Uni.-Prof Dr. med. Bernhard Resch
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

„Die natürliche Geburt ist für das Herz-Kreislaufsystem eines Neugeborenen durch nichts zu ersetzen“, sagt Professor Dr. med. Bernhard Resch, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin.

„Wir Ärzte müssen das Ziel haben, dass zum Geburtstermin das gesunde Kind bei einer gesunden Frau auf einem natürlichen Wege entbunden wird. Wir wissen heute, dass sowohl Kinder, die zu früh geboren werden, als auch Kinder, die mit Kaiserschnitt auf die Welt kommen, potenzielle gesundheitliche Nachteile haben. 

So ist das Risiko zum Beispiel später an Asthma zu erkranken erheblich größer, als bei Kindern, die auf normalen, natürlichem Weg auf die Welt kommen. 

Bei 10 von 100 Fällen könne es zu  Komplikationen kommen, die weit in das erste Lebensjahr der Kinder hineinreichen. 

 

Kaiserschnitt

„Wir Mediziner unterscheiden klar zwischen einem Kaiserschnitt auf Grund einer Indikation, das heißt, wenn ein medizinischer Grund wie eine Steißlage des Kindes vorliegt, und einem Kaiserschnitt ohne Indikation, auch Wunschkaiserschnitt genannt“, führt Professor Resch weiter aus. 

Er kritisierte in diesem Zusammenhang  sowohl Mütter als auch Krankenkassen und Kliniken. „Die Geburt ist etwas sehr natürliches und ich halte es für falsch, wenn sich eine Mutter dafür entscheidet ihr Kind am 9.9. um neun Uhr neun holen zu lassen.  Diese Berechenbarkeit von Geburtsterminen ist eine Katastrophe.“

Dabei nimmt Professor Resch seine eigene Zukunft und vor allem Kliniken nicht aus. Ein Kaiserschnitt rechnet sich aus ökonomischen Gründen für ein Krankenhaus gegenüber der Krankenversicherung besser, weil es mehr abrechnen kann, als bei einer natürlichen Geburt. Zudem lassen sich auch für die Kliniken organisatorisch besser planen. „Bei einer natürlichen Geburt weiss man eben nicht, wie lange die Wehen bei einer Gebärenden anhalten werden.“

„Ich höre übrigens vielfach, dass Mütter, die sich für einen Kaiserschnitt entscheiden, Angst vor dem Geburtsschmerz haben. Natürlich haben Frauen Angst vor den Schmerzen, denn eine Geburt – zumal wenn es eine Erstgeburt ist - ist ein unvorstellbares und darum sicherlich auch beängstigendes Ereignis“, führt Professor Resch weiter aus. 

 

„Die natürliche Geburt ist für das Herz-Kreislaufsystem eines Neugeborenen durch nichts zu ersetzen.“

 

Recht des Kindes auf normale Geburt

„Ich halte es deshalb für ganz besonders wichtig, Schwangere darüber aufzuklären, dass die Komplikationsrisiken viel höher sind, als bei natürlichen Geburten und dass er auch nicht schmerzfrei ist. Nur diese kommen nach dem Eingriff. Neben dem Recht der Frauen, gibt es auch ein Recht der Kinder auf eine gute und normale Geburt.“

„Übrigens“, fährt der Stationsführender Oberarzt an der klinischen Abteilung für Neonatologie an der Medizinischen Universität Graz fort, „für eine gesunde schwangere Frau mit gesundem Baby und einer normal verlaufenden Schwangerschaft ist das Gebären in den eigenen vier Wänden genauso sicher wie in einem Spital. In vielen Kulturkreisen ist dies auch heute noch üblich. Erfahrene und gut ausgebildete Gynäkologen und vor allem Hebammen können mögliche Komplikationen schon in der Schwangerschaft erkennen und behandeln.“