Meine Familie ist groß. Ich bin Ehefrau und Mutter von vier Kindern, 11, 9, 7 und 2 Jahre alt. Und um Spekulationen auszuschließen: Weder Zahl noch Abstände der Geburten der Kinder waren geplant. Unsere Kinder sind genommen wie bekommen – ein Glück, das ich mit 11 Fehlgeburten bezahlt habe.

Zu unserem Haushalt gehört noch eine Katze, die ich einst in mein Leben holte, um das Loch zu füllen, das die in meinem Bauch sterbende Kinderschar hinterließ. Mit der Katze klappte das Kinderkriegen plötzlich – entsprechend wird sie von mir hofiert. Doch das nur nebenbei.

Volles Haus, volle Waschtrommel

Als Ehefrau und vierfache Mutter habe ich was um die Ohren: Unsere Wäscheberge stehen mir buchstäblich bis zum Hals, von den Bergen von Schulbroten ganz zu schweigen, die jeden Abend zu schmieren sind. Unsere kleine 3-Zimmer-Wohnung mitten in der Stadt erschwert die reibungslose Organisation des Haushalts, bringt aber kurze Wege mit sich, die wir alle zu schätzen wissen. Allen voran mein Mann, der den Großteil der außer-Haus-Gänge auf der Liste stehen hat.

Volles Haus, voller Terminkalender

Apropos Liste: Das Leben meiner Großfamilie takten Termine, die Schule, Kinderladen, Sportverein und Ärzte vorgeben. Zum Glück liebe ich Listen, sie helfen, den Überblick zu behalten. Ich erdenke mir abends im Bett To-Do-Listen für den kommenden Tag und arbeite sie nach dem Aufstehen ab. Stressig wird’s, wenn mein Plan nicht aufgeht, aber dann greifen B- und C-Liste, schließlich bin ich Sternzeichen Jungfrau und die sind berühmt für Organisationstalent.

Volles Haus, voller Schreibtisch

Meine angeblich auch vom Sternbild rührende Ordnungsliebe macht mir mitunter das Leben schwer: Als freie Journalistin schreibe ich daheim. Mein Schreibtisch ist das Sofa: mittendrin, Haushalt und jüngstes Kind stets im Blick. Wer Jungfrau ist, weiß, was ich meine. Doch ein Katzenhaar lockt mich nicht mehr von der Arbeit weg. Mein Pensum ist schließlich hoch, da mein Mann sich selbstständig macht und ich den Großteil unseres Einkommens allein schultere. Das belastet.

Zumal mir ungestörtes Schreiben noch nicht möglich ist, weil der Kleine wegen des Stillens noch zuhause bleibt. Bis er in den Kinderladen kommt, nutze ich sein Nickerchen, um beidhändig in die Tasten zu hauen. Den Großteil der Schreiberei und des dazugehörigen Denkens erledige ich allerdings in Häppchen über den Tag verteilt – Zeitmanagement ist meine Leidenschaft.

Volles Haus, volle Wanne

Mein Leben ist voll. In Momenten, wo es mir zu voll wird, auch, weil mein Frausein sich zyklisch mit hormonischer Schieflage meldet, die mich in Sekunden von himmelhochjauchzend in zu Tode betrübt verwandelt, nehme ich mithilfe von Mann und Mutter eine Auszeit: ein Bad rettet gezerrte Muskeln und Nerven! Gesunde Ernährung und Gymnastik halten fit. Beides gönne ich mir täglich. Denn auf meiner Gesundheit fußt meine Art, Ehe, Familie und Job zu vereinbaren. Eine Lebensart, die ich mit ihren Kompromissen l(i)ebe – weil sie selbst gewähltes Schicksal ist.