gehen auch anders mit Stress um, oft führt Stress zu ungesunder zucker- und fettreicher Ernährung.

Hohe Spiegel von Stresshormonen und veränderte Hormonregelkreise begünstigen zusätzlich Übergewicht und Stoffwechselprobleme, sodass eine Negativspirale entsteht. Umso wichtiger ist es deshalb für Frauen mit Mehrfachbelastung, sich auch ausreichend Zeit für Entspannung und die eigene Bedürfnisse zu nehmen. Selbstbewusst und selbstbestimmt leben, Zeit mit dem Partner und den Liebsten genießen, Spaß mit Freundinnen haben, all das ist für Frauengesundheit ebenso wichtig wie für Männer.